So wählst du einen Studiengang in Deutschland aus: eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die Wahl eines Studiengangs in Deutschland beginnt nicht mit dem Ranking der Hochschule, sondern mit der Überprüfung der Zulassungsvoraussetzungen: Passt Ihr bisheriger Abschluss, sind genügend fachspezifische Leistungspunkte vorhanden, welche Unterrichtssprache wird verlangt, gibt es Zulassungsbeschränkungen und über welches Portal wird die Bewerbung eingereicht? Wenn Sie diese Filter überspringen, können Sie Monate mit einem Studiengang verbringen, für den Sie formal nicht zugelassen sind.
Im Folgenden finden Sie einen praktischen Leitfaden für die Wahl eines Bachelor- oder Masterstudiengangs oder eines Vorbereitungsprogramms. Die Zulassungsvoraussetzungen variieren von Studiengang zu Studiengang, daher sollten Sie die endgültige Entscheidung immer auf der Seite des jeweiligen Studiengangs überprüfen.
1. Formulieren Sie Ihr Studienziel
Beantworten Sie zunächst drei Fragen:
- welchen Beruf oder welches akademische Fachgebiet Sie anstreben;
- Brauchen Sie einen Bachelor- oder Master-Abschluss, das Staatsexamen, ein Studienkolleg oder eine Weiterbildung?;
- Planen Sie, nach dem Studium in Deutschland zu arbeiten, Ihre Forschung fortzusetzen oder in ein anderes Land zurückzukehren?
Für Masterstudiengänge ist der Bezug zur vorherigen Ausbildung besonders wichtig. Viele Studiengänge verlangen eine bestimmte Anzahl an ECTS-Punkten in fachspezifischen Modulen: zum Beispiel in Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Ingenieurwissenschaften, Pädagogik oder Naturwissenschaften. Wenn Ihr Bachelorstudium in einem anderen Fachbereich absolviert wurde, achten Sie nicht nur auf den Namen des Studiengangs, sondern auch auf die Liste der Pflichtfächer.
2. Stellen Sie eine Liste der Studiengänge aus den offiziellen Katalogen zusammen
Beginnen Sie mit einer breit angelegten Suche und besuchen Sie anschließend die Websites der Hochschulen. Praktische Ausgangspunkte:
- Hochschulkompass – offizieller Studiengangkatalog der German Rectors’ Conference;
- DAAD International Programmes – Suche nach internationalen und englischsprachigen Studiengängen;
- Websites der jeweiligen Universitäten und Hochschulen;
- das Portal uni-assist – sofern die ausgewählte Hochschule Bewerbungen über dieses Portal entgegennimmt.
Beschränken Sie sich nicht nur auf den Begriff „Universität“. In Deutschland gibt es Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften, Technische Hochschulen, Kunsthochschulen und andere Hochschultypen. Für eine praxisorientierte Karriere kann eine Hochschule für angewandte Wissenschaften eine ebenso geeignete Option sein wie eine klassische Universität.
3. Prüfen Sie die formalen Voraussetzungen
Suchen Sie auf der Seite des Studiengangs nach den Abschnitten „Admission requirements“, „Zugangsvoraussetzungen“, „Bewerbung“, „Application“ oder „Zulassung“. Die folgenden Punkte sollten Sie in eine Tabelle eintragen:
| Was Sie prüfen sollten | Warum das wichtig ist |
|---|---|
| Vorheriger Abschluss | Für den Bachelor-Studiengang ist eine Hochschulzugangsberechtigung erforderlich; für den Master-Studiengang ein entsprechender erster Abschluss. |
| Fachspezifische ECTS | Masterstudiengänge verlangen oft ECTS-Punkte in bestimmten Fachbereichen. |
| Durchschnittsnote | Einige Studiengänge haben einen Numerus Clausus oder ein eigenes Auswahlverfahren. |
| Unterrichtssprache | Deutsch, Englisch oder ein gemischtes Format – je nach Sprache ändern sich die erforderlichen Nachweise. |
| Bewerbungsfrist | Die Termine unterscheiden sich für EU- und Nicht-EU-Bewerber sowie für das Winter- und Sommersemester. |
| Bewerbungsportal | Die Bewerbung kann direkt an die Hochschule, über uni-assist oder über Hochschulstart erfolgen. |
| Zusätzliche Unterlagen | Lebenslauf, Motivationsschreiben, Portfolio, Modulhandbuch, APS, GRE/GMAT oder Berufserfahrung. |
Wenn die Anforderungen unklar formuliert sind, sollte man sich vor der Bewerbung am besten an die Studienberatung oder die Zulassungsstelle wenden. Dies ist besonders wichtig bei Masterstudiengängen, bei denen Streitigkeiten oft nicht um den Abschluss insgesamt, sondern um die Auswahl der Module entstehen.
