Weihnachten in Deutschland: Traditionen, Advent, Weihnachtsmärkte und Feiertage

Weihnachten in Deutschland: Traditionen, Advent, Weihnachtsmärkte und Feiertage

Weihnachten in Deutschland ist der wichtigste winterliche Familienfeiertag, um den sich der Advent, die Weihnachtsmärkte, die Weihnachtsdekoration, die Geschenke und das Festessen drehen. Für Touristen ist dies die Zeit der Lichter und der Weihnachtsmärkte, für diejenigen, die in Deutschland leben, zudem eine Zeit mit besonderen Öffnungszeiten für Geschäfte, Schulen, Büros und den öffentlichen Nahverkehr.

Kurz zu den Terminen und Feiertagen

In Deutschland sind der 25. Dezember (Erster Weihnachtstag) und der 26. Dezember (Zweiter Weihnachtstag) bundesweite Feiertage. Der 24. Dezember, Heiligabend, gilt normalerweise nicht als vollwertiger gesetzlicher Feiertag, doch in vielen Familien beginnt die eigentliche Feier erst am Abend des 24. Dezembers: mit einem gemeinsamen Abendessen, Geschenken und dem Beisammensein mit den Liebsten.

In der Praxis ist es wichtig, einige Dinge zu beachten:

  • Am 24. Dezember schließen die Geschäfte oft früher als gewöhnlich; gemäß dem Bundesgesetz über die Ladenschlusszeiten gilt für normale Einzelhandelsgeschäfte eine Beschränkung ab 14:00 Uhr, wenn der Tag auf einen Werktag fällt, doch in den Bundesländern und für bestimmte Handelskategorien können eigene Regeln und Ausnahmen gelten.
  • Am 25. und 26. Dezember sind die meisten Geschäfte geschlossen, während Museen, Restaurants und öffentliche Verkehrsmittel nach einem Feiertagsfahrplan verkehren können.
  • Der 31. Dezember ist ebenfalls oft ein verkürzter Arbeitstag für Büros und den Handel, doch dabei geht es nicht mehr um Weihnachten, sondern um die Vorbereitungen auf das neue Jahr.

Für eine Reise oder einen Umzug in eine neue Stadt ist es ratsam, Lebensmittel im Voraus einzukaufen, die Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel zu prüfen und alltägliche Erledigungen nicht auf die letzten Stunden vor den Feiertagen zu verschieben.

Advent: Die Vorfreude auf Weihnachten

Der Advent ist die Zeit der Vorfreude auf Weihnachten. Im Alltag beginnt er in den ersten Dezembertagen, in der kirchlichen Tradition wird er jedoch ab den vier Sonntagen vor Weihnachten gezählt. Genau in dieser Zeit tauchen in den Häusern Adventskränze, Adventskalender, Kerzen, Weihnachtssüßigkeiten und die ersten Geschenke auf.

Adventskranz: ein Kranz mit vier Kerzen

Der Adventskranz ist ein Kranz aus Tannenzweigen mit vier Kerzen. An jedem Adventssonntag wird eine weitere Kerze angezündet: zuerst eine, dann zwei, drei und am letzten Sonntag alle vier.

Adventskranz – ein Kranz aus Nadelzweigen

Moderne Adventskränze bestehen nicht nur aus Tannenzweigen. In Geschäften und auf Weihnachtsmärkten findet man Gestecke mit Tannenzapfen, getrockneten Orangen, Kugeln, Bändern, Holzfiguren und elektrischen Kerzen. In Familien mit kleinen Kindern oder Haustieren entscheiden sich die Menschen oft für sichere Varianten ohne offenes Feuer.

Die Geschichte des Adventskranzes wird gewöhnlich mit dem Hamburger Pfarrer Johann Hinrich Wichern in Verbindung gebracht, der im 19. Jahrhundert Kerzen verwendete, damit die Kinder in einem Waisenhaus die Tage bis Weihnachten zählen konnten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus dieser großen Konstruktion der heute bekannte Kranz mit vier Kerzen.

Adventskalender: Kalender bis zum 24. Dezember

Der Adventskalender hilft Kindern und Erwachsenen, die Tage bis Heiligabend zu zählen. Die klassische Variante wird vom 1. bis zum 24. Dezember geöffnet: Hinter jedem Türchen verbirgt sich Schokolade, Süßigkeiten, ein kleines Spielzeug, Kosmetik, Tee, Gewürze oder ein Zettel mit einer Aufgabe.

Der Adventskalender – ebenfalls eine Dekoration

Kalender werden schon lange vor Dezember verkauft, daher gibt es bereits im Herbst eine große Auswahl in den Geschäften. Viele Familien basteln sie jedoch selbst: aus Säckchen, Schachteln, Umschlägen oder kleinen Päckchen an einem Band.

Weihnachtsmärkte

Weihnachtsmärkte öffnen in verschiedenen Städten ab Ende November oder zu Beginn des Advents. Die genauen Termine variieren jedes Jahr, daher sollte man vor der Reise die Website der Stadt oder des Veranstalters überprüfen.

