Führerschein in Deutschland im Jahr 2026: Erwerb, Umschreibung, Prüfungen und Kosten
In Deutschland erhält man den Führerschein über eine Fahrschule, die Führerscheinstelle und Prüfungen beim TÜV oder bei der DEKRA. Wenn Sie bereits einen Führerschein aus einem Land außerhalb der EU und des EWR besitzen, ist meist kein kompletter Kurs von Grund auf erforderlich, sondern ein Umschreibungsverfahren – die Umschreibung der ausländischen Fahrerlaubnis in einen deutschen Führerschein. Die Regeln hängen jedoch vom Ausstellungsland des Führerscheins ab: Für manche Staaten sind keine Prüfungen erforderlich, für andere ist eine Prüfung nötig, und für viele Länder müssen sowohl die theoretische als auch die praktische Prüfung abgelegt werden.
Das Wichtigste, was man im Voraus wissen sollte: Führerscheine aus Drittländern werden in der Regel nur in den ersten sechs Monaten nach dem Umzug an einen gewöhnlichen Wohnsitz in Deutschland anerkannt. Danach benötigt man für das weitere Fahren einen deutschen Führerschein. In Einzelfällen kann die Frist um weitere sechs Monate verlängert werden, wenn die Person nachweisen kann, dass sie nicht länger als 12 Monate in Deutschland leben wird.
Zwei Szenarien: von Grund auf neu oder Umschreibung
Es gibt zwei verschiedene Wege, die nicht miteinander verwechselt werden dürfen.
Den Führerschein von Grund auf erwerben
Dieser Weg eignet sich, wenn Sie noch nie einen Führerschein besessen haben oder eine neue Klasse erwerben möchten. Für die Klasse B müssen Sie eine Ausbildung in einer Fahrschule absolvieren, einen Antrag bei der Führerscheinstelle stellen und die theoretische sowie die praktische Prüfung ablegen.
Für die Theorieprüfung der Klasse B sind in der Regel folgende Voraussetzungen erforderlich:
- 12 Doppelstunden à 90 Minuten zum allgemeinen Stoff, falls zuvor noch kein Führerschein vorhanden war;
- 2 Doppelstunden à 90 Minuten zum Stoff der Klasse B;
- Vorbereitung auf die theoretische Prüfung anhand des offiziellen Fragenkatalogs.
Für die praktische Ausbildung gibt es keine festgelegte Anzahl an regulären Fahrstunden im Stadtverkehr: Der Fahrlehrer lässt den Fahrschüler zur Prüfung zu, sobald dieser bereit ist. Für die Klasse B sind jedoch bestimmte Sonderfahrten vorgeschrieben:
- 5 Fahrstunden auf Landstraßen;
- 4 Fahrstunden auf der Autobahn oder einer Straße mit ähnlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen;
- 3 Fahrstunden bei Dunkelheit.
Eine Fahrstunde dauert in der Regel 45 Minuten. Anfänger benötigen oft mehr Fahrstunden als die Mindestanzahl an Sonderfahrten, insbesondere in Großstädten und bei längeren Pausen zwischen den Fahrstunden.
Umschreibung eines ausländischen Führerscheins
Die Umschreibung eignet sich für diejenigen, die bereits über einen gültigen Führerschein aus einem anderen Land verfügen. Wenn der Führerschein in der EU oder im EWR ausgestellt wurde, bleibt er in Deutschland in der Regel bis zum Ablauf seiner Gültigkeitsdauer gültig. Wenn der Führerschein in einem Drittland ausgestellt wurde, gilt nach dem Umzug eine sechsmonatige Übergangsfrist.
Das Verfahren richtet sich nach Anlage 11 der Fahrerlaubnis-Verordnung. In dieser Tabelle sind die Länder und Klassen aufgeführt, für die Deutschland die Ausbildung teilweise oder vollständig anerkennt. Sind das Land oder die gewünschte Klasse nicht in der Liste aufgeführt, müssen für die Umschreibung in der Regel sowohl die theoretische als auch die praktische Prüfung abgelegt werden.
