Winterreifen in Deutschland

Winterreifen in Deutschland

In Deutschland gibt es keinen festen Termin, zu dem alle Autofahrer ihre Sommerreifen gegen Winterreifen austauschen müssen. Es gilt die situative Winterreifenpflicht: Bei Glatteis, Matsch, Schnee, Raureif oder Eiskruste auf der Fahrbahn muss das Fahrzeug mit geeigneten Winter- oder Ganzjahresreifen ausgestattet sein. Ab 2026 ist für solche Fahrten nicht mehr die Aufschrift „M+S“ an sich entscheidend, sondern die Kennzeichnung mit dem Alpine-Symbol – dem Piktogramm eines Berges mit einer Schneeflocke.

Wann sind Winterreifen vorgeschrieben?

Die Vorschrift ist in § 2 Abs. 3a StVO verankert. Sie ist nicht an den Kalender, sondern an den Zustand der Straße gebunden. Das Fahren mit Sommerreifen ist nicht erlaubt, wenn folgende Bedingungen vorliegen:

  • Glatteis;
  • Glatteis;
  • Schneematsch;
  • vereiste oder mit Raureif bedeckte Fahrbahn.

Die Faustregel O bis O – von Oktober bis Ostern – bleibt ein praktischer Anhaltspunkt, ersetzt aber nicht das Gesetz. An einem trockenen und warmen Januartag verlangt die Polizei keine Winterreifen, nur weil es gerade Januar ist. Bei winterlichen Bedingungen gilt die Vorschrift jedoch auch für Fahrzeuge, die außerhalb Deutschlands zugelassen sind.

Welche Kennzeichnung ist erforderlich?

Für winterliche Bedingungen sind Reifen mit dem Alpine-Symbol geeignet: Dabei handelt es sich um einen dreigipfligen Berg mit einer Schneeflocke darin. Ab dem 1. Oktober 2024 reicht die Kennzeichnung M+S, M&S oder M.S. allein nicht mehr aus, um die deutsche Winterreifenpflicht zu erfüllen.

Die Kennzeichnung M+S steht für Matsch und Schnee. Früher wurde sie weit verbreitet verwendet, doch die Hersteller konnten das Zeichen ohne einheitliche, strenge Prüfung der Wintertauglichkeit anbringen. Achten Sie daher für eine aktuelle Überprüfung unbedingt auf das Alpine-Symbol. Wenn auf einem alten Reifensatz nur „M+S“ steht, sollte dieser für Winterfahrten in Deutschland besser als ungeeignet angesehen werden.

Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm. Für den Winterbetrieb ist dies die gesetzliche Untergrenze und kein guter praktischer Richtwert: Deutsche Automobilclubs raten in der Regel dazu, Winterreifen früher zu wechseln, oft bereits bei einer Restprofiltiefe von etwa 4 mm.

Bußgelder für Sommerreifen im Winter

Wenn ein Fahrer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit ungeeigneten Reifen unterwegs ist, drohen Bußgelder und ein Punkt in Flensburg. Für das Jahr 2026 sieht die gängige Bußgeldstaffel wie folgt aus:

Verstoß Bußgeld Punkte
Fahren ohne geeignete Winterreifen unter winterlichen Bedingungen 60 Euro 1
Gleicher Verstoß mit Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer 80 Euro 1
Gleicher Verstoß mit Gefährdung 100 Euro 1
Gleicher Verstoß mit Verkehrsunfall 120 Euro 1

Für abgenutzte, beschädigte oder technisch ungeeignete Reifen können gesonderte Strafen verhängt werden. Daher müssen nicht nur das Symbol auf der Seitenwand, sondern auch Alter, Zustand, Größe, Tragfähigkeitsindex und Profiltiefe überprüft werden.

Auch versicherungsrechtliche Konsequenzen sind möglich. Wenn sich ein Unfall mit Sommerreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen ereignet hat, kann die Kfz-Versicherung die Situation als grobe Fahrlässigkeit bewerten oder den Verstoß bei der Haftungsabklärung berücksichtigen. Das konkrete Ergebnis hängt vom Vertrag, der Art der Versicherung und den Umständen des Unfalls ab.

So wählen Sie einen Reifensatz aus

Die Größen und zulässigen Parameter entnehmen Sie den Fahrzeugpapieren und der Seitenwand der derzeit montierten Reifen. Ein typischer Eintrag sieht so aus: 175/70 R 13 82 T.

