Impfungen in Deutschland: STIKO-Kalender, Masern, Impfpass und Impfungen für Kinder und Erwachsene

Impfungen in Deutschland: STIKO-Kalender, Masern, Impfpass und Impfungen für Kinder und Erwachsene

In Deutschland sind die meisten Impfungen nicht verpflichtend, aber das staatliche Gesundheitssystem stützt sich aktiv auf die Empfehlungen der STIKO – der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut. Für Familien, die nach Deutschland ziehen, sind drei Dinge wichtig: die alten Einträge im Impfpass zu überprüfen, den deutschen Impfkalender zu verstehen und die Anforderungen an den Masernschutz für Kindergarten, Schule und bestimmte Berufe gesondert zu prüfen.

Wie sind die STIKO-Empfehlungen aufgebaut?

Die STIKO aktualisiert jährlich ihre Empfehlungen zu Standard-, Zusatz- und risikobedingten Impfungen. Im Impfkalender sind das Alter, die Abstände zwischen den Dosen sowie Situationen angegeben, in denen die Impfung nicht für alle, sondern nur für bestimmte Gruppen erforderlich ist: ältere Menschen, Schwangere, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Angehörige bestimmter Berufsgruppen oder Reisende.

In den Basisempfehlungen für Kinder und Jugendliche sind in der Regel Impfungen gegen folgende Krankheiten enthalten:

  • Tetanus;
  • Diphtherie;
  • Keuchhusten – Pertussis;
  • Haemophilus influenzae Typ b – Hib;
  • Poliomyelitis – Poliomyelitis;
  • Hepatitis B — Hepatitis B;
  • Pneumokokken-Infektion – Pneumokokken;
  • Rotavirus;
  • Meningokokken, einschließlich gesonderter Empfehlungen zu den einzelnen Serogruppen;
  • Masern, Mumps und Röteln – Masern, Mumps, Röteln, üblicherweise MMR;
  • Windpocken – Varizellen;
  • HPV – Humane Papillomviren / HPV;
  • COVID-19 und andere Infektionskrankheiten für bestimmte Alters- oder Risikogruppen.

Im Jahr 2026 berücksichtigt der STIKO-Kalender auch Empfehlungen zu RSV für Säuglinge und ältere Menschen, während die individuellen Indikationen für COVID-19, Pneumokokken, Grippe, Gürtelrose, FSME und Mpox vom Alter, Gesundheitszustand, Beruf und den Kontaktmöglichkeiten abhängen. Daher ist es ratsam, die Tabelle aus dem alten Artikel nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt in den persönlichen Impfplan zu übernehmen.

Was Familien nach dem Umzug überprüfen sollten

Der erste praktische Schritt besteht darin, alle Impfunterlagen zusammenzustellen: den Papierausweis, die Krankenakte des Kindes, Auszüge sowie Daten aus elektronischen Systemen im Heimatland. Beim Arzttermin in Deutschland vergleicht der Kinderarzt oder Hausarzt die Einträge mit dem deutschen Impfkalender und schlägt eine Nachholimpfung vor, falls Dosen ausgelassen wurden oder der Impfstatus unklar ist.

Besonders wichtig ist es, Folgendes zu überprüfen:

  • Liegen zwei MMR-Dosen oder ein anderweitig nachgewiesener Masernimmunschutz vor?
  • wann die letzte Auffrischungsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten erfolgte;
  • Sind die Impfserien gegen Polio, Hib, Hepatitis B und Pneumokokken abgeschlossen?
  • Braucht ein Jugendlicher eine HPV-Impfung?;
  • Gehört die Familie zu einer Risikogruppe für Grippe, COVID-19, RSV, Pneumokokken oder Gürtelrose?
  • ob Sie in einem FSME-Risikogebiet leben oder sich häufig dort aufhalten.