4. Klären Sie die Unterrichtssprache und die erforderlichen Zertifikate
Es gibt kein einziges universelles Zertifikat, das automatisch für alle Studiengänge geeignet ist. Die Anforderungen werden von der Hochschule und dem jeweiligen Studiengang festgelegt.
Für deutschsprachige Studiengänge werden häufig TestDaF, DSH, Goethe-Zertifikat, telc Deutsch C1 Hochschule oder andere anerkannte Prüfungen verlangt. Manchmal reicht das Niveau C1 aus, manchmal wird C2 verlangt, und gelegentlich akzeptiert die Hochschule nur bestimmte Prüfungsformate. Für englischsprachige Studiengänge werden in der Regel IELTS, TOEFL, Cambridge English oder eine Befreiung von der Prüfung aufgrund eines vorherigen Studiums in englischer Sprache anerkannt.
Überprüfen Sie nicht nur den Namen des Zertifikats, sondern auch die Mindestpunktzahlen für die einzelnen Prüfungsteile, die Gültigkeitsdauer des Ergebnisses und die Frist für das Hochladen der Unterlagen.
5. Schätzen Sie die Kosten und Ihr Budget ein
Die Aussage „Studieren in Deutschland ist kostenlos“ vereinfacht die Realität zu sehr. An vielen staatlichen Hochschulen gibt es für die meisten Studiengänge zwar keine klassischen Studiengebühren, aber fast immer einen Semesterbeitrag. Darüber hinaus können einzelne Bundesländer, private Hochschulen, MBA-Studiengänge, Weiterbildungsangebote und einige internationale Studiengänge Studiengebühren erheben.
Im Budget sollten folgende Posten berücksichtigt werden:
- die Semestergebühren und eventuelle Studiengebühren;
- Unterkunft und Kaution;
- Krankenversicherung;
- Verpflegung, Transport und Kommunikation;
- Kosten für Übersetzungen, Beglaubigungen, Prüfungen und die Einreichung von Bewerbungen;
- einen Finanzierungsnachweis für das Visum oder den Aufenthaltstitel, falls dies in Ihrer Situation erforderlich ist.
Vergleichen Sie nicht nur die Höhe der Studiengebühren, sondern auch die Stadt: Das Leben in München, Frankfurt oder Hamburg ist in der Regel deutlich teurer als in kleineren Universitätsstädten.
6. Achten Sie auf den Inhalt des Studiengangs und nicht nur auf den Namen
Zwei Studiengänge mit ähnlichem Namen können sich stark voneinander unterscheiden. Bevor Sie einen Studiengang auf Ihre Auswahlliste setzen, prüfen Sie Folgendes:
- Modulhandbuch und Pflichtfächer;
- den Anteil an praktischen Übungen, Laborarbeiten, Projekten und Praktika;
- die Möglichkeit, einen Schwerpunkt zu wählen;
- die Sprache der einzelnen Module;
- Anforderungen an die Abschlussarbeit;
- Partnerschaften mit Unternehmen oder Forschungsinstituten;
- Karriereprofile der Absolventen.
Wenn du dich für einen Masterstudiengang entscheidest, vergleiche das Programm mit deinem Zeugnis: Je mehr inhaltliche Übereinstimmungen es gibt, desto geringer ist das Risiko einer Ablehnung aufgrund eines ungeeigneten akademischen Profils.