So lesen Sie diese Kennzeichnung:

  • 175 – Reifenbreite in Millimetern;
  • 70 – Profilhöhe in Prozent der Breite;
  • R – Radialbauweise;
  • 13 – Felgendurchmesser in Zoll;
  • 82 – Tragfähigkeitsindex (Reifentragfähigkeit);
  • T – Geschwindigkeitsindex.

Der Lastindex muss zum Fahrzeug passen. Im Zweifelsfall überprüfen Sie die Fahrzeugpapiere, die Betriebserlaubnis (CoC), die alten Reifen und die Empfehlungen des Herstellers.

Geschwindigkeitsindizes

Index Höchstgeschwindigkeit, km/h
F 80
G 90
J 100
K 110
L 120
M 130
N 140
P 150
Q 160
R 170
S 180
T 190
U 200
H 210
V 240
VR >210
W 270
Y 300
ZR >240
(Y) >300

Bei Winterreifen ist in Deutschland ein Geschwindigkeitsindex unterhalb des Höchstwerts des Fahrzeugs zulässig, sofern der Fahrer die Begrenzung ständig im Blick hat und diese nicht überschreitet. Bei modernen Fahrzeugen geschieht dies häufig über die Einstellung einer Geschwindigkeitswarnung; bei älteren Fahrzeugen wird ein gut sichtbarer Aufkleber oder ein Schild im Sichtfeld des Fahrers verwendet.

Kauf und Wechsel

Winterreifen können online, beim Händler oder über einen Reifenservice gekauft werden. Es ist praktischer, im Voraus zu entscheiden, ob man nur einen Reifensatz oder einen zweiten Satz Räder auf Felgen benötigt.

Möglichkeiten:

  • Reifen ohne Felgen sind beim Kauf günstiger, müssen jedoch jede Saison montiert und ausgewuchtet werden;
  • Kompletträder sind in der Anschaffung teurer, dafür ist der saisonale Wechsel in der Regel schneller und günstiger;
  • Eine Bestellung mit Lieferung an die Werkstatt ist praktisch, wenn man den Reifensatz nicht im Auto transportieren möchte.

Die Kosten für den saisonalen Reifenwechsel hängen stark von der Region, der Reifengröße, dem Felgentyp, den Reifendrucksensoren und davon ab, ob die Reifen auf die Felgen montiert werden müssen. Alte Richtwerte wie 8–12 Euro pro Rad sollten besser beim jeweiligen Serviceanbieter überprüft werden: Im Jahr 2026 können die Preise deutlich abweichen.

Wie lagert man den zweiten Reifensatz?

Wenn Sie den Reifensatz zu Hause lagern, wählen Sie einen trockenen, kühlen und dunklen Ort. In deutschen Wohnungen wird hierfür oft der Keller genutzt, doch vor der Lagerung sollten Sie die Hausordnung und den verfügbaren Platz prüfen.

Räder auf Felgen lassen sich bequem horizontal gestapelt oder auf einem Felgenbaum lagern. Reifen ohne Felgen werden in der Regel senkrecht gelagert und regelmäßig gedreht, damit sie sich nicht verformen.

Eine Alternative ist die Einlagerung bei einem Reifenservice oder in einer Werkstatt. Das ist zwar teurer, löst aber das Platzproblem: Der Reifenservice kennzeichnet die Reifen in der Regel, überprüft ihren Zustand, pumpt sie auf und bereitet den Satz für die nächste Saison vor. Die Preise für die Einlagerung sollten Sie am besten im Voraus erfragen, da sie je nach Stadt, Reifengröße und Leistungsumfang variieren.

Kurze Checkliste vor dem Winter

  • Überprüfen Sie das Alpine-Symbol auf allen vier Reifen.
  • Messen Sie die Profiltiefe und überprüfen Sie die Flanken auf Risse oder Beschädigungen.
  • Vergleichen Sie Größe, Tragfähigkeitsindex und Geschwindigkeitsindex mit den Fahrzeugpapieren.
  • Vereinbaren Sie einen Termin in der Werkstatt noch vor dem ersten Schneefall: Im Oktober und November sind freie Termine schnell ausgebucht.
  • Überprüfen Sie den Reifendruck nach der Montage und nach einem spürbaren Temperaturrückgang.
  • Wenn Sie ins Ausland fahren, informieren Sie sich über die Vorschriften des Ziellandes: In Europa gelten unterschiedliche Anforderungen an Winterreifen.