So läuft das Studium an deutschen Hochschulen ab: Format, Kreditpunkte, Prüfungen und Nebenjobs
Das Studium an einer deutschen Hochschule basiert in der Regel auf Eigenverantwortung: Die Studierenden planen einen Teil ihres Stundenplans selbst, sammeln ECTS-Punkte, bereiten sich auf Prüfungen vor und verbinden oft Theorie und Praxis. Das bedeutet nicht, dass es keine Kontrolle gibt, aber der Ansatz unterscheidet sich deutlich vom Schulmodell, bei dem jeder Schritt im Voraus vom Lehrer festgelegt wird.
Was zeichnet eine deutsche Universität aus?
In Deutschland gibt es verschiedene Arten von Hochschulen. Klassische Universitäten sind stärker auf akademische Theorie und Forschung ausgerichtet, während Hochschulen für angewandte Wissenschaften den Schwerpunkt eher auf praktische Projekte, Praktika und anwendungsorientierte Aufgaben legen.
In vielen Studiengängen werden den Studierenden nicht nur Pflichtmodule, sondern auch Wahlfächer angeboten. Aus diesem Grund kann der Stundenplan selbst bei Studierenden desselben Studienfachs unterschiedlich ausfallen. Es ist wichtig, das Modulhandbuch im Voraus zu konsultieren: Dort sind die Fächer, die Anzahl der Kreditpunkte, die Prüfungsform und die Zulassungsbedingungen beschrieben.
Wie funktioniert das ECTS-System?
Deutsche Studiengänge verwenden ECTS-Punkte. Ein Punkt spiegelt den Arbeitsaufwand wider und nicht nur die Zeit im Hörsaal: Er umfasst Vorlesungen, Seminare, Vorbereitung, Selbststudium, Projekte, Praktika und Prüfungen.
In der Regel umfasst ein Bachelor-Studiengang 180–240 ECTS, ein Master-Studiengang meist 90–120 ECTS. Der konkrete Umfang hängt von der Hochschule, dem Bundesland, dem Studienfach und der Struktur des Studiengangs ab und sollte daher auf der Seite des gewählten Studiengangs überprüft werden.
Unterrichtsformate
Der Lehrplan kann verschiedene Arten von Unterrichtseinheiten umfassen:
- Vorlesung – eine Vorlesung, in der der Dozent die wesentlichen Inhalte vermittelt;
- Seminar – Diskussion eines Themas in einer kleinen Gruppe, oft mit Präsentationen und schriftlichen Arbeiten;
- Übung oder Tutorium – praktische Übungen und die Besprechung von Aufgaben;
- Praktikum oder Praxisphase – Labor-, Betriebs- oder Projektpraktikum;
- Projektarbeit – eigenständige oder gruppenweise Bearbeitung einer anwendungsbezogenen Aufgabe.
Die größte Herausforderung für Studienanfänger ist nicht ein einzelnes Fach, sondern die Zeitplanung. Der Dozent erinnert möglicherweise nicht jede Woche an die Abgabetermine, daher ist es ratsam, von Beginn des Semesters an einen Kalender, eine Liste der Prüfungsleistungen und die Anforderungen des Moduls zu führen.
Wie laufen die Prüfungen ab?
Eine Prüfung an einer deutschen Hochschule bedeutet nicht immer eine mündliche Antwort an der Tafel. Weit verbreitet sind schriftliche Klausuren, Hausarbeiten, Präsentationen, Laborberichte, Projekte, Portfolios und Hausarbeiten. In einigen Studiengängen setzt sich die Abschlussnote aus mehreren Teilen zusammen.
Wird eine Prüfung nicht bestanden, kann sie in der Regel wiederholt werden, doch die Anzahl der Versuche und die Regeln für die erneute Anmeldung hängen von der Prüfungsordnung des jeweiligen Studiengangs ab. Vor Beginn des Studiums lohnt es sich, genau dieses Dokument zu lesen: Es ist wichtiger als allgemeine Beschreibungen des Systems.
Praxis und Bezug zur Arbeitswelt
Der praktische Teil kommt besonders in den Studiengängen Ingenieurwesen, IT, Wirtschaft, Medizin, Pädagogik und angewandte Wissenschaften zum Tragen. Die Abschlussarbeit befasst sich oft mit einer Forschungs- oder Praxisaufgabe und nicht nur mit der Zusammenfassung von Literatur.
Studierende können sich auch um Hiwi-Stellen an den Lehrstühlen, Praktika oder Werkstudentenjobs bewerben. Ein solches Format ist nicht nur als Einkommensquelle nützlich, sondern auch, um den Arbeitsmarkt kennenzulernen: Deutsche Arbeitgeber schätzen oft die während des Studiums gesammelten Erfahrungen.
