Das Schulsystem in Deutschland: Wie ist die Bildung für Kinder aufgebaut?

Das Schulsystem in Deutschland: Wie ist die Bildung für Kinder aufgebaut?

Das deutsche Schulsystem erscheint aufgrund der föderalen Struktur des Landes komplex: Die allgemeinen Grundsätze sind zwar ähnlich, doch die konkreten Regelungen hängen vom jeweiligen Bundesland ab. Für Eltern ist es wichtig, drei Dinge zu verstehen: Der Schulbesuch ist Pflicht, die Grundschule dauert in der Regel vier Jahre, und danach schlägt das Kind einen der Wege der Sekundarstufe ein.

Im Folgenden finden Sie einen Überblick für Familien, die nach Deutschland ziehen oder sich gerade erst mit dem deutschen Bildungssystem vertraut machen: von der Kita und der Grundschule bis zum Gymnasium, zur Ausbildung und zum Abitur.

Das Wichtigste über das deutsche Schulsystem

  • Für die Schulen sind die Bundesländer zuständig, daher unterscheiden sich die Ferienzeiten, die Bezeichnungen der Schulen, die Übergangsregeln und die Einzelheiten der Leistungsbewertung.
  • Die Schulpflicht wird als Schulpflicht bezeichnet. Sie beginnt in der Regel im Alter von etwa sechs Jahren und umfasst den Schulbesuch, nicht den von der Familie gewählten Heimunterricht.
  • Die Grundschule heißt Grundschule. In den meisten Bundesländern umfasst sie die Klassen 1 bis 4, in Berlin und Brandenburg die Klassen 1 bis 6.
  • Nach der Grundschule gibt es verschiedene Wege: Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule und andere regionale Varianten.
  • Das Abitur eröffnet einen direkten Zugang zur Universität, doch ein Hochschulstudium in Deutschland ist unter bestimmten Voraussetzungen auch über den beruflichen Bildungsweg möglich.

Wer ist für die Schulen zuständig?

Deutschland ist ein föderaler Staat, daher fällt die Schulpolitik in die Zuständigkeit der Bundesländer. Das jeweilige Bundesland legt die Lehrpläne, die Schultypen, die Regeln für den Schulwechsel, die Schulferien und viele administrative Details fest. Zur Koordinierung arbeiten die Kultusminister der Bundesländer im Rahmen der Kultusministerkonferenz (KMK) zusammen.

Aus diesem Grund lässt sich keine „einzige“ Regel für ganz Deutschland pauschal festlegen. Informieren Sie sich bei einem Umzug immer auf der Website des Bildungsministeriums Ihres Bundeslandes und in den Informationen der jeweiligen Schule.

Schulpflicht: Schulpflicht

Schulpflicht bedeutet, dass das Kind verpflichtet ist, die Schule zu besuchen. In den meisten Fällen beginnen Kinder im Alter von etwa sechs Jahren mit der Schule, doch das genaue Datum hängt vom Geburtstag des Kindes, vom Bundesland und von den Einschulungsvorschriften ab. Eine vorzeitige Einschulung oder ein Aufschub sind möglich, wenn das Kind noch nicht schulreif ist.

Auch die Dauer der Schulpflicht wird von den Bundesländern geregelt. Oft handelt es sich um 9–10 Jahre Vollzeitschulbesuch und eine anschließende Verpflichtung zum Besuch einer Berufsschule, sofern der Jugendliche nicht die weiterführende Schule besucht. Daher sollte die Formulierung „Schulpflicht von 6 bis 15 Jahren“ eher als Vereinfachung und nicht als allgemeingültige Regel verstanden werden.

Homeschooling als Alternative zum Schulbesuch ist in Deutschland unter normalen Umständen keine freie Wahl: Der Besuch einer anerkannten Schule ist Pflicht. Ausnahmen und Sonderfälle werden nach den Vorschriften des jeweiligen Bundeslandes und der jeweiligen Schule geregelt.

Vorschulphase: Kindergarten und Kita

Die vorschulische Bildung ist nicht Teil des obligatorischen Schulsystems. Dennoch ist die Kita oder der Kindergarten für viele Familien eine wichtige Vorbereitung auf die Schule und die Einarbeitung in die deutsche Sprache.

Die Begriffe können sich überschneiden:

  • Kita (Kindertagesstätte) bezeichnet häufig eine Tageseinrichtung für Kinder unterschiedlichen Alters, einschließlich Kleinkinder.
  • Der Kindergarten richtet sich in der Regel an Kinder im Alter von etwa drei Jahren bis zum Schuleintritt.
  • Krippe wird meist für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren genutzt.

