Feuerwehr in Deutschland: Aufbau der Feuerwehr und wann man 112 wählt

Feuerwehr in Deutschland: Aufbau der Feuerwehr und wann man 112 wählt

Die Feuerwehr in Deutschland löscht nicht nur Brände. Sie rückt zu Bränden, Unfällen, technischen Hilfeleistungen, zur Rettung von Menschen und Tieren sowie nach Unwettern aus und ist in vielen Regionen auch am Rettungsdienst beteiligt. Für Einwohnerinnen, Einwohner und Neuankömmlinge gilt eine einfache Regel: Rufen Sie bei Feuer, einem Unfall oder Lebensgefahr die 112 an.

Wer ist für den Brandschutz zuständig?

Der Brandschutz in Deutschland ist auf Ebene der Länder und Kommunen organisiert. Deshalb unterscheiden sich Details wie die Größe der Einheiten, Anforderungen an Bewerberinnen und Bewerber, der Eintritt in eine Freiwillige Feuerwehr und die Schichtstruktur von Stadt zu Stadt. Die grundlegende Logik ist jedoch ähnlich: Für die Sicherheit sind die örtlichen Feuerwehren zuständig, die mit der Polizei, Rettungskräften, medizinischen Diensten, dem Rettungsdienst und Behörden des Zivilschutzes zusammenarbeiten.

In Deutschland gibt es drei wesentliche Formen der Feuerwehr:

  • Berufsfeuerwehr – eine professionelle Feuerwehr mit hauptamtlichen Beschäftigten. Sie gibt es meist in Großstädten und sie ist rund um die Uhr im Einsatz.
  • Freiwillige Feuerwehr – eine freiwillige Feuerwehr. Sie bildet in vielen Kleinstädten, Vororten und ländlichen Regionen das Rückgrat des Brandschutzes.
  • Werkfeuerwehr oder Betriebsfeuerwehr – die Feuerwehr eines Unternehmens, etwa in einem Werk, an einem Flughafen oder in einer Industrieanlage.

Berufs- und Freiwillige Feuerwehren ersetzen sich häufig nicht, sondern ergänzen einander. In einer Stadt kann es eine Berufsfeuerwehr und daneben mehrere Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr geben.

Was macht die Feuerwehr?

Die Arbeit der Feuerwehr in Deutschland ist breiter, als der Name vermuten lässt. Zu den typischen Aufgaben gehören:

  • Löschen von Bränden und Verhindern der Ausbreitung von Feuer;
  • Rettung von Menschen aus Gebäuden, Fahrzeugen, aus dem Wasser oder schwer zugänglichen Orten;
  • technische Hilfe nach Verkehrsunfällen, Stürmen, Überschwemmungen oder Einstürzen;
  • Reaktion auf ausgelöste Brandmeldeanlagen;
  • Hilfe bei Gefahrstoffen, Rauchentwicklung, Lecks und anderen Gefahren;
  • Rettung von Tieren;
  • Unterstützung des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes, sofern dies im örtlichen System vorgesehen ist.

Nach Angaben des Deutschen Feuerwehrverbands entfiel in der Statistik für 2023 nur ein Teil der Einsätze auf Brände und Explosionen. Einen großen Anteil machten technische Hilfeleistungen, Fehlalarme und der Rettungsdienst aus. Die Feuerwehr in Deutschland sollte daher als Dienst zur Bewältigung verschiedener Notfälle verstanden werden und nicht nur als Team zum Löschen von Feuer.

Die Berufsfeuerwehr

Die Berufsfeuerwehr besteht aus Berufsfeuerwehrleuten, Leitstellendisponentinnen und -disponenten, Technikfachkräften, Rettungskräften, Ausbilderinnen und Ausbildern sowie Führungspersonal. In Großstädten wie Berlin, München, Hamburg, Frankfurt am Main oder Köln sind dies große Organisationen mit mehreren Feuer- und Rettungswachen.

Zu den Aufgaben der Berufsfeuerwehr gehören meist:

  • Dienstbereitschaft rund um die Uhr;
  • schnelles Ausrücken zu Bränden, Verkehrsunfällen und anderen Notfällen;
  • Wartung der Fahrzeuge und Schutzausrüstung;
  • Ausbildung und Übungen;
  • Präventionsarbeit und Beteiligung an der Sicherheitsplanung;
  • Koordination mit freiwilligen Einheiten und anderen Diensten.

