So bewirbst du dich um eine Ausbildung in Deutschland: Unterlagen, Fristen und Auswahlverfahren
Die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz in Deutschland ähnelt eher der Jobsuche als der klassischen Bewerbung an einer Hochschule. Der Bewerber bewirbt sich in der Regel auf eine konkrete Stelle bei einem Ausbildungsbetrieb, schickt seine Bewerbung ein, durchläuft eine Vorauswahl und absolviert anschließend, je nach Unternehmen, einen Test, ein Vorstellungsgespräch oder einen Schnuppertag. Daher lautet die wichtigste Regel ganz einfach: Sich frühzeitig nach Ausbildungsplätzen umsehen, die Anforderungen des Arbeitgebers sorgfältig lesen und für jede Ausschreibung ein separates Bewerbungspaket zusammenstellen.
Wie unterscheidet sich die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz von der Bewerbung um einen Studienplatz?
Bei der dualen Ausbildung gibt es kein einheitliches zentrales Auswahlverfahren für alle Berufe und Unternehmen. Der Ausbildungsplatz wird vom Arbeitgeber bereitgestellt, während die Berufsschule die Praxis durch Theorie ergänzt. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Fristen, das Bewerbungsformat und die Auswahlphasen: Große Unternehmen beginnen möglicherweise schon sehr früh mit der Rekrutierung, während kleine Betriebe ihre Stellenangebote manchmal erst kurz vor Ausbildungsbeginn veröffentlichen.
Meistens beginnt die Ausbildung im August oder September, aber es ist riskant, sich nur auf diese Monate zu verlassen. Stellenangebote erscheinen in Wellen, und beliebte Ausbildungsberufe sind früher ausgebucht. Bei großen Arbeitgebern ist es sinnvoll, die Suche etwa ein Jahr im Voraus zu beginnen; bei kleinen Unternehmen lohnt es sich, die Suche auch später noch fortzusetzen, da im Laufe des Jahres immer wieder neue Plätze frei werden können.
Wo man nach einem Ausbildungsplatz sucht
Nutzen Sie für die Suche mehrere Kanäle gleichzeitig:
- „Jobsuche“ der Bundesagentur für Arbeit und die App „AzubiWelt“;
- die Websites der Unternehmen selbst in den Rubriken „Karriere“, „Ausbildung“ oder „Jobs“;
- ausbildung.de und andere Fachportale;
- Die Lehrstellenbörse der örtlichen IHK oder Handwerkskammer, sofern der Beruf zum Industrie- und Handelsbereich oder zum Handwerk gehört;
- Berufsmessen, Berufsberatung, Veranstaltungen des Berufsinformationszentrums und lokale Karriereveranstaltungen.
In der Praxis empfiehlt es sich, eine Tabelle mit den Bewerbungen zu führen: Unternehmen, Beruf, Versanddatum, Ansprechpartner, Status, Frist und nächster Schritt. So verpasst man keine Einladung zu einem Test oder Vorstellungsgespräch.
Was muss man für die Bewerbung vorbereiten?
In der Regel benötigt der Arbeitgeber ein Anschreiben, einen Lebenslauf, Schul- oder Berufszeugnisse sowie zusätzliche Nachweise, sofern diese in der Stellenanzeige angegeben sind. Manchmal bittet das Unternehmen darum, nur den Lebenslauf über ein Online-Formular einzureichen. In diesem Fall sollten Sie keine zusätzlichen Unterlagen beifügen, wenn das Formular den Umfang der Bewerbung ausdrücklich begrenzt.
Lebenslauf
Der Lebenslauf für eine Ausbildung sollte kurz, verständlich und auf den gewählten Beruf zugeschnitten sein. Wichtig sind dabei:
- Kontaktdaten und aktuelle Anschrift;
- Ausbildung, Kurse, Praktika, ehrenamtliche Tätigkeiten und Nebenjobs;
- Sprachen, digitale Kompetenzen und Führerschein, sofern dies für den Beruf relevant ist;
- Stärken, untermauert durch Beispiele: Sorgfalt, Umgang mit Menschen, technisches Interesse, Verantwortungsbewusstsein;
- Lücken im Lebenslauf, die ruhig und ohne überflüssige Details erklärt werden.
