Deutsche Fachwerkstraße: Eine Route durch die Fachwerkstädte Deutschlands

Deutsche Fachwerkstraße: Eine Route durch die Fachwerkstädte Deutschlands

Deutsche Fachwerkstraße: Route durch die Fachwerkstädte Deutschlands

Die Deutsche Fachwerkstraße ist eine touristische Route durch historische Städte Deutschlands, in denen Fachwerkhäuser aus verschiedenen Epochen und regionalen Stilrichtungen erhalten geblieben sind. Sie eignet sich für gemächliche Autoreisen, kurze Wochenendausflüge und Streifzüge durch Kleinstädte, in denen die Architektur oft interessanter ist als die üblichen Postkartenmotive.

Was ist ein Fachwerk?

Ein Fachwerk ist eine Holzrahmenkonstruktion: Pfosten, Balken und Streben bilden ein sichtbares Gitter, und der Raum dazwischen wurde mit Lehm, Stroh, Ziegeln oder anderen Materialien ausgefüllt. Diese Bauweise ermöglichte es, stabile Häuser schneller und kostengünstiger zu errichten als vollständig aus Stein gemauerte Gebäude.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieses praktische Bausystem zu einem unverwechselbaren Architekturstil. In den deutschen Städten kann man sowohl strenge mittelalterliche Fassaden als auch reich verzierte Häuser mit Schnitzereien, Inschriften, farbigen Paneelen und vorspringenden Stockwerken bewundern.

Was macht die Deutsche Fachwerkstraße so interessant?

Die Deutsche Fachwerkstraße verbindet über 100 Fachwerkstädte und verläuft durch mehrere Bundesländer: von Norddeutschland und der Elbe bis zur Oberlausitz, nach Hessen, Franken, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und in die Bodenseeregion. Man muss die Route nicht unbedingt in ihrer Gesamtheit zurücklegen: Es ist bequemer, einen regionalen Abschnitt auszuwählen und mehrere Städte zu einer 2- bis 5-tägigen Reise zu verbinden.

Für einen ersten Eindruck eignet sich folgender Ansatz besonders gut:

  • Wählen Sie eine Region aus, anstatt zu versuchen, die gesamte Route auf einmal zu bewältigen;
  • Schauen Sie sich nicht nur die Hauptplätze an, sondern auch die Seitenstraßen der Altstadt;
  • Informieren Sie sich im Voraus über die Öffnungszeiten von Museen und historischen Häusern;
  • Übernachtungen in kleinen Städten einplanen, in denen abends weniger Touristen unterwegs sind;
  • Architektur mit Weinregionen, Burgen, Klöstern und – je nach Jahreszeit – Weihnachtsmärkten verbinden.

Städte, von denen aus man gut starten kann

Esslingen am Neckar

Esslingen am Neckar ist eine der besten Städte, um das süddeutsche Fachwerk kennenzulernen. In der Altstadt sind Dutzende Häuser aus verschiedenen Jahrhunderten erhalten geblieben, wobei das Haus in der Webergasse 8 von besonderem Interesse ist: Dendrochronologischen Untersuchungen zufolge stammt sein Holz aus dem 13. Jahrhundert. In den touristischen Broschüren der Stadt wird es oft als eines der ältesten erhaltenen Fachwerkhäuser Deutschlands erwähnt.

Stade

Stade in Niedersachsen eignet sich gut für die nördliche Variante der Route. Hier verbinden sich Fachwerkfassaden mit hanseatischer Geschichte, dem Hafen und Backsteinarchitektur. In der Altstadt fällt oft das Koggehaus ins Auge – ein Haus, dessen Name und Erscheinungsbild mit den Handelsschiffen, den Koggen, verbunden sind.

Quedlinburg

Quedlinburg ist einer der Höhepunkte der Route für alle, die Fachwerk im Maßstab einer ganzen Stadt erleben möchten. Die Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe, und die Zahl der Fachwerkhäuser wird üblicherweise auf mehr als 1.300 geschätzt. Hier lohnt es sich, sich Zeit für den Schlossberg, den Marktplatz, die engen Gassen und das Museum Ständerbau in einem der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt zu nehmen.

