Radtour durch Deutschland: Routen, Züge, Unterkünfte und Vorbereitung
Deutschland eignet sich hervorragend für Radtouren: Es gibt viele Fernrouten, eine gute Beschilderung, ein ausgebautes Bahnnetz und eine große Auswahl an Unterkünften für Reisende mit Fahrrad. Damit die Reise entspannt verläuft, sollten Sie die Route nicht nur nach schönen Orten planen, sondern auch Untergrund, Höhenmeter, Regeln für die Fahrradmitnahme und das Wetter berücksichtigen.
Wie man eine Route auswählt
Beantworten Sie vor der Buchung von Unterkunft und Tickets vier Fragen:
- Wie viele Tage möchten Sie unterwegs sein?
- Welche Tagesdistanz ist für Sie persönlich angenehm?
- Soll die Route ohne steile Anstiege sein?
- Möchten Sie zum Ausgangspunkt zurückkehren oder von Stadt zu Stadt fahren?
Für die erste Radtour ist es oft sinnvoller, nicht die gesamte lange Strecke fahren zu wollen, sondern einen Abschnitt für 3–7 Tage zu wählen. Für Einsteiger sind etwa 30–50 km pro Tag angenehm, für geübtere Radreisende 50–80 km. In den Bergen, bei Gegenwind, mit Kindern oder schwerem Gepäck sollten Sie die Tagesdistanz verringern.
5 Routen für eine Radtour durch Deutschland
Romantische Straße: Würzburg, bayerische Städte und Füssen
Die Romantische Straße ist für alle geeignet, die Fahrradfahren, historische Städte und klassische bayerische Landschaften verbinden möchten. Die Route verbindet Würzburg und Füssen und führt durch alte Stadtzentren, Täler, kleine Ortschaften und das Gebiet um Schloss Neuschwanstein.
Für Radreisende ist dies nicht die flachste Variante: In Richtung Alpen gibt es Anstiege. Daher sollten Sie die Route in realistische Etappen aufteilen und das Höhenprofil vorab prüfen.
Rheinradweg: Radroute entlang des Rheins
Der Rheinradweg, auch EuroVelo 15 genannt, eignet sich gut für Fahrten auf einzelnen Teilstrecken. Auf dem deutschen Abschnitt sind Strecken bei Koblenz, Mainz, Bonn und im Mittelrheintal mit Burgen, Weinbergen und Flusslandschaften besonders beliebt.
Ein Vorteil der Route ist die gute Logistik: Entlang des Rheins gibt es viele Bahnhöfe. So können Sie die Strecke abkürzen, wenn das Wetter umschlägt oder die Kräfte geringer sind als geplant.
Berlin-Kopenhagen-Radweg: Seen, Mecklenburg und Ostsee
Die Route Berlin–Kopenhagen ist für alle geeignet, die eine internationale Reise mit Städten, Seen, ländlichen Abschnitten und Küste verbinden möchten. Der deutsche Teil führt durch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern; anschließend besteht eine Fährverbindung in Richtung Dänemark.
Prüfen Sie vor der Reise unbedingt die Fahrpläne der Fähren und die Regeln für die Fahrradmitnahme, da sie sich saisonal ändern können.
Ostseeküsten-Radweg: Ostseeküste
Der Ostseeküsten-Radweg wird wegen der Meeresluft, Strände, Dünen, Seebäder und der vergleichsweise einfachen Orientierung entlang der Küste gewählt. Eine gute Möglichkeit ist ein Abschnitt zwischen Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund oder der Insel Rügen, statt die gesamte Strecke auf einmal bewältigen zu wollen.
Im Sommer sollten Sie Unterkünfte an der Ostsee frühzeitig buchen: Beliebte Ferienorte sind schnell ausgebucht, besonders in den Schulferien.
Elberadweg: Von Sachsen in den Norden Deutschlands
Der Elberadweg gehört zu den bekanntesten Flussrouten. Seine deutschen Abschnitte führen durch die Sächsische Schweiz, Dresden, Magdeburg, Hamburg und weiter bis zur Nordsee. Für Einsteiger eignen sich einzelne Abschnitte entlang des Flusses: Sie sind leichter zu navigieren und oft gut an die Bahn angebunden.
Die Route eignet sich sowohl für einen kurzen Wochenendausflug als auch für eine mehrtägige Reise mit Übernachtungen in verschiedenen Städten.
Warum Radtourismus in Deutschland praktisch ist
Fernrouten und Navigation
In Deutschland gibt es das nationale Netz der D-Routen und Hunderte regionale Radwege. Auf beliebten Strecken finden Sie meist Wegweiser, GPX-Tracks, Karten, touristische Websites der Regionen und Übernachtungsmöglichkeiten entlang der Route.
Züge ermöglichen eine flexible Routenplanung
Die Deutsche Bahn erlaubt auf vielen Verbindungen die Fahrradmitnahme, die Regeln hängen jedoch vom Zugtyp ab. Im Fernverkehr benötigen Sie für die Fahrradmitnahme in der Regel eine separate Fahrkarte und eine Stellplatzreservierung. In Regionalzügen unterscheiden sich Regeln, Preise und Einschränkungen je nach Bundesland, Verkehrsverbund und konkreter Reisezeit.