Verfügt der Bewerber bereits über fundierte Führungs- oder Fachkenntnisse, sollte er diese dezent hervorheben. Für eine Ausbildung sucht der Arbeitgeber jemanden, der bereit ist, einen bestimmten Beruf von Grund auf zu erlernen; daher kann eine zu starke Betonung des bisherigen Status als Ungeeignetheit für die Stelle gewertet werden.
Anschreiben
Das Anschreiben sollte keine allgemeine Vorlage sein. Ein gutes Anschreiben beantwortet drei Fragen:
- warum gerade dieser Beruf gewählt wurde;
- warum gerade dieses Unternehmen interessant ist;
- Welche Eigenschaften oder Erfahrungen belegen die Eignung des Bewerbers?
Das Anschreiben umfasst in der Regel eine Seite. Es ist besser, weniger, dafür aber konkreter zu schreiben: Erwähne relevante Praktika, Schulprojekte, Erfahrungen im Umgang mit Kunden, ein technisches Hobby oder den Grund für dein Interesse an der Branche. Fehler in der deutschen Sprache solltest du im Voraus überprüfen lassen: Bitte einen Muttersprachler, einen Lehrer oder einen Berater der Berufsberatung darum oder nutze eine Rechtschreibprüfung, aber versende keinen maschinell erstellten Text, ohne ihn zuvor Korrektur gelesen zu haben.
Wie man schnell auf Stellenanzeigen reagiert
Viele Arbeitgeber haben keine einheitliche Bewerbungsfrist für alle Bewerber. Die Stellenanzeige kann so lange online bleiben, bis die Stelle besetzt ist, aber aussichtsreiche Bewerbungen werden früher geprüft. Daher ist folgendes Vorgehen sinnvoll:
- Stellenangebote suchen und nach Priorität sortieren.
- Die Anforderungen prüfen: Schulabschlusszeugnis, Deutschkenntnisse, Führerschein, Schichtdienst, körperliche Belastung.
- Verfassen Sie für jedes Unternehmen ein eigenes Anschreiben.
- Senden Sie die Unterlagen auf die in der Stellenanzeige angegebene Weise.
- Überprüfen Sie den Status nach ein bis zwei Wochen, sofern das Unternehmen keine andere Wartezeit angegeben hat.
Wenn für die Stellenausschreibung ein Online-Formular erforderlich ist, bereiten Sie im Voraus PDF-Dateien mit aussagekräftigen Namen vor: Lebenslauf, Anschreiben, Zeugnisse, Zertifikate. Dies verringert das Risiko technischer Fehler beim Versenden.
Was kann nach der Bewerbung passieren?
Nach der Bewerbung sind verschiedene Schritte möglich:
- automatische Empfangsbestätigung der Bewerbung;
- ein Vorabgespräch am Telefon oder ein kurzes Online-Vorstellungsgespräch;
- Eignungstest oder Einstellungstest;
- persönliches Vorstellungsgespräch;
- Assessment-Center, Schnuppertag oder praktische Aufgabe; – die endgültige Entscheidung und das Angebot eines Ausbildungsvertrags.
Nicht jedes Unternehmen wendet alle Phasen an. Manchmal findet der Test vor dem Vorstellungsgespräch statt, manchmal nach dem ersten Gespräch und manchmal gar nicht. Wenn Sie eine Einladung erhalten haben, prüfen Sie sorgfältig das Format, die Bearbeitungsfrist, die technischen Anforderungen und die Kontaktdaten für Rückfragen.
Eignungstest: Was wird normalerweise geprüft?
Ein Eignungstest hilft dem Arbeitgeber, die grundlegenden Fähigkeiten des Bewerbers einzuschätzen. Der Inhalt hängt vom Beruf ab, häufig kommen jedoch folgende Aufgaben vor:
- Mathematik: Prozentsätze, Verhältnisse, einfache Gleichungen, Arbeiten mit Tabellen;
- Deutsch: Textverständnis, Grammatik, Rechtschreibung;
- Logisches Denken und Sorgfalt;
- Situationsbezogene Aufgaben zum Umgang mit Kunden, im Team oder im Konfliktfall;
- berufliche Grundlagen, wenn es sich um einen technischen, medizinischen, kaufmännischen oder IT-bezogenen Beruf handelt.
Kostenpflichtige Vorbereitungsplattformen können genutzt werden, doch ihre Kosten und Inhalte variieren. Es ist sicherer, zunächst kostenlose Beispiele zu Suchanfragen wie „Eignungstest Beispiele“, „Einstellungstest Ausbildung“ oder „Musteraufgaben“ durchzuarbeiten und dann zu entscheiden, ob ein kostenpflichtiger Zugang erforderlich ist. Wichtiger als die Plattform selbst sind regelmäßiges Üben und das Verständnis des Formats.