Die Plätze in der Kita werden nach den örtlichen Vorschriften vergeben, und in Großstädten kann es zu Engpässen kommen. Die Kosten hängen zudem vom Bundesland, der Gemeinde, dem Alter des Kindes, der Betreuungsdauer und dem Familieneinkommen ab. In manchen Städten zahlen Eltern hauptsächlich für die Verpflegung, in anderen können Betreuungsbeiträge anfallen. Die genauen Beträge sollten auf der Website der Stadt oder beim Jugendamt überprüft werden.

Wenn ein Elternteil zu Hause bei dem Kind bleibt, können folgende Themen wichtig sein: Elternzeit in Deutschland und Elterngeld.

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Grundschule

Die Grundschule ist die erste Pflichtschulstufe. In den meisten Bundesländern umfasst sie die Klassen 1 bis 4, in Berlin und Brandenburg hingegen die Klassen 1 bis 6. Der erste Schultag wird als Einschulung bezeichnet; viele Kinder erhalten eine Schultüte – einen großen Kegel mit Schulmaterial, Süßigkeiten und kleinen Geschenken.

Yvonne mit ihrem Schulkegel am ersten Schultag

In der Grundschule lernen die Kinder lesen, schreiben, rechnen, im Unterricht mitzuarbeiten und gewöhnen sich nach und nach an die Selbstständigkeit. Englisch wird in vielen Bundesländern bereits in der Grundschule unterrichtet, die konkrete Klasse, in der der Unterricht beginnt, hängt jedoch vom Lehrplan des jeweiligen Bundeslandes ab.

Am Ende der Grundschule gibt die Schule eine Empfehlung für den weiteren Bildungsweg ab. In einigen Bundesländern ist diese Empfehlung verbindlicher, in anderen haben die Eltern mehr Wahlfreiheit. Wenn eine Familie gerade erst zugezogen ist, ist es sinnvoll, sich im Voraus mit der Klassenlehrkraft, der Schulleitung und gegebenenfalls der Beratungsstelle zu besprechen.

Sekundarstufe: Die wichtigsten Bildungswege

Nach der Grundschule beginnt die weiterführende Schule. In den meisten Bundesländern geschieht dies ab der 5. Klasse, in Berlin und Brandenburg meist später, da die Grundschule dort sechs Jahre dauert.

Das klassische System umfasst drei Bildungswege: Hauptschule, Realschule und Gymnasium. In der Praxis haben sich in vielen Bundesländern kombinierte und regionale Modelle etabliert, weshalb die Bezeichnungen voneinander abweichen können.

Hauptschule

Die Hauptschule ist auf die praktische Vorbereitung und den frühen Übergang in die berufliche Ausbildung ausgerichtet. In der Regel führt sie nach der 9. Klasse zum Hauptschulabschluss. Danach kann der Jugendliche eine Ausbildung beginnen – eine berufliche Ausbildung, oft im dualen System: einen Teil der Woche im Unternehmen, einen Teil in der Berufsschule.

In einigen Fällen ist es möglich, die Schulausbildung um ein weiteres Jahr zu verlängern und einen höheren Schulabschluss zu erwerben, der dem Realschulabschluss nahekommt. Die konkreten Möglichkeiten hängen vom Bundesland und den schulischen Leistungen ab.

Realschule

Die Realschule vermittelt eine breiter angelegte allgemeine Bildung und endet in der Regel nach der 10. Klasse mit dem Realschulabschluss, der Mittleren Reife oder der Fachoberschulreife. Dieser Bildungsweg eignet sich für diejenigen, die sich mehrere Optionen offenhalten möchten: eine Ausbildung, den Besuch einer Fachoberschule, den Übergang in die Oberstufe eines Gymnasiums oder eine weiterführende Ausbildung nach dem Sammeln praktischer Erfahrungen.

Für Migrantenfamilien ist es wichtig zu wissen: Ein Wechsel zwischen den Bildungswegen ist möglich, hängt jedoch von den Noten, dem Bundesland, der Schule und freien Plätzen ab. Es ist besser, dies nicht in letzter Minute, sondern im Voraus zu besprechen.

Gymnasium

Das Gymnasium ist ein akademischer Bildungsweg, der zum Abitur (Allgemeine Hochschulreife) führt. Mit dem Abitur kann man sich an Hochschulen bewerben, dies garantiert jedoch keinen Studienplatz in jedem Studiengang: Medizin, Psychologie, Jura, Wirtschaftswissenschaften und andere beliebte Studiengänge können ein Auswahlverfahren und einen Numerus Clausus (NC) haben.