Nebenjob während des Studiums
Ausländische Studierende dürfen in Deutschland arbeiten, doch die Regeln hängen von der Staatsangehörigkeit, dem Aufenthaltsstatus und der Art der Beschäftigung ab. Für Studierende aus Nicht-EU-Ländern gilt in der Regel eine jährliche Obergrenze für Arbeitstage ohne gesonderte Genehmigung, während Selbstständigkeit und freiberufliche Tätigkeit besondere Vorsicht erfordern und oft einer zusätzlichen Genehmigung bedürfen.
Ein Werkstudentenjob beinhaltet in der Regel eine Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Studienfach und eine Begrenzung der Arbeitsstunden während des Semesters. In der Praxis orientiert man sich häufig an 20 Stunden pro Woche während der Vorlesungszeit, während in den Semesterferien die Arbeitsbelastung höher sein kann, sofern dies nicht gegen die Bedingungen des Visums, des Arbeitsvertrags und der Sozialversicherungsvorschriften verstößt.
Die Vergütung sollte man am besten je nach konkreter Stellenausschreibung und Bundesland prüfen. Alte Richtwerte wie „12,5–16 Euro pro Stunde“ sind schnell veraltet und eignen sich nicht als allgemeingültige Regel.
Muss man Deutsch perfekt beherrschen?
In Deutschland kann man sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch studieren. Englischsprachige Studiengänge sind häufiger in den Bereichen Master, International Business, Ingenieurwesen, IT und Naturwissenschaften anzutreffen, doch die Auswahl hängt von der Hochschule und dem Studiengang ab.
Für die Zulassung zu einem deutschsprachigen Studiengang ist in der Regel ein nachgewiesener Deutschkenntnisstand erforderlich, beispielsweise durch den TestDaF, die DSH oder ein anderes anerkanntes Zertifikat. Für englischsprachige Studiengänge wird häufig der TOEFL oder IELTS verlangt; GMAT oder GRE können für einzelne Wirtschafts- und Managementstudiengänge erforderlich sein, sind jedoch keine allgemeine Voraussetzung für alle Hochschulen.
Auch wenn der Studiengang komplett auf Englisch stattfindet, hilft die deutsche Sprache dennoch im Alltag, bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche, bei Nebenjobs und Praktika. Daher ist es ratsam, sich bereits ab dem ersten Semester Zeit für das Erlernen der Sprache einzuplanen.
Was Sie vor der Wahl eines Programms prüfen sollten
Vor der Einreichung der Unterlagen sollte man Folgendes überprüfen:
- Unterrichtssprache und erforderliche Zertifikate;
- Anzahl der ECTS-Punkte und Dauer des Studiengangs;
- Pflicht- und Wahlmodule;
- das Format der Prüfungen und die Regeln für Wiederholungsprüfungen;
- das Vorhandensein von Praktika, Praktikumssemestern oder Projektsemestern;
- Anforderungen an eine Nebenbeschäftigung entsprechend Ihrem Aufenthaltsstatus;
- Höhe der Semestergebühr und mögliche Studiengebühren.
Häufige Fehler von Studierenden
Anfänger unterschätzen oft die eigenständige Vorbereitung, melden sich zu spät für Prüfungen an oder wählen im ersten Semester zu viele Kurse. Ein weiterer Fehler ist es, nur auf den Namen des Studiengangs zu achten, ohne das Modulhandbuch und die Prüfungsordnung zu lesen.
Eine gute Strategie ist es, sich im ersten Monat mit dem Semesterkalender, dem Anmeldesystem, der Bibliothek, den Prüfungsordnungen und den Sprechstunden der Studienberatung vertraut zu machen. Das baut Stress stärker ab als der Versuch, alle Fächer im Voraus auswendig zu lernen.
Kurz zusammengefasst
Das Studium an einer deutschen Hochschule erfordert Selbstständigkeit, bietet aber Flexibilität: Man kann einen Teil der Kurse selbst auswählen, sein akademisches Profil gestalten, praktische Erfahrungen einbringen und schrittweise in den Arbeitsmarkt einsteigen. Wichtig ist, die Anforderungen des jeweiligen Studiengangs zu prüfen, sich nicht auf allgemeine Versprechungen zu verlassen und sich im Voraus darüber zu informieren, wie die Leistungspunkte, Prüfungen, die Unterrichtssprache und die Regeln für Nebenjobs geregelt sind.