Wenn die Unterlagen in einer anderen Sprache vorliegen, ist eine Übersetzung der Impfstoffbezeichnungen hilfreich, doch das Format der Anforderungen hängt vom Arzt, der Schule, der Kindertagesstätte und dem Bundesland ab. Manchmal reicht der Originalnachweis aus, manchmal wird eine deutsche Erläuterung oder eine beglaubigte Übersetzung verlangt. Klären Sie im Zweifelsfall die Anforderungen vorab bei der jeweiligen Einrichtung ab.

Impfungen für Kinder: Der Impfkalender in Kürze

Die Impfungen von Kindern in Deutschland sind mit den Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) und den Besuchen beim Kinderarzt verbunden. Die ersten Empfehlungen gelten bereits für die ersten Lebenswochen: Die Rotavirus-Impfung beginnt etwa ab der 6. Woche, und viele Grundimpfungen finden in den ersten Monaten statt.

Vereinfacht sieht der Kalender wie folgt aus:

Alter Was wird in der Regel überprüft
Die ersten Wochen und Monate RSV-Prophylaxe gemäß den Vorgaben des Impfkalenders, Rotavirus, Beginn der Grundimmunisierung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hib, Polio, Hepatitis B, Pneumokokken und Meningokokken gemäß dem aktuellen STIKO-Kalender
11–15 Monate Abschluss eines Teils der Grundimmunisierung, erste MMR- und Windpocken-Impfung, Meningokokken-Impfungen gemäß Impfkalender
15–23 Monate zweite Dosen MMR und Windpocken, Nachholimpfungen
5–6 Jahre Auffrischungsimpfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten
9–14 Jahre HPV, in der Regel zwei Dosen bei rechtzeitiger Impfung; Nachholimpfung bis ins Jugendalter auf ärztliche Empfehlung
9–16 Jahre Auffrischungsimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Polio, Überprüfung auf versäumte Impfungen im Kindesalter

Der genaue Ablauf hängt vom Alter des Kindes, den bisherigen Impfdosen, dem verwendeten Impfstoff, den Impfabständen und medizinischen Kontraindikationen ab. Wenn ein Kind seit seiner Geburt nicht nach dem deutschen Impfkalender geimpft wurde, fängt der Arzt nicht automatisch „bei Null“ an, sondern bewertet die vorhandenen Einträge und schließt Lücken.

Impfungen für Erwachsene

Erwachsene in Deutschland werden in der Regel alle 10 Jahre an die Auffrischungsimpfung gegen Tetanus und Diphtherie erinnert. Eine dieser Auffrischungsimpfungen empfiehlt die STIKO in Kombination mit einer Impfung gegen Keuchhusten. Polio, Hepatitis B und andere Impfungen werden anhand des Impfverlaufs, des Berufs, der Reisetätigkeit und der Risiken geprüft.

Für Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden, ist die Masernimpfung wichtig: Wenn der Impfstatus unklar ist, keine Impfungen vorliegen oder in der Kindheit nur eine Dosis verabreicht wurde, kann der Arzt eine MMR-Impfung empfehlen. Dies ist besonders wichtig für Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, medizinischen Einrichtungen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten oder dies planen.

COVID-19 sollte im Jahr 2026 nicht als „pandemiebedingte Pflichtimpfung“ bezeichnet werden. Für viele Erwachsene ist ein grundlegender Immunschutz wichtig, während jährliche Auffrischungsimpfungen in der Regel für ältere Menschen und Risikogruppen empfohlen werden. Den konkreten Impfplan sollte man am besten mit dem Hausarzt abklären, da sich die Empfehlungen schneller ändern als Evergreen-Artikel.

Impfungen für ältere Menschen und Risikogruppen

Ab einem Alter von 60 Jahren und bei bestimmten chronischen Erkrankungen überprüft der Arzt in der Regel den Impfschutz gegen Grippe, COVID-19, Pneumokokken und Gürtelrose. Für RSV gibt es in den aktuellen Empfehlungen Alters- und Risikokriterien. Für Schwangere, Menschen mit Immunschwäche, Diabetes, chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen sowie für medizinisches Personal sind oft gesonderte Empfehlungen erforderlich.