Auf den Weihnachtsmärkten werden üblicherweise verkauft:

  • Christbaumschmuck, Kerzen, Keramik und Holzschmuck;
  • Süßigkeiten, Lebkuchen, geröstete Mandeln, Marzipan und Plätzchen;
  • Heiße Getränke: Glühwein, Kinderpunsch, Eierpunsch;
  • saisonale Speisen: Würstchen, Kastanien, Suppen, Kartoffelgerichte;
  • Kunsthandwerk aus den Regionen, zum Beispiel Produkte aus dem Erzgebirge.

Der Weihnachtsmarkt in Deutschland ist voller Stände mit Leckereien

Zu den bekanntesten Reisezielen zählen oft Nürnberg, Dresden, Köln, München, Berlin, Hamburg und Frankfurt. Dabei bieten kleine Städte oft eine gemütlichere Atmosphäre: weniger Menschenmassen, mehr lokales Handwerk und mehr Platz zum Spazierengehen mit Kindern.

Weihnachtsbaum: Christbaum oder Tannenbaum

Der Weihnachtsbaum wird in Deutschland als „Christbaum“ oder „Tannenbaum“ bezeichnet. Traditionell wird er erst kurz vor Heiligabend aufgestellt, obwohl viele Familien künstliche Weihnachtsbäume und einen Teil der Dekoration bereits früher, schon während der Adventszeit, hervorholen.

Der Weihnachtsbaum wird mit Kugeln, Girlanden, Kerzen oder Lichterketten, Figuren, Sternen, Engeln und manchmal auch mit essbaren Dekorationen wie Plätzchen, Nüssen und Schokolade geschmückt. In den Städten werden große Weihnachtsbäume auf Plätzen, vor Rathäusern, in Einkaufszentren und auf Weihnachtsmärkten aufgestellt.

Die genauen Preise für lebende Weihnachtsbäume hängen von der Region, der Baumart, der Höhe und der Saison ab, daher ist es am sichersten, sich an den aktuellen Angeboten der lokalen Händler zu orientieren. Weihnachtsbäume werden in Supermärkten, an temporären Verkaufsständen, in Gartencentern und online gekauft.

Dekorationen in Haus und Stadt

Deutsche Haushalte schmücken sich im Dezember oft nicht nur mit einem Weihnachtsbaum, sondern mit einer ganzen Reihe kleiner Details: Kränze, Lichterketten, Figuren, Kerzen, Tannenzweige und Fensterdekorationen.

Die Schaufenster eines deutschen Hotels sind zu Weihnachten mit Rentieren geschmückt

Für Fassaden und Fenster werden verwendet:

  • Lichterketten und Lichterfiguren;
  • Kränze an den Türen;
  • Holzhäuschen und Silhouetten auf den Fensterbänken;
  • Aufkleber und Papierschneeflocken;
  • Weihnachtssterne und Lichter.

So schmücken die Deutschen die Fassaden ihrer Häuser zu den Winterfeiertagen

Schwibbogen

Der Schwibbogen ist ein Lichterbogen, der besonders für Sachsen und das Erzgebirge charakteristisch ist. Er wird auf die Fensterbank gestellt, damit das warme Licht von der Straße aus sichtbar ist. Historisch wird dieses Bild mit der Bergmannskultur in Verbindung gebracht: Das Licht im Fenster symbolisierte die Rückkehr nach Hause und die Sehnsucht nach Tageslicht in der dunklen Winterzeit.

Schwibbogen – ein Bogen aus Kerzen am Fenster

Weihnachtskrippe und Weihnachtsstern

Die Weihnachtskrippe – eine Krippe mit der Krippe, Maria, Josef, dem Jesuskind und anderen Figuren. Sie wird in Kirchen, auf Plätzen, in Schaufenstern und zu Hause aufgestellt.

Die Krippe – eine deutsche Weihnachtstradition

Der Weihnachtsstern, auch Poinsettie genannt, ist ein weiteres beliebtes Symbol des Dezembers. Die Pflanze mit den leuchtend roten Blättern wird oft neben dem Adventskranz, auf den Tisch oder ans Fenster gestellt.

Weihnachtsblumen für drinnen – Weihnachtsstern

Nikolaus, Weihnachtsmann und Geschenke

Am 6. Dezember warten die Kinder in Deutschland auf den Nikolaus. Am Abend des 5. Dezembers stellen sie einen geputzten Stiefel, eine Socke oder einen kleinen Beutel vor die Tür und finden am nächsten Morgen Süßigkeiten, Mandarinen, Nüsse und kleine Geschenke darin.

Der Nikolaus – nicht zu verwechseln mit dem Weihnachtsmann!

Nikolaus ist nicht dasselbe wie der Weihnachtsmann. Nikolaus wird mit dem 6. Dezember in Verbindung gebracht, während der Weihnachtsmann in der Weihnachtszeit kommt und in der heutigen Kultur eher dem Bild des „Deda Moroz“ oder des Santa Claus entspricht.