Bei vielen Führerscheinen, die in GUS-Staaten ausgestellt wurden, ist ein einfacher Umtausch ohne Prüfungen nicht möglich. Es ist jedoch nicht ratsam, pauschal auf alle Länder zu verallgemeinern: So können beispielsweise für einzelne Staaten in Anlage 11 besondere Bedingungen gelten. Daher sollten Sie vor der Bezahlung einer Fahrschule genau das Ausstellungsland, die Klasse und das Ausstellungsdatum des Führerscheins überprüfen.
Was muss man für die Führerscheinstelle vorbereiten?
Der Antrag wird bei der örtlichen Führerscheinstelle oder Fahrerlaubnisbehörde gestellt. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Stadt und Bundesland geringfügig, für die Klasse B sind jedoch in der Regel folgende Unterlagen erforderlich:
- Reisepass oder ein anderes Ausweisdokument;
- Nachweis der Anmeldung unter einer Adresse in Deutschland;
- biometrisches Passfoto;
- Bescheinigung über den Abschluss eines Erste-Hilfe-Kurses;
- einen aktuellen Sehtest einer anerkannten Prüfstelle;
- Antrag auf Ausstellung oder Umwandlung eines Führerscheins;
- bei der Umschreibung: das Original des ausländischen Führerscheins;
- gegebenenfalls eine beglaubigte Übersetzung oder eine Einstufung des ausländischen Führerscheins;
- eine Bescheinigung der Fahrschule, falls die Prüfung über diese abgelegt wird;
- Zahlung der Verwaltungsgebühr.
Wenn der ausländische Führerschein nicht in deutscher Sprache ausgestellt ist und nicht den Anforderungen des Wiener Übereinkommens über den Straßenverkehr entspricht, kann in den ersten Monaten des Fahrens eine Übersetzung oder ein internationaler Führerschein erforderlich sein. Der internationale Führerschein ersetzt jedoch nicht den nationalen Führerschein.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Prüfen Sie, nach welcher Regelung Ihr Führerschein anerkannt wird
Bevor Sie sich bei einer Fahrschule anmelden, überprüfen Sie das Ausstellungsland in Anlage 11 der FeV oder auf der Website Ihrer Führerscheinstelle. Dadurch lässt sich feststellen, ob Prüfungen erforderlich sind und welche genau. Besonders wichtig ist es, das Ausstellungsdatum, die Klasse und die Einschränkungen zu überprüfen: Manchmal gelten die Vorschriften nur für bestimmte Klassen oder für Führerscheine, die nach einem bestimmten Datum ausgestellt wurden.
2. Wählen Sie eine Fahrschule aus
Selbst bei einer Umschreibung ohne vorgeschriebene Fahrstunden findet die praktische Prüfung mit einem Fahrzeug der Fahrschule und in Begleitung eines Fahrlehrers statt. Daher ist eine Fahrschule in der Regel trotzdem erforderlich.
Bitte klären Sie vor der Anmeldung Folgendes:
- Wie hoch ist der Grundbetrag und was ist darin enthalten?
- Kosten für eine normale Fahrstunde und eine Sonderfahrt;
- Kosten für die Anmeldung zur theoretischen und praktischen Prüfung;
- Termine für den Beginn der praktischen Fahrstunden;
- In welchen Sprachen sind die Unterlagen und die Theorie verfügbar?;
- Ob die Fahrschule Umschreibungen und ausländische Führerscheine bearbeitet.
In Städten mit hoher Nachfrage kann die Wartezeit für Fahrstunden und Prüfungen Wochen oder Monate betragen. Dies stellt keinen Verstoß gegen die Vorschriften dar, sondern ist ein typisches organisatorisches Problem des Marktes für Fahrschulen und Prüfungszentren.
3. Reichen Sie einen Antrag bei der Führerscheinstelle ein
Zögern Sie nicht mit der Antragstellung: Ohne Bearbeitung der Unterlagen werden Sie nicht zur Prüfung zugelassen. In einigen Städten dauert allein die Terminvereinbarung bei der Fahrerlaubnisbehörde schon eine Weile, und die Prüfung ausländischer Führerscheine kann länger dauern als ein gewöhnlicher Antrag.
Nach der Genehmigung des Antrags werden die Daten an die Prüfungsstelle weitergeleitet, in der Regel an den TÜV oder die DEKRA. Erst danach kann man sich für die Prüfungen anmelden.
