Weiterführende Schulen in Deutschland: Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Gesamtschule

Weiterführende Schulen in Deutschland: Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Gesamtschule

Die weiterführende Schule in Deutschland beginnt nach der Grundschule und führt zu unterschiedlichen Schulabschlüssen: Hauptschulabschluss, Mittlerer Schulabschluss, Fachhochschulreife oder Abitur. Vom gewählten Weg hängt ab, ob ein Kind anschließend eine Ausbildung, eine Berufsschule, eine Hochschule für angewandte Wissenschaften oder eine Universität besucht.

Es gibt kein einheitliches Schulmodell für das ganze Land: Bildung wird von den Bundesländern geregelt. Deshalb können Schulbezeichnungen, Dauer der Stufen und Übergangsregeln nach der Grundschule in Berlin, Bayern, Nordrhein-Westfalen und anderen Ländern unterschiedlich sein. Die Grundlogik ähnelt sich jedoch: Die Sekundarstufe I vermittelt grundlegende und mittlere Schulqualifikationen, die Sekundarstufe II führt zum Abitur oder zu einer beruflichen Ausbildung.

Wie die Schullaufbahn aufgebaut ist

In der Regel dauert die Grundschule vier Jahre, in Berlin und Brandenburg sechs Jahre. Danach wechselt das Kind auf eine weiterführende Schule. Im deutschen System werden häufig drei Bildungswege unterschieden:

  • Hauptschulbildungsgang – ein stärker praxisorientierter Weg;
  • Realschulbildungsgang – der mittlere Schulweg;
  • gymnasialer Bildungsgang – der Weg zum Abitur und zur Hochschulbildung.

Diese Wege können an getrennten Schulen angeboten oder in einer Schule zusammengefasst sein. Neben den klassischen Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien gibt es deshalb Gesamtschulen, Gemeinschaftsschulen, Sekundarschulen, Oberschulen, Stadtteilschulen und weitere regionale Bezeichnungen.

Die wichtigsten Formen weiterführender Schulen

Schulform Typischer Bildungsweg Wohin sie führt
Hauptschule praxisorientierte Bildung in der Sekundarstufe I Hauptschulabschluss, anschließend Ausbildung oder weitere Schule
Realschule breiterer mittlerer Bildungsweg Mittlerer Schulabschluss, Ausbildung, Fachoberschule oder Wechsel in die gymnasiale Oberstufe
Gymnasium akademischer Bildungsweg Abitur und Zugang zu Universität oder Hochschule
Gesamtschule / Gemeinschaftsschule mehrere Bildungswege unter einem Dach verschiedene Abschlüsse: vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur, wenn eine Oberstufe vorhanden ist

In der Praxis ist nicht das Schild am Gebäude entscheidend, sondern welche Bildungsgänge und Abschlüsse die jeweilige Schule anbietet.

Hauptschule

Die Hauptschule ist auf praktische Bildung ausgerichtet und endet je nach Bundesland und Programm üblicherweise nach der 9. oder 10. Klasse. Der wichtigste Abschluss ist der Hauptschulabschluss oder ein vergleichbarer erster Schulabschluss.

Mit diesem Abschluss kann man einen Ausbildungsplatz suchen, besonders in praktischen Berufen. Die Auswahl an Programmen kann jedoch kleiner sein als mit einem Mittleren Schulabschluss. Bei guten Leistungen können Schülerinnen und Schüler ihre Bildung oft fortsetzen und später einen höheren Schulabschluss erwerben.

Realschule

Die Realschule führt gewöhnlich zum Mittleren Schulabschluss, der auch Realschulabschluss oder Mittlere Reife genannt wird. Dieser Weg verbindet allgemeinbildende Fächer mit einer stärker praktischen Ausrichtung und wird oft als flexible Option zwischen Hauptschule und Gymnasium wahrgenommen.

Nach der Realschule stehen viele Ausbildungsprogramme offen. Mit guten Noten kann man in die gymnasiale Oberstufe, an ein berufliches Gymnasium, eine Fachoberschule oder auf einen anderen Weg der Sekundarstufe II wechseln, um später Fachhochschulreife oder Abitur zu erlangen.

Gymnasium

Das Gymnasium richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die eine Hochschulbildung anstreben. Je nach Bundesland und Modell dauert der Unterricht üblicherweise bis zur 12. oder 13. Klasse. Die Abschlussprüfung ist das Abitur, also die Allgemeine Hochschulreife.

Das Abitur eröffnet den Weg zu Universitäten und anderen Hochschulen in Deutschland. In manchen Bildungsgängen kann nach der 12. Klasse oder über berufliche Schulen die Fachhochschulreife erworben werden, die in der Regel vor allem Zugang zu Hochschulen für angewandte Wissenschaften gibt.