7. Erstellen Sie eine Vergleichstabelle
Erstellen Sie für jede Option eine eigene Zeile. Mindestsäulen:
| Studiengang | Hochschule | Stadt | Abschluss | Sprache | Bewerbungsfrist | Portal | Voraussetzungen | Kosten | Priorität |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Name des Studiengangs | Universität/Hochschule | Stadt | BA/MA/etc. | DE/EN | Datum | Hochschule/uni-assist/Hochschulstart | Abschluss, ECTS, Sprache | Semestergebühr/Studiengebühren | A/B/C |
Nachdem Sie die Tabelle ausgefüllt haben, teilen Sie die Optionen in drei Gruppen ein:
- A: Sie erfüllen die Anforderungen vollständig und das Programm entspricht Ihren Zielen;
- B: Es gibt ein oder zwei Fragen, die man bei der Hochschule klären muss;
- C: Hohe Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung oder das Programm entspricht nicht den Zielen.
Eine solche Auswahlliste hilft dabei, sich nicht zu verzetteln und die Unterlagen rechtzeitig für die verschiedenen Fristen vorzubereiten.
8. Prüfen Sie die Risiken vor der Bewerbung
Gehen Sie vor dem Absenden der Bewerbung die Checkliste durch:
- Das Diplom oder das Schulzeugnis wird für das gewünschte Ausbildungsniveau anerkannt;
- die fachspezifischen ECTS-Punkte entsprechen den Anforderungen des Studiengangs;
- das Sprachzertifikat ist in der Liste der von diesem Studiengang akzeptierten Zertifikate aufgeführt;
- die Unterlagen sind im erforderlichen Format übersetzt und beglaubigt;
- die Bewerbungsfrist für Ihre Bewerberkategorie ist angegeben;
- das richtige Portal für die Bewerbung ausgewählt wurde;
- Im Motivationsschreiben wird der Zusammenhang zwischen der bisherigen Ausbildung, dem Studiengang und dem Karriereziel erläutert;
- Es gibt einen Finanzplan für das erste Jahr.
Wenn mehrere wichtige Punkte nicht übereinstimmen, sollte man besser nicht versuchen, die Bewerbung „durchzudrücken“, sondern ein Programm mit passenderen Anforderungen suchen.
Häufige Fehler
Sich ausschließlich am Ranking orientieren
Das Ranking gibt keinen Aufschluss darüber, ob Sie die formalen Voraussetzungen erfüllen und inwieweit das Programm zu Ihrem Profil passt. Für die Zulassung sind die Zulassungskriterien, die Module und die Fristen wichtiger.
Den TestDaF als universelle Lösung betrachten
Der TestDaF ist weit verbreitet, aber eine bestimmte Hochschule kann andere Prüfungen verlangen, ein bestimmtes Niveau in allen Teilen vorschreiben oder das Zertifikat nur unter Erfüllung zusätzlicher Bedingungen anerkennen.
ECTS ignorieren
Für ein Masterstudium ist der Name des Bachelorstudiengangs nicht immer ausschlaggebend. Die Kommission kann bestimmte Credits in Mathematik, Programmierung, Wirtschaft, Methodik oder anderen Modulen anrechnen.
Die Studiengebühren mit den Lebenshaltungskosten verwechseln
Selbst ohne Studiengebühren braucht ein Studierender Geld für Unterkunft, Versicherung, Verpflegung, Transport und Unterlagen. Eine Option, die hinsichtlich der Studiengebühren günstig ist, kann sich aufgrund der Stadt als teuer erweisen.
Weiterführende Informationen
Einen Überblick über das Zulassungsverfahren erhalten Sie zusätzlich in den folgenden Artikeln: „ Hochschulen in Deutschland – Besonderheiten der Zulassung “ und „ Wie wählt man eine Hochschule in Deutschland aus? “. Die Wiki-Links wurden unverändert beibehalten.