Praktische Konsequenz: Prüfen Sie beim Ticketkauf die Fahrradoption, reservieren Sie für Fernzüge rechtzeitig einen Stellplatz und planen Sie Umstiege nicht zu knapp.
Fahrradfreundliche Unterkünfte
In Deutschland sind Hotels, Pensionen und Campingplätze verbreitet, die Radreisende aufnehmen. Praktisch sind Unterkünfte mit dem Hinweis Bett+Bike oder Fahrradfreundliche Unterkunft: Dort gibt es in der Regel eine sichere Abstellmöglichkeit, die Möglichkeit, Kleidung zu trocknen, den Akku eines E-Bikes zu laden, und manchmal auch einfaches Werkzeug.
Das Fahrrad vorbereiten
Prüfen Sie vor der Reise nicht nur den Komfort, sondern auch die Anforderungen an einen sicheren Betrieb. Für Fahrten auf deutschen Straßen muss ein Fahrrad verkehrssicher sein und die erforderliche Ausstattung haben: funktionierende Bremsen, Klingel, Beleuchtung und Reflektoren gemäß StVZO. Bei einem Mietrad kümmert sich normalerweise der Verleih darum, trotzdem sollten Sie Beleuchtung, Bremsen und Sitzposition vor dem Start kontrollieren.
Mindestausstattung für unterwegs:
- Luftpumpe und Ersatzschlauch oder Reparaturset;
- Multitool und Reifenheber;
- Schloss;
- Vorder- und Rücklicht;
- Regenjacke und eine warme Kleidungsschicht;
- Powerbank oder Ladegerät für die Navigation;
- Wasserflasche und Snack;
- Dokumente und Krankenversicherung.
Versicherung und Dokumente
Für eine Reise durch Deutschland benötigen Sie keinen internationalen „Fahrradführerschein“. Ein Ausweisdokument, eine Krankenversicherung und Buchungsunterlagen sollten Sie jedoch griffbereit haben.
Wenn Sie als Tourist unterwegs sind, prüfen Sie, ob Ihre Versicherung Radtourismus und Verletzungen bei aktiver Erholung abdeckt. Bei einem teuren oder gemieteten Fahrrad sollten Sie außerdem die Haftung bei Diebstahl, Beschädigung und die Selbstbeteiligung klären. Eine gewöhnliche Krankenversicherung deckt nicht immer alle touristischen und Sachrisiken ab.
Tagesetappen planen
Eine gute Tagesetappe besteht nicht nur aus Kilometern. Berücksichtigen Sie Untergrund, Höhenmeter, Wind, Zeit für Mittagessen, Baden, Museen und Stopps in Städten. Verläuft die Route am Fluss entlang, ist sie meist leichter; führt sie durch Hügelland, fällt die Durchschnittsgeschwindigkeit geringer aus.
Ein praktischer Plan für die erste Reise:
- Route und Saison auswählen.
- GPX-Track und Offline-Karte herunterladen.
- Die Strecke in Etappen von 30–60 km aufteilen.
- Bahnhöfe entlang der Strecke prüfen.
- Unterkunft mit Fahrradabstellplatz buchen.
- Die Fahrradfahrkarte für den Zug prüfen.
- Einen Reservetag oder eine kurze Etappe für Regen einplanen.
Saison und Wetter
Die angenehmste Zeit für eine Radtour sind der späte Frühling, der Sommer und der frühe Herbst. Im Sommer sind mehr Cafés, Campingplätze und Fähren geöffnet, allerdings ist die Nachfrage nach Unterkünften höher. Im Frühling und Herbst sind weniger Menschen unterwegs, dafür ist das Wetter unbeständiger.
Auch im Sommer sollten Sie eine Regenjacke und eine warme Schicht einpacken. An der Küste kann der Wind stören, in den Bergen ändert sich die Temperatur schnell, und im Winter sind manche Radwege nicht geräumt oder für längere Touren ungeeignet.
Häufige Fehler
- Von Beginn an zu lange Tagesetappen planen.
- Die Fahrradreservierung im Fernzug nicht prüfen.
- Sich ausschließlich auf eine Online-Karte ohne Offline-Version verlassen.
- Eine Unterkunft ohne Fahrradabstellplatz buchen.
- Schulferien und Hochsaison an der Küste nicht berücksichtigen.
- Mit einem technisch nicht vorbereiteten Fahrrad losfahren.
Fazit
Am einfachsten beginnen Sie eine Radtour durch Deutschland mit einem kurzen Abschnitt einer bekannten Route: Rhein, Elbe, Ostsee oder einem regionalen Weg mit guter Bahnanbindung. Planen Sie weniger Kilometer, als auf dem Papier möglich erscheinen, prüfen Sie DB-Tickets für Fahrräder im Voraus und wählen Sie eine Unterkunft, in der das Fahrrad nachts sicher abgestellt werden kann.