Apotheken in Deutschland: Wie man Medikamente kauft, Rezepte und Notdienstapotheken
Eine Apotheke in Deutschland ist nicht einfach nur ein Geschäft, in dem man Tabletten kaufen kann. Der Großteil der Medikamente wird ausschließlich in Apotheken verkauft, verschreibungspflichtige Präparate werden nur auf ärztliche Verschreibung abgegeben, und nachts oder sonntags ist nicht jede Apotheke geöffnet, sondern nur die diensthabende Notdienst-Apotheke. Für Neulinge besteht die wichtigste Aufgabe darin, zu verstehen, wann man zum Arzt gehen sollte, wann man den Apotheker um Rat fragen kann und wie man Medikamente sicher online kauft.
So finden Sie eine Apotheke in Deutschland
Eine deutsche Apotheke ist leicht an dem roten Buchstaben A zu erkennen. Dieses Zeichen wird seit dem 20. Jahrhundert als offizielles Erkennungsmerkmal für Apotheken verwendet, obwohl die Geschichte der Apotheken in Deutschland viel älter ist: Als einer der ältesten bekannten Apothekenstandorte gilt die Löwen-Apotheke in Trier.
Das Apothekennetz ist nach wie vor dicht, doch die Zahl der Apotheken nimmt ab. Nach Angaben des ABDA gab es Ende 2025 in Deutschland noch 16.601 Apotheken. Für die Einwohner bedeutet dies, dass der Weg zur nächsten Apotheke in manchen Gegenden länger werden kann und die Bedeutung von Notdienst-Apotheken und Lieferservices zunimmt.
Welche Medikamente sind rezeptfrei erhältlich und welche nur auf Rezept?
In Deutschland ist es wichtig, nicht nach dem Markennamen, sondern nach dem rechtlichen Status des Arzneimittels zu unterscheiden.
- Freiverkäufliche Arzneimittel – Produkte, die nicht nur in der Apotheke verkauft werden dürfen, zum Beispiel bestimmte Teesorten, einfache Vitamine und Pflegeprodukte. Wenn Sie sich für Nahrungsergänzungsmittel entscheiden, ist es hilfreich, sich separat darüber zu informieren, welche Vitamine in Deutschland gekauft werden.
- Apothekenpflichtige Arzneimittel – rezeptfreie Medikamente, die dennoch nur in der Apotheke verkauft werden. Dazu gehören häufig Schmerzmittel, Mittel gegen Erkältungen, Allergien, Sodbrennen oder Durchfall.
- Verschreibungspflichtige Arzneimittel – rezeptpflichtige Medikamente. Antibiotika, viele starke Schmerzmittel und ein Großteil der Spezialmedikamente sind ohne Rezept nicht erhältlich.
- Besonders kontrollierte Arzneimittel – zum Beispiel Medikamente, die unter die Vorschriften für Betäubungsmittel fallen. Für diese gelten gesonderte Rezepte und strengere Abgabevorschriften.
Der Apotheker kann die Einnahme erklären, die Verträglichkeit mit anderen Medikamenten prüfen und eine Darreichungsform vorschlagen, ersetzt jedoch nicht den Arzt. Wenn die Symptome stark oder ungewöhnlich sind, mehrere Tage andauern, ein Kind betreffen, im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft, einer chronischen Erkrankung oder einem Allergierisiko stehen, ist es besser, einen Termin beim Arzt zu vereinbaren.
So funktionieren Rezepte und das E-Rezept
Seit 2024 werden verschreibungspflichtige Medikamente für Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung grundsätzlich als E-Rezept ausgestellt. Dieses kann in der Apotheke über die elektronische Gesundheitskarte eGK, die E-Rezept-App oder einen ausgedruckten Code vorgelegt werden. In Einzelfällen kommen noch immer Papierrezepte zum Einsatz: beispielsweise bei bestimmten Spezialverschreibungen oder bei technischen Ausnahmen.
In einem separaten Artikel über deutsche Rezepte wird üblicherweise das alte Farbsystem erklärt:
- rosa/rotes Rezept – das Medikament wird von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, aber erwachsene Patienten zahlen in der Regel eine Zuzahlung;
- blaues Rezept – wird häufiger bei privater Krankenversicherung verwendet: Der Patient bezahlt in der Apotheke und reicht die Rechnung anschließend bei seiner privaten Krankenversicherung ein;
- Grünes Rezept – ärztliche Empfehlung für ein Medikament, das in der Regel selbst bezahlt werden muss.