In vielen Familien findet der Hauptgeschenkaustausch am Abend des 24. Dezembers statt. Verschenkt werden Bücher, Spiele, Kleidung, Eintrittskarten für Veranstaltungen, Geschenkgutscheine und nützliche Dinge. Geschenkkarten sind nach wie vor eine beliebte Option, da sie es dem Beschenkten ermöglichen, selbst das Gewünschte auszuwählen.

Glühwein: deutscher Glühwein

Glühwein ist ein heißes, aromatisiertes Getränk auf der Basis von Wein, Zucker oder Honig und Gewürzen: Zimt, Nelken, Anis, Kardamom, Muskat und Zitrusschalen. Es gibt roten und weißen Glühwein; wenn das Getränk aus Weißwein hergestellt wird, wird dies in der Regel auf dem Etikett oder auf der Speisekarte angegeben.

Deutscher Glühwein zu Weihnachten.

Gemäß den EU-Vorschriften beträgt der Mindestalkoholgehalt für die Kategorie „Glühwein“ 7 % vol. Die Obergrenze für aromatisierte Weingetränke als Kategorie liegt bei 14,5 % vol. Auf den Weihnachtsmärkten werden auch alkoholfreie Varianten angeboten: Kinderpunsch, Fruchtpunsch und heißer Saft mit Gewürzen.

Die genauen Preise für einen Krug auf dem Weihnachtsmarkt oder eine Flasche im Geschäft hängen von der Stadt, dem Pfand für den Krug, der Qualität des Getränks und der Saison ab. Daher sollte man sich besser nicht an alten Preisangaben aus Artikeln orientieren, sondern die Speisekarte des jeweiligen Weihnachtsmarkts konsultieren.

Das Weihnachtsessen

Das Weihnachtsmenü in Deutschland variiert je nach Region und Familie. Bei den einen gibt es an Heiligabend ein einfaches Essen wie Kartoffelsalat mit Würstchen, bei den anderen Gans, Ente, Truthahn, Karpfen, Knödel, Soßen, Käse, Salate und Sauerkraut.

Kartoffelsalat und Sauerkraut

Kartoffelsalat wird auf verschiedene Arten zubereitet: mit eingelegten Gurken, Zwiebeln, Kräutern, einer Brühe- oder Mayonnaise-Soße, manchmal auch mit Speck oder Würstchen. Es ist ein praktisches Gericht, das sich gut im Voraus zubereiten lässt.

Sauerkraut ist saures Kraut, das zu Würstchen, Schweinefleisch, Schweinshaxe, Rippchen oder als Beilage zu Fleischgerichten serviert wird. In deutschen Rezepten kommen häufig Kümmel, Lorbeerblatt, Zwiebeln und Wacholderbeeren vor.

Stollen, Lebkuchen und andere Süßigkeiten

Zu den Weihnachtsbackwaren gehören Stollen, Lebkuchen, Plätzchen, Vanillehalbmonde sowie Gebäck mit Zimt und Nüssen. Stollen werden oft im Voraus gebacken, damit er bis zum Fest „reifen“ kann.

In manchen Familien werden Pudding und Desserts mit Trockenobst, Nüssen und Alkohol zubereitet, doch dies ist keine allgemeingültige Regel für ganz Deutschland. Das moderne Weihnachtsessen spiegelt eher familiäre Gewohnheiten, regionale Besonderheiten und den Geschmack der Gastgeber wider als einen strengen, einheitlichen Kanon.

Was Neulinge und Touristen wissen sollten

  • Einkäufe und Buchungen sollten besser im Voraus erledigt werden: Vom 24. bis 26. Dezember sind viele Einrichtungen nur eingeschränkt geöffnet oder geschlossen.
  • Informieren Sie sich über die Öffnungszeiten von Weihnachtsmärkten, Museen und öffentlichen Verkehrsmitteln in der jeweiligen Stadt.
  • In kleineren Städten können die Weihnachtsmärkte früher schließen als in großen Touristenzentren.
  • Wenn Sie mit Kindern auf den Weihnachtsmarkt gehen, halten Sie Ausschau nach Kinderpunsch und Bereichen mit Karussells, aber rechnen Sie mit großem Andrang am Abend.
  • Für das Abendessen am 24. Dezember sollten Sie rechtzeitig einen Tisch im Restaurant reservieren: Einige Lokale sind geschlossen, und beliebte Restaurants sind schnell ausgebucht.

Weihnachten in Deutschland verbindet religiöse Motive, Familientraditionen und städtische Festkultur. Auch wenn Sie Weihnachten nicht als kirchlichen Feiertag begehen, helfen der Advent, die Weihnachtsmärkte, die Lichter und die gemütlichen Familienabende zu verstehen, warum der Dezember einen so wichtigen Platz im deutschen Kalender einnimmt.