4. Bereiten Sie sich auf die Theorieprüfung vor
Die theoretische Prüfung der Klasse B besteht aus Multiple-Choice-Fragen. In der Regel umfasst die Prüfung 30 Fragen, und das Ergebnis wird anhand von Strafpunkten bewertet. Die Prüfung kann nicht nur auf Deutsch abgelegt werden: Es stehen verschiedene Sprachen zur Auswahl, doch die genaue Liste sollte man am besten beim TÜV, bei DEKRA oder in der Fahrschule erfragen.
Wenn man den Führerschein von Grund auf neu erwirbt, muss man obligatorische Theorieunterrichtsstunden absolvieren. Bei der Umschreibung aus einem Land, für das eine Prüfung erforderlich ist, ist der obligatorische Theoriekurs in der Regel nicht nötig, aber eine Vorbereitung ist dennoch erforderlich: Die Fragen beziehen sich speziell auf die deutschen Verkehrsregeln und Verkehrssituationen.
5. Absolvieren Sie die Fahrpraxis und legen Sie die praktische Prüfung ab
Wenn Sie den Führerschein von Grund auf neu erwerben, absolvieren Sie den üblichen Fahrunterricht und die obligatorischen Sonderfahrten. Bei der Umschreibung gibt es in der Regel keine vorgeschriebene Mindestanzahl an Fahrstunden, sofern das Gesetz nur eine Prüfung vorschreibt; die Fahrschule kann jedoch einige Fahrstunden empfehlen, um Ihren Fahrstil einzuschätzen und Sie auf das deutsche Prüfungsformat vorzubereiten.
Die praktische Prüfung der Klasse B dauert in der Regel etwa 45 Minuten. Der Prüfer sitzt im Fahrzeug, der Fahrlehrer begleitet die Fahrt, und der Prüfling fährt auf einer realen Strecke durch die Stadt und über Land. Einen separaten „Prüfplatz“ als eigenständige Prüfungsphase gibt es in der Regel nicht: Die grundlegenden Fahrmanöver werden im realen Straßenverkehr oder auf einem geeigneten Straßenabschnitt geprüft.
6. Den deutschen Führerschein erwerben
Nach erfolgreichem Bestehen aller erforderlichen Prüfungen erhalten Sie einen deutschen Führerschein. Bei der Umschreibung wird der ausländische Führerschein in der Regel einbehalten oder an die zuständige Behörde weitergeleitet, wobei das Verfahren vom Ausstellungsland und den örtlichen Gepflogenheiten abhängt.
Wie viel kostet das im Jahr 2026?
Die Kosten hängen stark von der Stadt, der Fahrschule, der Anzahl der Fahrstunden und eventuellen Wiederholungsprüfungen ab. Daher lässt sich der genaue Betrag nicht im Voraus zusagen.
Richtwerte für die Klasse B:
| Verbrauch | Typischer Bereich |
|---|---|
| Grundpreis der Fahrschule | ca. 350–565 € |
| Lernmaterialien oder App | ca. 80–120 € |
| Erste-Hilfe-Kurs | ab ca. 60 € |
| Sehtest | oft kostenlos beim Optiker, bei einigen Anbietern für ein paar Euro |
| Biometrisches Passfoto | ca. 10 € |
| Antrag bei der Führerscheinstelle | ca. 38–70 € |
| Eine normale Fahrstunde | kostet oft etwa 55–80 € für 45 Minuten |
| Sonderfahrt | oft etwa 60–95 € für 45 Minuten |
| Anmeldung zur theoretischen Prüfung über eine Fahrschule | hängt von der Fahrschule ab |
| Anmeldung zur praktischen Prüfung über eine Fahrschule | hängt von der Fahrschule ab |
| Gebühr der Prüfungsstelle für die theoretische Prüfung | in der Regel ca. 25 € |
| Gebühr der Prüfungsstelle für die praktische Prüfung der Klasse B | in der Regel ca. 130 € |
Um den Führerschein von Grund auf zu erwerben, liegt der tatsächliche Betrag oft im Bereich von etwa 2.500 bis 4.500 €. Die Untergrenze ist bei einer geringen Anzahl an Fahrstunden und dem Bestehen der Prüfung beim ersten Versuch möglich; die Obergrenze steigt schnell an, wenn zusätzliche Fahrstunden und Wiederholungsprüfungen erforderlich sind.