Ein grünes Rezept bedeutet nicht, dass das Medikament wirkungslos ist: Der Arzt kann ein rezeptfreies Mittel empfehlen, aber die GKV erstattet die Kosten dafür nicht immer. Einige Krankenkassen erstatten freiwillig einen Teil dieser Kosten als Bonus oder Zusatzleistung. Wenn dies für Sie wichtig ist, prüfen Sie die Bedingungen Ihrer Krankenkasse; bei regelmäßigen Ausgaben lohnt es sich, die Tarife und Erstattungsregeln zu vergleichen und nicht nur die Höhe des Beitrags und die Möglichkeit, die Krankenkasse zu wechseln.
Wie viel zahlt der Patient bei der GKV?
Für Erwachsene mit gesetzlicher Krankenversicherung beträgt die Standard-Zuzahlung für erstattungsfähige Medikamente 10 % des Preises, in der Regel jedoch mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro. Kostet das Medikament weniger als 5 Euro, zahlt der Patient nicht mehr als den tatsächlichen Preis. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind in der Regel von solchen Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) befreit.
Es gibt Ausnahmen: Einige Medikamente sind von der Zuzahlung befreit, ein Teil der rezeptfreien Mittel wird nicht von der Krankenkasse übernommen, und bei chronischen Erkrankungen kann man prüfen, ob ein Anspruch auf Zuzahlungsbefreiung besteht. Daher sollte man in Zweifelsfällen besser beim Arzt, in der Apotheke oder bei der eigenen Krankenkasse nachfragen, ob ein bestimmtes Medikament übernommen wird.
Wie kauft man Medikamente in einer normalen Apotheke?
Das einfachste Szenario sieht folgendermaßen aus:
- Bei leichten Symptomen kann man in die Apotheke gehen und das Problem schildern: Schnupfen, Schmerzen, Allergie, Magenbeschwerden, Fieber.
- Wenn Sie ein verschreibungspflichtiges Medikament benötigen, wenden Sie sich zunächst an einen Arzt und lassen sich ein E-Rezept oder ein anderes zulässiges Rezept ausstellen.
- In der Apotheke legt man die eGK, den E-Rezept-Code, ein Papierrezept oder ein privates Rezept vor.
- Der Apotheker prüft die Verfügbarkeit, die Dosierung und mögliche Einschränkungen und erklärt, wie das Medikament einzunehmen ist.
- Ist ein Medikament nicht vorrätig, kann es oft noch am selben oder am nächsten Werktag bestellt werden; die Lieferzeiten hängen vom Standort und der Lieferart ab.
In kleineren Städten und ländlichen Gebieten bieten Apotheken manchmal einen Lieferservice an, insbesondere für ältere oder schwer kranke Patienten. Dies ist kein allgemeiner Anspruch, sondern eine Dienstleistung der jeweiligen Apotheke.
Online-Apotheken: Wann sie praktisch sind und wie man Fälschungen vermeidet
Online-Apotheken sind praktisch für rezeptfreie Medikamente, Nachbestellungen und Preisvergleiche. Verschreibungspflichtige Medikamente können ebenfalls online bestellt werden, jedoch nur mit einem gültigen Rezept oder E-Rezept und über eine legale Apotheke.
Prüfen Sie vor der Bestellung:
- Gibt es auf der Website ein Impressum mit den tatsächlichen Daten der Apotheke?
- Sind der verantwortliche Apotheker und die Aufsichtsbehörde angegeben?
- Gibt es ein europäisches Sicherheitssiegel für den Online-Handel mit Medikamenten?
- ob das Zeichen auf einen Eintrag im Versandhandelsregister des BfArM hinweist;
- ob die Website verschreibungspflichtige Medikamente „ohne Rezept“ anbietet.
Der letzte Punkt ist ein Warnsignal. Wenn eine Website Antibiotika, starke Schmerzmittel, Hormonpräparate oder verschreibungspflichtige Medikamente ohne ärztliche Verschreibung verspricht, sollte man besser keinen Kauf tätigen: Das Risiko von Fälschungen, falscher Dosierung und Problemen beim Zoll ist höher als jede Ersparnis.
Öffnungszeiten und Notdienstapotheken
Normale Apotheken sind nicht verpflichtet, rund um die Uhr geöffnet zu sein. Oft sind sie etwa vom Morgen bis zum frühen Abend geöffnet, samstags haben sie verkürzte Öffnungszeiten und sonntags sind sie geschlossen. Die genauen Öffnungszeiten hängen von der Stadt, dem Stadtteil und der jeweiligen Apotheke ab.
Wenn man nachts, sonntags oder an Feiertagen dringend ein Medikament benötigt, sucht man nach einer Notdienst-Apotheke. Am zuverlässigsten ist es, die offizielle Notdienstsuche auf aponet.de zu nutzen, den Ort oder die Postleitzahl einzugeben und sich die nächstgelegenen Apotheken anzeigen zu lassen. Die Adresse der Notdienstapotheke ist oft auch an der Tür der geschlossenen Apotheke ausgehängt.
