Au-pair in Deutschland: Voraussetzungen, Visum und Vorbereitung

Au-pair in Deutschland: Voraussetzungen, Visum und Vorbereitung

Au-pair in Deutschland ist kein gewöhnlicher Job als Kinderbetreuerin, sondern ein Kulturaustausch: Die junge Person lebt in einer Gastfamilie, hilft bei der Kinderbetreuung und bei leichten Hausarbeiten, lernt die deutsche Sprache und lernt den Alltag des Landes kennen. Für Staatsangehörige aus Drittländern ist die Teilnahme an Visums- und behördlichen Auflagen gebunden. Daher ist es wichtig, vor der Einreichung der Unterlagen das Alter, die Aufenthaltsdauer, den Vertrag und die Pflichten der Familie zu überprüfen.

Was ist ein Au-pair in Deutschland?

Das Au-pair lebt als vorübergehendes Mitglied des Haushalts in der Familie. Die Hauptaufgabe besteht in der Betreuung minderjähriger Kinder: Beaufsichtigung, Begleitung in den Kindergarten, zur Schule oder zu Kursen, Spiele und einfache kindgerechte Tätigkeiten. Leichte Hausarbeiten sind ebenfalls zulässig, das Programm ist jedoch nicht dazu gedacht, eine Putzkraft, eine Pflegekraft oder eine vollwertige Kinderbetreuerin zu ersetzen.

Im Gegenzug stellt die Gastfamilie Unterkunft, Verpflegung, Taschengeld, eine Versicherung und die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Sprachkurs zur Verfügung. Für den Teilnehmer ist dies eine Möglichkeit, kostengünstig in Deutschland zu leben, seine Sprachkenntnisse zu verbessern und herauszufinden, ob ein weiterführendes Studium, eine Ausbildung oder ein anderer legaler Weg zum Umzug für ihn geeignet ist.

Wesentliche Voraussetzungen im Jahr 2026

Bedingung Was Sie wissen sollten
Alter Mindestens 18 Jahre zum Zeitpunkt des Programmbeginns; Obergrenze für den Aufenthaltstitel – bis zum Erreichen des 27. Lebensjahres.
Dauer In der Regel 6 Monate bis 1 Jahr; ein erneuter Au-pair-Aufenthalt in Deutschland ist nicht vorgesehen.
Deutsch Grundkenntnisse sind erforderlich, in der Regel mindestens A1.
Arbeitszeit Bis zu 6 Stunden pro Tag und bis zu 30 Stunden pro Woche, einschließlich Kinderbetreuung.
Freizeit Mindestens 1,5 volle freie Tage pro Woche und mindestens vier freie Abende.
Taschengeld 280 Euro pro Monat; dies ist kein reguläres Gehalt.
Sprachkurs Die Familie beteiligt sich an den Kosten für den tatsächlich besuchten Kurs mit mindestens 840 Euro für 12 Monate oder 70 Euro pro Monat; die Fahrtkosten zum entsprechenden Kurs trägt die Familie separat.
Versicherung Die Familie übernimmt die Kosten für die Kranken-, Schwangerschafts-/Geburts- und Unfallversicherung; häufig wird auch eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen.

Wenn die Familie deutlich mehr Stunden verspricht, vorschlägt, Hausangestellte zu ersetzen, oder nicht bereit ist, die Bedingungen schriftlich festzuhalten, ist dies ein Grund, die Bewerbung noch vor der Beantragung des Visums abzulehnen.

Für wen ist das Programm geeignet?

Ein Au-pair-Aufenthalt ist sinnvoll, wenn Sie:

  • die Deutschkenntnisse durch tägliche Kommunikation verbessern;
  • das Leben in Deutschland ohne hohe Wohnkosten auszuprobieren;
  • Erfahrungen in Selbstständigkeit und interkultureller Kommunikation sammeln;
  • sich auf ein weiterführendes Studium, eine Ausbildung oder einen Sprachkurs vorzubereiten;
  • einen begrenzten Zeitraum im Ausland zu verbringen, ohne dass eine Entscheidung über eine langfristige Einwanderung vorliegt.