Man sollte den Impfstoff nicht allein anhand des Alters auswählen. In Deutschland richtet sich die Entscheidung in der Regel nach dem STIKO-Kalender, der Krankengeschichte, beruflichen Risiken und dem Leistungsumfang der Krankenkasse.

Sind Impfungen in Deutschland verpflichtend?

Eine allgemeine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht. Seit 2020 gilt jedoch der Masernschutz: Vor dem Besuch von Kindergärten, Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen muss der Masernschutz oder eine medizinische Kontraindikation nachgewiesen werden. Die Regelung gilt auch für viele Mitarbeiter solcher Einrichtungen, für medizinisches Personal sowie für Personen, die in Unterkünften für Flüchtlinge oder Asylsuchende untergebracht sind, sofern sie nach 1970 geboren wurden.

Als Nachweis dienen in der Regel ein Eintrag im Impfpass, ein ärztliches Attest über eine durchgemachte Masernerkrankung, ein labortechnischer Nachweis der Immunität oder eine Bescheinigung über eine Kontraindikation. Für Schüler bleibt die Schulpflicht ein gesonderter Aspekt, doch das Fehlen eines Nachweises kann zu einer Meldung an das Gesundheitsamt und zu verwaltungsrechtlichen Konsequenzen führen.

Kindergarten, Schule und Impfungen

Für den Kindergarten und die Schule wird meist speziell der Nachweis des Masernschutzes verlangt und nicht die vollständige Liste aller Impfungen. Dabei kann die Einrichtung selbst zusätzlich darum bitten, den Impfpass vorzulegen, damit der Arzt oder die Einrichtung sehen kann, welche Impfungen bereits vorgenommen wurden.

Wenn eine Familie gerade erst zugezogen ist, sollte sie besser nicht bis zur letzten Woche vor der Einschulung warten. Vereinbaren Sie einen Termin beim Kinderarzt, bringen Sie alte Unterlagen mit, bitten Sie darum, die Daten in den deutschen Impfpass zu übertragen, und erkundigen Sie sich, welche Bescheinigungen die jeweilige Kindertagesstätte oder Schule akzeptiert.

FSME: Impfung gegen Zeckenenzephalitis

FSME – Frühsommer-Meningoenzephalitis, Zeckenenzephalitis. Das Risiko ist in Deutschland ungleichmäßig verteilt: Besonders aufmerksam wird es in den südlichen Bundesländern und in den offiziell ausgewiesenen Risikogebieten geprüft. Die FSME-Impfung ist keine allgemeine Impfpflicht, wird jedoch Personen empfohlen, die in Risikogebieten leben, arbeiten oder sich häufig in der Natur aufhalten.

Die Impfung schützt nicht vor Borreliose, daher ist ein Schutz vor Zeckenbissen trotzdem erforderlich: geschlossene Kleidung, Überprüfung der Haut nach einem Spaziergang, schnelles Entfernen der Zecke und Arztbesuch bei Symptomen.

Blaue Zonen – Regionen in Deutschland, in denen eine Impfung gegen Zeckenenzephalitis empfohlen wird.

Wie läuft die Impfung ab?

Impfungen bei Kindern werden vom Kinderarzt vorgenommen, bei Erwachsenen vom Hausarzt, Allgemeinmediziner oder Facharzt. Vor der Impfung erkundigt sich der Arzt nach Fieber, Allergien, chronischen Erkrankungen, einer möglichen Schwangerschaft, früheren Reaktionen auf Impfstoffe und aktuell eingenommenen Medikamenten. Ein leichter Schnupfen ist an sich nicht immer ein Grund, die Impfung zu verschieben, aber die Entscheidung trifft der Arzt.

In Kindergärten und Schulen werden in der Regel keine Massenimpfungen organisiert, wie es in einigen Ländern üblich ist. Dafür bieten Arbeitgeber manchmal saisonale Grippeimpfungen oder andere Impfungen über den Betriebsarzt an.