Nachts kann die Tür verschlossen sein. In der Regel muss man klingeln, und der Apotheker bedient einen dann durch ein spezielles Fenster. Für den Besuch bei der Notdienst-Apotheke kann eine Notdienstgebühr anfallen; hat der Arzt auf dem Rezept die Dringlichkeit vermerkt, kann diese Gebühr von der Krankenkasse übernommen werden.
Wie man deutsche Äquivalente zu gewohnten Medikamenten findet
Man sollte sich besser nicht am Markennamen aus einem anderen Land orientieren, sondern am Wirkstoff. Ein und derselbe Wirkstoff kann unter verschiedenen Markennamen, in unterschiedlichen Dosierungen und Darreichungsformen erhältlich sein.
Beispiele, mit denen russischsprachige Einwohner Deutschlands häufig konfrontiert sind:
- Ibuprofen und Paracetamol sind in deutschen Apotheken gut bekannt, doch die Dosierung und Darreichungsform können eine Beratung oder ein Rezept erfordern.
- Aspirin – eine Marke von Bayer; in Deutschland gibt es verschiedene Darreichungsformen von Acetylsalicylsäure, doch die Kontraindikationen müssen besonders sorgfältig beachtet werden.
- Anstelle des gewohnten „No-Spa“ kann der Apotheker Mittel gegen Krämpfe anbieten, zum Beispiel Präparate mit Butylscopolamin, doch die Entscheidung hängt von den Symptomen ab.
- Bei Schnupfen wird oft nach Nasenspray gefragt; bei Kindern muss unbedingt das Alter angegeben werden: für Kinder.
- Bei Husten werden möglicherweise Mittel mit Ambroxol angeboten, zum Beispiel unter dem Markennamen Mucosolvan, sofern diese zu den Symptomen passen.
- Bei Sodbrennen sind Antazida und säurereduzierende Präparate erhältlich, darunter auch Mittel mit Omeprazol; diese sollten nicht über einen längeren Zeitraum ohne ärztliche Anweisung eingenommen werden.
- Bei Allergien findet man in Apotheken häufig Präparate mit Cetirizin oder Dimetinden, darunter Marken wie Fenistil.
- Zur Hautpflege und bei kleinen Verletzungen können Bepanthen, jodhaltige Salben oder antiseptische Sprays angeboten werden.
Man sollte die Hausapotheke nicht eins zu eins aus einem anderen Land mitbringen. Einige Medikamente, die in Russland oder den GUS-Staaten üblich sind, werden in Deutschland nicht verkauft, haben einen anderen Status oder sind verschreibungspflichtig. Dies gilt insbesondere für Antibiotika, antivirale Mittel, starke Schmerzmittel, Kinderarzneimittel und Medikamente für chronische Erkrankungen.
Was man dem Apotheker auf Deutsch sagen sollte
Nützliche Sätze:
- Ich brauche etwas gegen Kopfschmerzen. — Ich brauche etwas gegen Kopfschmerzen.
- Ich habe Fieber / Husten / Halsschmerzen. — Ich habe Fieber / Husten / Halsschmerzen.
- Ist das rezeptfrei? – Ist das rezeptfrei?
- Ich nehme schon andere Medikamente. — Ich nehme bereits andere Medikamente ein.
- Ist das für ein Kind geeignet? — Ist das für ein Kind geeignet?
- Wie oft soll ich das nehmen? – Wie oft soll ich das einnehmen?
- Gibt es ein günstigeres Präparat mit demselben Wirkstoff? — Gibt es ein günstigeres Präparat mit demselben Wirkstoff?
Wenn Ihre Deutschkenntnisse noch nicht so gut sind, können Sie dem Apotheker den Namen des Wirkstoffs, die Verpackung eines alten Medikaments oder eine Liste der Medikamente, die Sie bereits einnehmen, zeigen. Das ist sicherer, als zu versuchen, ein Äquivalent nur anhand einer ähnlichen Aussprache zu finden.
Kurze Checkliste vor dem Kauf
- Bei schweren Symptomen zuerst zum Arzt, dann in die Apotheke.
- Für verschreibungspflichtige Medikamente benötigt man ein gültiges Rezept oder ein E-Rezept.
- Bei der GKV sollten Sie eine mögliche Zuzahlung im Voraus einkalkulieren.
- Kaufen Sie online nur über registrierte Versandapotheken.
- Für eine Notdienst-Apotheke nutzen Sie die Notdienstsuche und nicht zufällige alte Listen.
- Suchen Sie nach Generika anhand des Wirkstoffs und klären Sie die Dosierung mit dem Apotheker ab.