Gesamtschule und Gemeinschaftsschule

Eine Gesamtschule oder Gemeinschaftsschule vereint mehrere Bildungswege in einer Schule. Das ist für Familien praktisch, denen es wichtig ist, ihrem Kind mehr Zeit für die Wahl des Bildungswegs zu lassen: Es kann zum Hauptschulabschluss, Mittleren Schulabschluss oder Abitur gelangen, wenn die Schule eine Oberstufe anbietet.

Solche Schulen sind besonders hilfreich, wenn ein Kind erst kürzlich nach Deutschland gezogen ist, die Sprache noch lernt oder noch nicht bereit für eine frühe, starre Entscheidung zwischen den Bildungswegen ist. Die konkreten Möglichkeiten hängen jedoch von der Schule und dem Bundesland ab.

Abschlüsse und weitere Möglichkeiten

Hauptschulabschluss

Der erste Schulabschluss. Er eignet sich für den Einstieg in eine Ausbildung und weitere berufliche Bildung, doch für manche Berufe bevorzugen Arbeitgeber den Mittleren Schulabschluss.

Mittlerer Schulabschluss

Der mittlere Schulabschluss. Er erweitert die Auswahl an Ausbildungswegen und kann den Weg in die Oberstufe, Fachoberschule oder an ein berufliches Gymnasium eröffnen.

Fachhochschulreife

Eine Zugangsqualifikation für Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Sie ist meist mit einem weiterführenden schulischen oder beruflichen Weg verbunden und enthält oft einen praktischen Teil.

Allgemeine Hochschulreife / Abitur

Der Abschluss mit dem breitesten Zugang zur Hochschulbildung in Deutschland. Für einzelne Studiengänge gelten dennoch Auswahlverfahren, Numerus Clausus, Sprachvoraussetzungen oder weitere Anforderungen der Hochschule.

Wie man nach dem Umzug eine Schule auswählt

Für Familien, die kürzlich nach Deutschland gekommen sind, lohnt sich der Blick auf mehrere Punkte:

  • die Übergangsregeln nach der Grundschule im eigenen Bundesland;
  • das Deutschniveau des Kindes und vorhandene Sprachförderung;
  • welche Abschlüsse an der gewählten Schule tatsächlich erreichbar sind;
  • ob ein Wechsel in einen anderen Bildungsgang in der 5. oder 6. Klasse oder später möglich ist;
  • wie gut die Schule bei Berufsorientierung, Praktika und der Wahl einer Ausbildung unterstützt;
  • welche Voraussetzungen die Ausbildungsprogramme oder Hochschulen erfüllen müssen, die das Kind interessieren.

Hat ein Kind bereits im Ausland eine Schule besucht, werden Schule und Klasse meist unter Berücksichtigung von Alter, Bildungsnachweisen, Sprachstand und örtlichen Regeln festgelegt. Die Familie trifft die Entscheidung nicht allein: Schule, Schulamt oder eine andere zuständige Stelle des Bundeslands sind beteiligt.

Was ist eine Ausbildung?

Ausbildung ist die berufliche Ausbildung in Deutschland. Sie kann dual sein, wobei die lernende Person bei einem Arbeitgeber arbeitet und eine Berufsschule besucht, oder schulisch erfolgen, wenn die Ausbildung an einer Berufsfachschule stattfindet.

Formal können auch Erwachsene eine Ausbildung beginnen. In der Praxis achten Arbeitgeber und Schulen jedoch auf Deutschkenntnisse, Schulabschluss, Motivation, Alter, Unterlagen und Aufenthaltsrecht. Mehr über diesen Weg steht in diesem Artikel.

Häufige Fragen

Stimmt es, dass man nach der Hauptschule nicht studieren kann?

Nicht direkt, aber der Weg ist nicht versperrt. Über weitere Bildung, eine berufliche Schule oder den zweiten Bildungsweg kann ein nächster Schulabschluss erworben werden.

Dauert das Gymnasium immer neun Jahre?

Nein. In den einzelnen Bundesländern gibt es G8- und G9-Modelle, deshalb kann das Abitur nach der 12. oder 13. Klasse abgelegt werden. Daneben gibt es berufliche Gymnasien und andere Wege der Sekundarstufe II.

Kann man die Schulform wechseln?

Ja, das System sieht Übergänge vor, besonders in den ersten Jahren der Sekundarstufe I. Die Bedingungen hängen aber von Noten, Empfehlungen, freien Plätzen und den Regeln des jeweiligen Bundeslands ab.

Welche Schule ist für ein ausländisches Kind besser?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Wenn die Deutschkenntnisse noch gering sind, sind Sprachförderung, ein flexibler Bildungsweg und die Möglichkeit, verschiedene Abschlüsse an einer Schule zu erwerben, oft wichtig. Eine Gesamtschule oder eine Schule mit mehreren Bildungsgängen kann daher passend sein, die Entscheidung sollte aber anhand der konkreten Schule und des Bundeslands getroffen werden.