Wie bereitet man sich auf einen Test vor?
Der Arbeitsplan für die Vorbereitung sieht wie folgt aus:
- Notieren Sie sich, welche Fähigkeiten in der Stellenausschreibung erwartet werden.
- Frischen Sie Ihre Grundkenntnisse in Mathematik auf: Prozentrechnung, Brüche, Verhältnisse, Maßeinheiten.
- Üben Sie das Lesen deutscher Anleitungen unter Zeitdruck.
- Lösen Sie jeden Tag kurze Logikaufgaben, anstatt am letzten Abend einen großen Block auf einmal zu bearbeiten.
- Überprüfen Sie Ihre Technik: Internetverbindung, Kamera, Mikrofon, Browser und den Akkustand Ihres Laptops.
- Schließen Sie vor dem Online-Test alle ablenkenden Tabs und sorgen Sie für eine ruhige Umgebung.
Während des Tests nach Antworten zu suchen, ist in der Regel eine schlechte Strategie: Die Zeit ist begrenzt, und die Aufgaben erfordern oft Schnelligkeit und Aufmerksamkeit. Außerdem kann der Arbeitgeber das Testergebnis mit dem Verhalten im Vorstellungsgespräch oder am Schnuppertag vergleichen.
Vorstellungsgespräch für die Ausbildung
Im Vorstellungsgespräch werden nicht nur Ihre Kenntnisse bewertet, sondern auch Ihre Motivation, Ihr realistisches Verständnis des Berufsbildes und Ihre Kommunikationsfähigkeit. Bereiten Sie Antworten auf typische Fragen vor:
- Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?
- Was wissen Sie über das Unternehmen?
- Welche Aufgaben in dieser Stelle interessieren Sie?
- Welche Schulfächer, Projekte oder Praktika stehen im Zusammenhang mit dem Studiengang?
- Wie reagieren Sie auf Kritik, Stress oder die Arbeit im Team?
Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Bewerber selbst Fragen stellt: zum Stundenplan der Berufsschule, zum Ausbilder, zu den Abteilungen, zu den Perspektiven nach der Ausbildung, zur Probezeit und zu den Kriterien für den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung.
Häufige Fehler von Bewerbern
- nicht dasselbe Anschreiben an alle Unternehmen zu schicken;
- die in der Stellenanzeige angegebene Art der Bewerbung zu ignorieren;
- keine unleserlichen Scans von Zeugnissen beizufügen;
- einen zu allgemeinen Text zu verfassen, der keinen Bezug zum Beruf hat;
- E-Mails aufgrund eines inaktiven E-Mail-Kontos oder als Spam zu übersehen;
- ein höheres Deutschniveau anzugeben, als es tatsächlich der Fall ist;
- ohne grundlegende Informationen über das Unternehmen zum Vorstellungsgespräch zu erscheinen.
Kurze Checkliste vor dem Absenden
Bevor du deine Bewerbung abschickst, überprüfe Folgendes:
- Die Bezeichnung des Berufs und des Unternehmens sind fehlerfrei angegeben;
- Die Dateien sind verständlich benannt und lassen sich öffnen;
- Ein Anschreiben, das auf die Stellenausschreibung zugeschnitten ist;
- Der Lebenslauf enthält keine ungeklärten Lücken;
- Es sind nur die Zeugnisse und Zertifikate beizufügen, die benötigt werden;
- E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Anschrift sind aktuell; – Der Text enthält keine Werbeschablonen und keine maschinell generierten Formulierungen.
Fazit
Eine erfolgreiche Bewerbung um einen Ausbildungsplatz basiert auf frühzeitiger Suche, einer präzisen Bewerbung und einer entspannten Vorbereitung auf das Auswahlverfahren. Für den Arbeitgeber ist es wichtig, nicht den perfekten Kandidaten zu sehen, sondern einen Menschen, der den Beruf versteht, lernbereit ist und zuverlässig im Team arbeiten kann. Je besser die Bewerbung den Zusammenhang zwischen Ihrer Erfahrung, Ihrer Motivation und der konkreten Stelle verdeutlicht, desto höher ist die Chance, zum Test, zum Vorstellungsgespräch und zur Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags zu gelangen.