Die Dauer des Gymnasiums hängt vom Bundesland und vom Modell ab: Das G8-Modell führt nach 12 Schuljahren zum Abitur, das G9-Modell nach 13 Jahren. In den letzten Jahren sind viele Bundesländer zum G9-Modell zurückgekehrt oder wenden gemischte Modelle an, daher sollten die aktuellen Regelungen vor Ort überprüft werden.

In den höheren Klassen wählen die Schüler Wahlfächer, bereiten sich auf die Abschlussprüfungen vor und spezialisieren sich nach und nach. Für ein Kind, das noch Deutsch lernt, kann die Belastung am Gymnasium hoch sein, aber vieles hängt von der Unterstützung durch die Schule und dem Sprachniveau ab.

Gesamtschule

Die Gesamtschule vereint mehrere Bildungswege in einer Schule. Dieses Modell kann den Übergang zwischen den Bildungsstufen erleichtern und die Entscheidung für einen bestimmten Bildungsweg hinauszögern. Viele Gesamtschulen bieten Ganztagsunterricht, zusätzliche Angebote und mehr schulinterne Förderung an.

Die Bezeichnungen und Modelle variieren: In den verschiedenen Bundesländern gibt es Integrierte Gesamtschule, Gemeinschaftsschule, Stadtteilschule, Sekundarschule und andere Varianten.

Förderschule und Inklusion

Für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gibt es Förderschulen oder Sonderschulen sowie inklusiven Unterricht an Regelschulen. Dieses Thema hängt stark vom Bundesland, der Diagnose, den Gutachten von Fachleuten und den Möglichkeiten der jeweiligen Schule ab. Eltern sollten sich von der Schule, dem Schulamt und den zuständigen Förderstellen beraten lassen.

Internationale und Privatschulen

Internationale Schulen sind meist privat und bieten Unterricht auf Englisch oder in einem zweisprachigen Format an. Viele bereiten auf das International Baccalaureate (IB) vor, jedoch nicht immer auf das deutsche Abitur. Für die Zulassung an einer deutschen Hochschule kann das IB in der Regel anerkannt werden, sofern die Anforderungen hinsichtlich der Fächer und des Niveaus erfüllt sind; daher sollte das Programm im Voraus geprüft werden.

Privatschulen sind in Deutschland zulässig, müssen jedoch den Anforderungen des jeweiligen Bundeslandes entsprechen. An staatlichen Schulen fallen in der Regel keine Schulgebühren an, während Privatschulen Beiträge erheben dürfen. Dabei schränkt das deutsche Verfassungsrecht die soziale Selektion nach Einkommen ein: Private Ersatzschulen dürfen nicht nur wohlhabenden Familien vorbehalten sein. Die tatsächlichen Gebühren und Ermäßigungen hängen von der jeweiligen Schule ab.

Internate werden als Internat bezeichnet. In der Regel handelt es sich dabei um private Einrichtungen mit Unterkunft, zusätzlichen Arbeitsgemeinschaften und einem eigenen pädagogischen Konzept. Vor der Wahl eines Internats ist es wichtig, die Anerkennung, den Weg zum Abschlusszeugnis, die Kosten und die Aufenthaltsbedingungen zu prüfen.

Ist der Schulbesuch in Deutschland kostenlos?

Staatliche Schulen in Deutschland sind in der Regel kostenlos: Eltern zahlen keine Schulgebühren für den Unterricht selbst. Die Familie trägt jedoch einen Teil der damit verbundenen Kosten: Schulbedarf, Verpflegung, Ausflüge, Exkursionen, manchmal auch Unterrichtsmaterialien oder Beiträge für bestimmte Veranstaltungen.

Im Hochschulbereich ist die Situation nur teilweise vergleichbar. An vielen staatlichen Hochschulen gibt es keine klassischen Studiengebühren, sondern einen Semesterbeitrag. In einzelnen Bundesländern, Studiengängen oder Fällen können zusätzliche Gebühren anfallen, insbesondere für bestimmte ausländische Studierende oder bei einem Zweitstudium. Dies ist jedoch bereits ein Thema der Hochschulbildung und nicht des Schulsystems.

Schuljahr und Ferien

Das Schuljahr in Deutschland ist in zwei Halbjahre unterteilt. Die Termine für Schulbeginn, Schulende und Ferien werden von den einzelnen Bundesländern festgelegt. Die Sommerferien werden bewusst auf verschiedene Zeiträume verteilt, um die Belastung für den Verkehr und die touristische Infrastruktur zu verringern.

In der Regel gibt es im Laufe des Jahres:

  • Herbstferien;
  • Weihnachtsferien (Weihnachtsferien);
  • Winter- oder Karnevalsferien in einigen Bundesländern;
  • Osterferien (Osterferien);
  • Sommerferien (Sommerferien).