Das Programm eignet sich weniger für diejenigen, die ein hohes Einkommen, eine Vollzeitbeschäftigung oder einen schnellen Weg zu einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung suchen. Ein Au-pair-Visum ist kein Arbeitsvisum für beliebige Tätigkeiten und ersetzt weder eine Studien- noch eine Arbeitsmigration.

Anforderungen an die Gastfamilie

Für das Au-pair ist nicht nur der Teilnehmerfragebogen wichtig, sondern auch die Einhaltung der Vorschriften durch die Familie. In der Familie muss mindestens ein minderjähriges Kind leben. Für Au-pairs aus Drittländern wird in der Regel verlangt, dass in der Familie Deutsch als Muttersprache oder Familiensprache gesprochen wird; ist Deutsch die Familiensprache, darf der Teilnehmer nicht aus demselben Land stammen wie die Gasteltern.

Vor Beginn des Programms schließen die Parteien einen schriftlichen Vertrag ab. Darin sollte im Voraus Folgendes festgelegt werden:

  • das Datum des Beginns und des Endes des Aufenthalts;
  • Aufgabenliste und vorläufiger Wochenplan;
  • Wochenenden, Abende und Urlaub;
  • Höhe des Taschengeldes;
  • Sprachkurs und Fahrtkosten;
  • Versicherung;
  • Bedingungen für die Vertragsauflösung und Vorgehensweise im Konfliktfall.

So findest du eine Gastfamilie

Es gibt mehrere Möglichkeiten für die Suche.

Plattformen und eigenständige Suche

Dienste wie AuPairWorld helfen dabei, ein Profil zu erstellen, Erfahrungen im Umgang mit Kindern zu beschreiben und direkt mit Familien zu kommunizieren. Bei der eigenständigen Suche ist es besonders wichtig, die Unterlagen der Familie zu überprüfen, keine unklaren Aufgaben zu akzeptieren und kein Geld für zweifelhafte „Garantien“ zu überweisen.

Agenturen und RAL

Eine Agentur kann bei der Auswahl einer Familie, beim Vertrag und bei Konfliktsituationen helfen. In Deutschland gelten Agenturen, die der Au-Pair Society e.V. angeschlossen sind oder das RAL-Gütezeichen „Au-pair“ tragen, als Qualitätsmaßstab. Dies erspart zwar nicht die eigene Überprüfung, verringert aber das Risiko, in eine Situation ohne Unterstützung zu geraten.

Empfehlungen und Communities

Persönliche Empfehlungen, Gruppen von ehemaligen Programmteilnehmern und thematische Communities können hilfreich sein, sollten jedoch eher als ergänzende Informationsquelle betrachtet werden. Selbst wenn eine Familie von Bekannten empfohlen wird, müssen die Bedingungen schriftlich geklärt werden.

Unterlagen und Vorbereitung auf das Visum

Für Staatsangehörige aus Ländern außerhalb der EU/des EWR und der Schweiz ist in der Regel ein nationales Einreisedokument für den Au-pair-Aufenthalt erforderlich. Der Antrag ist vor der Einreise bei einer deutschen Botschaft oder einem Konsulat zu stellen, sofern für Ihr Land keine besondere Ausnahmeregelung gilt. Die Arbeitserlaubnis als Au-pair muss ausdrücklich im Visum oder im Aufenthaltstitel vermerkt sein.

Das Basispaket umfasst in der Regel:

  • ein gültiger Reisepass;
  • ein unterzeichneter Au-pair-Vertrag;
  • Nachweis über Grundkenntnisse der deutschen Sprache;
  • Unterlagen der Gastfamilie;
  • Lebenslauf und Motivationsschreiben;
  • Versicherungsnachweis oder die Verpflichtung der Familie, eine Versicherung abzuschließen;
  • Visumantrag, Foto und Unterlagen gemäß den Anforderungen des jeweiligen Konsulats.

Die Liste kann je nach Land, in dem der Antrag gestellt wird, variieren, daher sollte eine abschließende Überprüfung auf der Website der deutschen Auslandsvertretung und bei der Ausländerbehörde am Wohnort der Familie erfolgen.