Teamgröße und Aufgabenspektrum hängen vom Bundesland, der Kommune und dem Risiko im jeweiligen Gebiet ab. Eine Industriestadt, ein Hafen, ein Flughafen oder ein dicht besiedelter Stadtteil erfordern zum Beispiel eine andere Organisation als eine kleine Gemeinde.

Freiwillige Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr ist ein zentraler Teil des deutschen Brandschutzsystems. Vielerorts rücken Freiwillige als Erste zu Einsätzen aus oder arbeiten gemeinsam mit Berufsfeuerwehrleuten.

Freiwillige erhalten Ausbildung und üben, damit sie:

  • bei Feuer und Rauchentwicklung richtig handeln;
  • Schutzausrüstung benutzen können;
  • Betroffenen Erste Hilfe leisten können;
  • mit Fahrzeugen und Pumpen arbeiten können;
  • bei Verkehrsunfällen, Stürmen, Überflutungen und anderen Ereignissen helfen können.

In der Regel gibt es für Freiwillige ein Alarmierungssystem: eine App, einen Pager oder einen anderen Kommunikationskanal. Bei Alarm fährt die Person zum Feuerwehrhaus und handelt nach dem Verfahren ihrer Einheit.

Wenn ein Freiwilliger während der Arbeitszeit zu einem Einsatz oder einer Ausbildung fährt, gilt in den meisten Ländern der Grundsatz des Schutzes vor finanziellen Nachteilen: Der Arbeitgeber darf diesen Nachteil nicht einfach auf die beschäftigte Person abwälzen. Die konkrete Entschädigungsregelung richtet sich nach Landesrecht und örtlichen Vorschriften; Einzelheiten sollten Sie daher bei Ihrer Gemeinde oder Feuerwehr erfragen.

So treten Sie einer Freiwilligen Feuerwehr bei

Das Aufnahmeverfahren unterscheidet sich je nach Ort, aber der typische Weg sieht so aus:

  1. Suchen Sie die örtliche Freiwillige Feuerwehr über die Website der Stadt, Gemeinde oder der Einheit selbst.
  2. Nehmen Sie Kontakt mit einer Ansprechperson auf und klären Sie die Anforderungen.
  3. Besuchen Sie ein Treffen oder ein Probetraining.
  4. Durchlaufen Sie die formale Prüfung sowie gegebenenfalls medizinische und körperliche Anforderungen.
  5. Beginnen Sie die Grundausbildung und nehmen Sie schrittweise an Bereitschaften und Einsätzen teil.

Auch die Altersregeln sind lokal unterschiedlich. In vielen Regionen gibt es eine Jugendfeuerwehr für Jugendliche; die vollständige Teilnahme an Einsätzen ist meist erst nach Erreichen der Volljährigkeit und entsprechender Ausbildung möglich.

Können Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland Feuerwehrleute werden?

Ausländerinnen und Ausländer können in der Feuerwehr mitwirken, doch die Voraussetzungen hängen von Rolle und Bundesland ab. Für die Freiwillige Feuerwehr sind meist Wohnort, die Bereitschaft zur regelmäßigen Teilnahme an Übungen, körperliche Eignung und die Fähigkeit wichtig, deutsche Anweisungen zu verstehen. Für den professionellen Dienst gelten strengere Voraussetzungen: Ausbildung, Gesundheit, Deutschkenntnisse, Arbeitserlaubnis und je nach Stelle und Bundesland gegebenenfalls Staatsangehörigkeit oder Beamtenstatus.

Vor der Bewerbung sollten Sie prüfen:

  • ob Ihr Aufenthaltstitel eine Arbeit oder ehrenamtliche Tätigkeit dieser Art erlaubt;
  • welches Deutschniveau für Ausbildung und Einsätze erforderlich ist;
  • ob Alters-, medizinische oder körperliche Voraussetzungen gelten;
  • ob frühere Erfahrung oder Ausbildung anerkannt wird;
  • welche Unterlagen die konkrete Feuerwehr verlangt.

Die genauen Bedingungen müssen bei der örtlichen Feuerwehr, der Stadt oder dem Bundesland geklärt werden. In Deutschland gibt es keine einheitliche Anleitung für alle Bewerberinnen und Bewerber.