Fritzlar

Fritzlar in Hessen besticht durch seine dichte mittelalterliche Bebauung, die Stadtmauer und die Häuser, die scheinbar über den Straßen schweben. Das „Graue Haus“ wird oft als eines der ältesten Wohnhäuser der Stadt bezeichnet. Legenden verbinden es mit Martin Luther, doch solche Erzählungen sollte man eher als Teil der lokalen Überlieferung betrachten und nicht als bestätigte historische Tatsache.

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber – hier gibt es nicht nur Fachwerk, sondern das Gesamtbild einer mittelalterlichen Stadt: Stadtmauern, Türme, gepflasterte Straßen, Schilder und farbenfrohe Fassaden. Da die Stadt ein beliebtes Reiseziel ist, empfiehlt es sich, früh am Morgen anzureisen, über Nacht zu bleiben oder einen Wochentag außerhalb der Hochsaison zu wählen.

Marburg

Marburg zeigt sehr gut, wie der Fachwerkbau mit dem Relief der Altstadt verbunden ist. Die Häuser erstrecken sich den Hang hinauf zum Schloss, die Straßen werden steiler, und die vorspringenden Stockwerke fallen besonders an den engen Stellen ins Auge. Überlieferungen über Winden, Kohle und städtische Kniffe tragen zur Atmosphäre bei, doch die Hauptgründe für die vorspringenden Stockwerke sind meist praktischerer Natur: Platzersparnis, Schutz der Fassade und Besonderheiten der städtischen Bebauung.

Was es in den Fachwerkhäusern zu sehen gibt

Damit die Tour nicht nur zu einer Aneinanderreihung schöner Fassaden wird, achten Sie auf die Details:

  • auskragende Obergeschosse – Auskragung, charakteristisch für viele alte Häuser;
  • Streben und Diagonalen – sie verstärkten das Gerüst und schufen das charakteristische Muster der Fassade;
  • Schnitzereien und Inschriften – oft handelt es sich dabei um Datumsangaben, Namen der Eigentümer, religiöse Sprüche oder Handwerkssymbole;
  • die regionalen Unterschiede – norddeutsches, hessisches, fränkisches und alemannisches Fachwerk sehen unterschiedlich aus;
  • Spuren der Restaurierung – alte Balken, neue Einbauten und Museumstafeln helfen dabei, das Alter des Hauses einzuschätzen.

So planen Sie Ihre Reise

Für eine kurze Wochenendroute wählen Sie 2–3 Städte in einer Region aus. In Baden-Württemberg lassen sich beispielsweise Esslingen mit anderen Städten im südwestlichen Abschnitt verbinden, in Hessen Marburg und Fritzlar. Für eine längere Reise empfiehlt es sich, die Route entlang regionaler Abschnitte der Deutschen Fachwerkstraße zu planen und nicht anhand einer Liste der bekanntesten Städte aus verschiedenen Teilen des Landes.

Wenn Sie mit Kindern oder ohne Auto unterwegs sind, sollten Sie sich vorab über die Bahnverbindungen informieren: Viele Fachwerkstädte sind mit dem Zug erreichbar, doch Umstiege und Fahrpläne können die Route erheblich beeinflussen. Mit dem Auto lassen sich kleine Städte bequemer anfahren, allerdings gibt es in den Altstädten oft Parkbeschränkungen und Fußgängerzonen.

Kurzes Fazit

Die Deutsche Fachwerkstraße ist keine einzelne Straße im herkömmlichen Sinne, sondern ein Netz von Routen durch Städte, in denen sich das Fachwerk als Teil des lebendigen Stadtbildes erhalten hat. Am besten lässt sie sich erkunden, indem man sich eine überschaubare Region aussucht, zu Fuß durch die alten Stadtviertel schlendert und die Häuser nicht nur als Kulisse, sondern auch als Teil der deutschen Ingenieursgeschichte betrachtet.