Wie man sich vor der Abreise vorbereitet

  1. Vergewissern Sie sich, dass die Aufgaben dem Programm entsprechen: Kinderbetreuung und leichte Hausarbeit, nicht jedoch umfassende Reinigungsarbeiten oder die Pflege älterer Menschen.
  2. Bitten Sie um einen Beispiel-Wochenplan, der auch die Abende, Wochenenden und den Sprachkurs umfasst.
  3. Besprechen Sie das Zimmer, die Verpflegung, das Internet, die Verkehrsmittel, den Urlaub und die Hausordnung.
  4. Bewahren Sie Kopien des Vertrags, der Visumunterlagen, der Versicherung und der Kontaktdaten der Agentur auf.
  5. Legen Sie sich eine finanzielle Reserve für die Reise, die ersten Ausgaben und einen möglichen Wechsel der Gastfamilie an.
  6. Bringen Sie Ihre Deutschkenntnisse vor der Einreise mindestens auf ein sicheres A1-Niveau: Das verringert den Stress in der Familie und beim Aufnahmegespräch.

Was man nach dem Au-pair-Aufenthalt tun kann

Nach Abschluss des Programms wechseln einige Teilnehmer an eine Universität, ins Studienkolleg, in eine Ausbildung oder in einen Sprachkurs. Dieser Übergang erfolgt nicht automatisch: Man muss im Voraus die Anforderungen hinsichtlich der neuen Aufenthaltsart, der Finanzierung, der Sprache und der Fristen für die Antragstellung bei der Ausländerbehörde prüfen.

Das Au-pair-Jahr selbst kann dabei helfen, sich einzuleben, den deutschen Alltag zu verstehen und einen realistischen Plan für einen späteren Umzug zu erstellen. Die Entscheidung über den weiteren Aufenthaltsstatus sollte jedoch am besten bereits einige Monate vor Vertragsende getroffen werden, um nicht ohne rechtmäßigen Aufenthaltsgrund dazustehen.

Häufige Fehler

  • mündlichen Vereinbarungen anstelle eines schriftlichen Vertrags zuzustimmen;
  • die Beschränkungen hinsichtlich der Arbeitszeiten und der Freizeit zu ignorieren;
  • das Taschengeld als Gehalt zu betrachten, das für alle persönlichen Ausgaben ausreicht;
  • Visumangelegenheiten bis zum letzten Monat aufzuschieben;
  • eine Familie nur nach dem Wohnort auszuwählen, ohne den Erziehungsstil und die Erwartungen zu besprechen;
  • Es wird nicht näher erläutert, wer die Kosten für den Sprachkurs, die Versicherung und die Anreise zum Kurs übernimmt.

FAQ

Darf man während des Au-pair-Aufenthalts noch anderweitig arbeiten?

Die Au-pair-Genehmigung ist an einen konkreten Aufenthalt gebunden und stellt keine allgemeine Erlaubnis für beliebige Nebentätigkeiten dar. Vor jeder zusätzlichen Beschäftigung müssen die Bedingungen des Aufenthaltstitels geprüft und die Ausländerbehörde konsultiert werden.

Muss man unbedingt über eine Agentur reisen?

Nicht immer. Man kann selbst nach einer Familie suchen, aber eine Agentur oder eine geprüfte Organisation ist hilfreich, wenn ein Vertrag, eine Begleitung und Unterstützung bei Konflikten benötigt werden.

Muss man ledig sein?

Die offiziellen Anforderungen der Bundesagentur für Arbeit lassen auch verheiratete Au-pairs zu, sofern die übrigen Bedingungen erfüllt sind. In der Praxis kann die familiäre Situation die Visumsprüfung und die Aufenthaltspläne beeinflussen, daher sollte sie nicht verschwiegen werden.

Wie viel Geld muss man mitnehmen?

Selbst wenn Unterkunft und Verpflegung von der Gastfamilie übernommen werden, ist ein finanzieller Puffer für Reisekosten, Telekommunikation, Kleidung, Dokumente, persönliche Ausgaben und den Fall eines unvorhergesehenen Wechsels der Gastfamilie erforderlich. Den genauen Betrag sollte man am besten je nach Stadt und den Vertragsbedingungen berechnen.