Ausstattung der Feuerwehr

Die Fahrzeug- und Geräteausstattung hängt von den Aufgaben der Einheit ab. In einer kleinen Stadt kann es mehrere Fahrzeuge für Brandbekämpfung, technische Hilfe und den Transport der Mannschaft geben. In Großstädten kommen Spezialfahrzeuge hinzu: Drehleitern, Fahrzeuge für Gefahrstoffe, Rettungsfahrzeuge, Einsatzleitfahrzeuge sowie Ausrüstung für Taucher- oder Höhenrettung.

Ein gutes Beispiel für lokale Transparenz sind die Websites einzelner Feuerwehren. Einige Einheiten veröffentlichen ihre Fahrzeuge, Nachrichten, Einsatzberichte, Informationen zur Jugendfeuerwehr und Sicherheitsregeln. So zeigt die Feuerwehr Nußloch ihre Technik und Einsatzchronik auf ihrer Website: feuerwehr-nussloch.de.

Solche lokalen Seiten helfen zu verstehen, wie eine konkrete Einheit arbeitet. Ein einzelnes Beispiel sollte jedoch nicht auf ganz Deutschland übertragen werden: Struktur und Ausstattung hängen vom jeweiligen Ort ab.

So rufen Sie die Feuerwehr in Deutschland

Rufen Sie bei Feuer, Rauchentwicklung, einem Verkehrsunfall, Lebensgefahr oder einer anderen Notlage 112 an. Diese Nummer wird für Feuerwehr und Rettungsdienst verwendet und funktioniert in Deutschland sowie anderen EU-Ländern.

Beim Anruf ist es wichtig, kurz und ruhig mitzuteilen:

  • wo sich der Vorfall ereignet hat: Stadt, Straße, Hausnummer, Etage, Orientierungspunkt;
  • was passiert ist: Feuer, Rauch, Unfall, Verletzung, eingeschlossene Person;
  • wie viele Menschen verletzt sind oder sich in Gefahr befinden;
  • welche zusätzlichen Risiken bestehen: Gas, Chemikalien, Kinder, ältere Menschen, Tiere;
  • wer anruft und unter welcher Nummer ein Rückruf möglich ist.

Legen Sie nicht auf, bevor die Leitstelle sagt, dass das Gespräch beendet werden kann. Wenn Ihre Deutschkenntnisse nicht ausreichen, sprechen Sie in einfachen Worten: Feuer, Rauch, Unfall, Adresse, Hilfe. Viele Leitstellen können auf Englisch helfen, aber Sie sollten sich nicht in jeder Situation darauf verlassen.

Was Sie bis zum Eintreffen der Hilfe tun sollten

Oberste Priorität hat die Sicherheit von Menschen, nicht Eigentum.

  • Bringen Sie Menschen aus der Gefahrenzone, wenn Sie dies ohne Gefahr für sich selbst tun können.
  • Schließen Sie Türen hinter sich, um die Ausbreitung von Rauch zu verlangsamen.
  • Benutzen Sie bei einem Brand keinen Aufzug.
  • Kehren Sie nicht in verrauchte Räume zurück, um Gegenstände zu holen.
  • Warnen Sie Nachbarn, wenn sich der Brand ausbreiten kann.
  • Empfangen Sie die Feuerwehr draußen und zeigen Sie den Weg zum Einsatzort.

Einen kleinen Brandherd dürfen Sie nur selbst löschen, wenn Sie dabei Ihr Leben nicht gefährden und einen klaren Fluchtweg haben. Bei starkem Rauch, offenem Feuer, Explosionsgefahr oder einer unbekannten Gefahrenquelle sollten Sie sich sofort in Sicherheit bringen und auf die Feuerwehr warten.

Kurz gesagt

  • Die Feuerwehr in Deutschland heißt Feuerwehr.
  • Die wichtigsten Formen sind Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr und Werkfeuerwehr/Betriebsfeuerwehr.
  • Freiwillige Feuerwehren spielen besonders außerhalb großer Städte eine enorme Rolle.
  • Feuerwehrleute rücken nicht nur bei Feuer aus, sondern auch bei Unfällen, Stürmen, technischen Hilfeleistungen und Rettungseinsätzen.
  • Rufen Sie im Notfall 112 an und nennen Sie die Adresse so genau wie möglich.