Die offiziellen Termine sollten Sie am besten im KMK-Kalender oder auf der Website Ihres Bundeslandes nachschlagen, da sich der Zeitplan jedes Schuljahr ändert.

Wie sieht ein Schultag aus?

Traditionell fand der Unterricht an vielen deutschen Schulen vormittags statt: Der Unterricht begann gegen 8:00 Uhr und endete etwa nach 13:00 Uhr. Mittlerweile bieten immer mehr Schulen Ganztagsunterricht an, doch die Ausgestaltung hängt vom Bundesland, der Schule und dem Alter des Kindes ab.

Eine normale Unterrichtsstunde dauert oft 45 Minuten, zwischen den Stunden gibt es Pausen. In den unteren Klassen hat das Kind in der Regel einen Klassenlehrer oder eine Klassenlehrerin und einen festen Klassenraum. Für bestimmte Fächer, Sport, Kunst oder Naturwissenschaften wechseln die Kinder möglicherweise in andere Räume.

Das Benotungssystem

An den meisten deutschen Schulen wird eine Sechs-Punkte-Skala verwendet, wobei 1 die beste Note und 6 die schlechteste ist.

Note Deutsche Bezeichnung Bedeutung
1 Sehr gut Sehr gut
2 Gut Gut
3 Befriedigend Befriedigend
4 Ausreichend Ausreichend für die Anrechnung
5 Mangelhaft Unzureichend
6 Ungenügend Völlig unzureichend

Noten von 1 bis 4 gelten in der Regel als gut. Die Folgen schlechter Abschlussnoten hängen von der Klasse, dem Bundesland, der Schulart und den Versetzungsregeln ab. Mögliche Maßnahmen sind zusätzliche Aufgaben, das Wiederholen einer Klasse (sitzen bleiben), ein Schulwechsel oder Elterngespräche. Einzelheiten sollten Sie am besten bei der Schule erfragen, da es keine einheitliche Regelung für alle Bundesländer gibt.

Wissenswertes für Eltern

  • Kinder kommen in der Regel mit etwa sechs Jahren in die Schule, das genaue Datum hängt jedoch vom Bundesland ab.
  • Die Schulpflicht wird auf Landesebene geregelt und umfasst in der Regel nicht nur die Grundschule, sondern auch die weiterführende Schule oder die Berufsschule.
  • Die Grundschule dauert meist vier Jahre, in Berlin und Brandenburg jedoch sechs.
  • Das Abitur ist der wichtigste direkte Weg zur Universität, aber nicht der einzige mögliche Weg zur Hochschulbildung.
  • In Deutschland sind nicht nur die Noten wichtig, sondern auch die richtige Wahl des Bildungswegs, die Sprache, die Unterstützung durch die Familie und rechtzeitige Beratung durch die Schule.
  • Privat- und internationale Schulen können für manche Familien sinnvoll sein, führen jedoch nicht immer zum gleichen Abschluss wie eine deutsche staatliche Schule.

Was Familien nach dem Umzug tun sollten

  1. Suchen Sie das Schulamt oder die Bildungsbehörde Ihres Wohnorts.
  2. Prüfen Sie, welche Schule für Ihren Wohnort zuständig ist und ob Sie eine freie Schulwahl haben.
  3. Die Unterlagen des Kindes vorbereiten: Geburtsurkunde, Meldebescheinigung, bisherige Zeugnisse, Impfbescheinigungen und Sprachzertifikate, falls vorhanden.
  4. Erkundigen Sie sich, ob es eine deutsche Vorbereitungsklasse, eine Willkommensklasse oder andere sprachliche Unterstützung gibt.
  5. Erkundigen Sie sich nach Ganztagsunterricht, Verpflegung, Hort und Schultransport.
  6. Notieren Sie sich die Ferienzeiten Ihres jeweiligen Bundeslandes und nicht die für ganz Deutschland.

Fazit

Das deutsche Schulsystem ist flexibel, lässt sich aber aufgrund der Unterschiede zwischen den Bundesländern selten in ein einziges einfaches Schema pressen. Für Familien ist es am sichersten, sich zunächst mit den Grundbegriffen (Schulpflicht, Grundschule, weiterführende Schule, Abitur, Ausbildung) vertraut zu machen und anschließend die Regelungen des jeweiligen Bundeslandes, der Stadt und der Schule zu prüfen. So lässt sich leichter ein realistischer Bildungsweg wählen und rechtzeitig Unterstützung in Anspruch nehmen, falls das Kind Hilfe bei der Sprache, der Eingewöhnung oder einem Wechsel des Bildungswegs benötigt.