Die Kosten für die Umschreibung können deutlich geringer ausfallen, wenn man sich lediglich auf die Prüfungen vorbereiten und diese ablegen muss. Die Summe kann sich jedoch trotzdem erhöhen: Einige Fahrstunden, die Übersetzung des Führerscheins, Gebühren sowie Wartezeiten für die Prüfung und Wiederholungsprüfungen können leicht Hunderte von Euro zusätzlich kosten.
Häufige Fehler
- Die Ablauf der sechsmonatigen Frist abwarten und erst dann den Antrag stellen.
- Zu glauben, dass der internationale Führerschein den nationalen Führerschein ersetzt.
- Eine Fahrschule nur aufgrund der Anmeldegebühr auszuwählen, ohne die Kosten für Fahrstunden und Prüfungstermine zu vergleichen.
- Das Ausstellungsland nicht in Anlage 11 der FeV überprüfen.
- Unterschätzen Sie die theoretische Prüfung nicht, nur weil Sie schon lange Fahrpraxis haben.
- Das Budget so planen, dass kein Spielraum für zusätzliche Fahrstunden und eine mögliche Wiederholungsprüfung bleibt.
Kurze Checkliste
- Prüfen Sie, ob Ihr Ausstellungsland unter Anlage 11 der FeV fällt.
- Erkundigen Sie sich bei der Führerscheinstelle nach der Liste der erforderlichen Unterlagen speziell für Ihre Stadt.
- Machen Sie einen Sehtest, einen Erste-Hilfe-Kurs und lassen Sie ein biometrisches Foto anfertigen.
- Halten Sie den Original-Führerschein und gegebenenfalls eine Übersetzung bereit.
- Melden Sie sich bei einer Fahrschule an, die auf Ihren Fall spezialisiert ist.
- Reichen Sie den Antrag so früh wie möglich ein.
- Bereiten Sie sich anhand des aktuellen Fragenkatalogs auf die theoretische Prüfung vor.
- Nehmen Sie Fahrstunden, bis Sie sich sicher fühlen, auch wenn es keine vorgeschriebene Mindestanzahl gibt.
- Legen Sie die Prüfungen ab und erhalten Sie den deutschen Führerschein.
FAQ
Darf man in Deutschland mit einem Führerschein aus einem Drittland fahren?
Ja, aber in der Regel nur sechs Monate nach dem Umzug an einen ständigen Wohnsitz in Deutschland. Danach ist eine deutsche Fahrerlaubnis erforderlich. Ausnahmen und Verlängerungen müssen mit der örtlichen Fahrerlaubnisbehörde abgeklärt werden.
Muss man bei der Umschreibung erneut eine Fahrschule besuchen?
Wenn Ihr Land nicht auf der Liste der Länder mit vollständiger Befreiung von Prüfungen steht, sind möglicherweise Prüfungen erforderlich. Bei einer Umschreibung aus einem Drittland ohne Anerkennung gemäß Anlage 11 gibt es jedoch in der Regel keine vorgeschriebene Mindestanzahl an Fahrstunden, wie dies beim Erwerb des Führerscheins von Grund auf der Fall ist. Fahrstunden sind dabei oft erforderlich, da die Prüfung in einem Fahrzeug der Fahrschule und nach deutschen Vorschriften abläuft.
Wird der alte Führerschein eingezogen?
Bei der Umwandlung wird der ausländische Führerschein in der Regel einbehalten oder im Rahmen des Verwaltungsverfahrens weitergeleitet. Die Einzelheiten hängen vom Ausstellungsland und der Entscheidung der örtlichen Führerscheinstelle ab.
Kann man die Theorieprüfung auf Russisch ablegen?
Die theoretische Prüfung wird in mehreren Sprachen angeboten. Russisch und Englisch sind oft dabei, aber vor der Anmeldung sollte man sich bei der Fahrschule oder der Prüfungsstelle über die aktuellen Sprachoptionen informieren.
Warum unterscheidet sich der Endpreis bei verschiedenen Personen so stark?
Die wichtigsten Faktoren sind die Anzahl der Fahrstunden, der Standort, die Preise der Fahrschule, die Wartezeiten, Wiederholungsprüfungen und Zusatzleistungen. Daher ist es wichtig, vor Vertragsunterzeichnung nicht nur die Anmeldegebühr, sondern auch die gesamte Preisliste zu vergleichen.