Impfpass und Gelbes Heft

Nach einer Impfung wird ein Eintrag in den Impfpass, den Impfausweis oder das Impfbuch eingetragen. Darin werden das Datum, der Impfstoff, die Chargennummer sowie die Unterschrift und der Stempel des Arztes festgehalten. Dieses Dokument sollte bei jedem Impftermin mitgebracht werden.

Der Impfpass – der Impfausweis in Deutschland.

Für Kinder wird parallel dazu das „Gelbe Heft“ geführt – ein Heft über die Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9. Es ist kein Ersatz für den Impfpass, sondern ein separates Dokument über die planmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Es kann bei der Anmeldung in der Kindertagesstätte oder in der Schule verlangt werden, aber für Impfungen bleibt der Impfpass oder ein ärztliches Attest maßgeblich.

Wer bezahlt die Impfungen?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel Impfungen, die in der Schutzimpfungs-Richtlinie des G-BA aufgeführt sind und auf den Empfehlungen der STIKO basieren. Dies gilt für Routineimpfungen und viele Indikationsimpfungen.

Wenn das Risiko berufsbedingt ist, übernimmt manchmal der Arbeitgeber oder die Berufsgenossenschaft die Kosten. Wenn eine Impfung für eine Dienstreise erforderlich ist, wird sie oft von der Krankenkasse oder vom Arbeitgeber übernommen. Bei privaten Reisen gelten unterschiedliche Regeln: Jede Krankenkasse legt selbst fest, welche Reiseimpfungen über das vorgeschriebene Minimum hinaus erstattet werden.

Bevor Sie in ein Land mit besonderen Anforderungen reisen, erkundigen Sie sich bitte unter bei Ihrer Krankenkasse , welche Impfungen erforderlich sind und welche Kosten übernommen werden. Bei privaten Krankenversicherungen hängen die Bedingungen vom Tarif ab.

Impfungen für Zuwanderer

Bei Ausländern, die mit einem oder einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung nach Deutschland kommen , stellt sich die Frage nach Impfungen meist im Zusammenhang mit Kindergarten, Schule, Ausbildung, Arbeit im medizinischen Bereich oder in sozialen Einrichtungen. Bringen Sie Ihre alte Gesundheitsakte und Ihren Impfpass mit. Sind die Einträge unvollständig, kann der Arzt einen Antikörpertest oder eine Nachimpfung vorschlagen, dies wird jedoch individuell entschieden.

Nützliche deutsche Wörter für den Arztbesuch:

Russisch Deutsch
Impfung die Impfung
Impfstoff der Impfstoff
Impfpass der Impfpass / der Impfausweis
frühere Impfungen
Auffrischungsimpfung die Auffrischimpfung
Nebenwirkungen Nebenwirkungen
Kontraindikation Kontraindikation
Einverständniserklärung zur Impfung die Einverständniserklärung
Krankenkasse die Krankenkasse
hohes Fieber das Fieber
Schwangerschaft die Schwangerschaft
nächster Impftermin

Wo kann man den aktuellen Impfkalender einsehen?

Verwenden Sie für Ihre persönliche Planung keine veralteten Tabellen aus Blogs, sondern offizielle Quellen:

  • Robert-Koch-Institut: STIKO-Empfehlungen und Impfkalender;
  • G-BA: Schutzimpfungs-Richtlinie, anhand derer der Anspruch auf Kostenübernahme durch die GKV festgelegt wird;
  • infektionsschutz.de und impfen-info.de: verständliche Informationen für Patienten;
  • Website Ihrer Krankenkasse: Bedingungen für die Kostenübernahme von Zusatz- und Reiseimpfungen.

Wenn es um ein Kind, eine Schwangerschaft, eine chronische Erkrankung, eine Immunschwäche, einen Beruf mit Ansteckungsrisiko oder umstrittene Unterlagen nach dem Umzug geht, ist es sicherer, die Frage mit einem Arzt zu klären, anstatt sich auf allgemeine Informationen zu verlassen.