Pädagogische Hochschulen in Deutschland: Wo kann man Erziehungswissenschaft studieren und worin unterscheidet sich dieser Studiengang vom Lehramt?

Pädagogische Hochschulen in Deutschland: Wo kann man Erziehungswissenschaft studieren und worin unterscheidet sich dieser Studiengang vom Lehramt?

Pädagogik in Deutschland ist kein einheitlicher Studiengang mit einem einzigen Verlauf. Wenn das Ziel darin besteht, als Schullehrer zu arbeiten, ist in der Regel das Lehramt erforderlich: Die Ausbildung orientiert sich an der Schulform, den Fächern, dem Bundesland und dem anschließenden Referendariat. Wenn man sich hingegen für Bildung im weiteren Sinne interessiert – Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung, Bildungseinrichtungen, Forschung, Training, Jugendarbeit, Leitung von Bildungsprojekten –, dann wird häufiger nach Erziehungswissenschaft oder Pädagogik gesucht.

Im Folgenden finden Sie kein offizielles Ranking, sondern eine praktische Auswahl an Hochschulen, die renommierte Studiengänge im Bereich Erziehungswissenschaft/Pädagogik sowie entsprechende Masterstudiengänge anbieten. Vor der Einreichung der Bewerbung sollten Sie auf der Seite des jeweiligen Studiengangs die Unterrichtssprache, die Zulassungsbeschränkungen (NC), die Bewerbungsfristen, die Anforderungen an die Deutschkenntnisse sowie die Regeln für die Anerkennung von Vorbildungen gesondert prüfen.

Besonderheiten der pädagogischen Ausbildung in der BRD

Erziehungswissenschaft, Pädagogik und Lehramt werden oft verwechselt, obwohl es sich um unterschiedliche Bildungswege handelt.

Erziehungswissenschaft / Pädagogik befasst sich mit Bildung, Erziehung, Sozialisation, Erwachsenenbildung, Sozialarbeit, pädagogischen Organisationen und Bildungsforschung. Absolventen können in Bildungseinrichtungen, sozialen Projekten, der Jugendhilfe, der Weiterbildung, der Personalentwicklung, bei gemeinnützigen Organisationen sowie in wissenschaftlichen und administrativen Einrichtungen tätig sein. Die konkreten Stellen hängen vom Profil des Studiengangs, der Praxis, der Sprache und den Anforderungen des Arbeitgebers ab.

Lehramt – der Weg zum Beruf des Schullehrers. In Deutschland ist er an das jeweilige Bundesland, den Schultyp und die Fächerkombination gebunden. In einigen Bundesländern endet die Ausbildung mit dem Staatsexamen, in anderen wird das System „Bachelor of Education“ / „Master of Education“ angewendet, wobei der Master oft die Funktion des ersten Staatsexamens erfüllt. Auf die universitäre Phase folgt in der Regel eine praktische Ausbildung an einer Schule – das Referendariat – und anschließend die staatliche Prüfung.

Daher ist es falsch, die „beste pädagogische Hochschule“ ohne genaues Ziel auszuwählen. Für das Lehramt sind das Bundesland, die Schulform, die Fächerkombination und die Anerkennung der Qualifikation wichtiger. Für die Erziehungswissenschaft sind das Profil des Lehrstuhls, die Forschungsschwerpunkte, die Praxis, die verfügbaren Masterstudiengänge und die Karriereperspektiven nach dem Bachelorstudium wichtiger.

5 deutsche Hochschulen für das Studium der Pädagogik und Erziehungswissenschaft

Friedrich-Schiller-Universität Jena

An der Universität Jena kann man Erziehungswissenschaft als Kernfach oder Ergänzungsfach im Rahmen eines Mehrfach-Bachelor-Studiums studieren. Der Studiengang eignet sich für diejenigen, die sich mit der Theorie und Praxis von Bildung, Sozialisation und Erziehung auseinandersetzen möchten, um anschließend ein Masterstudium anzuschließen oder in den Bildungs- und Sozialbereich einzusteigen.

Eine Stärke von Jena ist die Verknüpfung der Bachelorstudiengänge mit den entsprechenden Masterstudiengängen. So ist beispielsweise der M.A. Erziehungswissenschaft – Sozialpädagogik/Sozialmanagement auf sozialpädagogische und organisatorische Fragen, Management, die Analyse beruflicher Handlungsbedingungen und eine mögliche wissenschaftliche Laufbahn ausgerichtet.

Was Sie vor der Einreichung prüfen sollten:

  • die Fächerkombination im Bachelorstudium;
  • Anforderungen an die Deutschkenntnisse;
  • Bewerbungsfristen für Kernfach und Ergänzungsfach;
  • ob der gewählte Bachelor-Studiengang für den gewünschten Masterstudiengang geeignet ist.

Universität Tübingen

An der Universität Tübingen ist der pädagogische Bereich im Institut für Erziehungswissenschaft angesiedelt. Auf Bachelor-Ebene werden insbesondere Erziehungswissenschaft und Soziale Arbeit/Erwachsenenbildung als Hauptfach sowie Erziehungswissenschaft als Nebenfach angeboten. Auf Master-Ebene bietet das Institut mehrere Studienschwerpunkte an, darunter „Bildung und Erziehung: Kultur – Politik – Gesellschaft“, „Schulforschung und Schulentwicklung“, „Forschung und Entwicklung in der Sozialpädagogik/Sozialen Arbeit“ sowie „Erwachsenenbildung/Weiterbildung“.

Tübingen ist besonders interessant für diejenigen, die eine pädagogische Ausbildung mit Sozialarbeit, Erwachsenenbildung, Schulforschung oder Bildungspolitik verbinden möchten. Dabei folgt das Lehramt an der Universität über die Tübingen School of Education einer eigenen Logik und hängt vom gewählten Schulweg ab.

Ruhr-Universität Bochum

An der Ruhr-Universität Bochum wird Erziehungswissenschaft im Rahmen eines 2-Fächer-Bachelorstudiengangs angeboten. Das bedeutet, dass Pädagogik in Kombination mit einem zweiten Fach studiert wird. Der Studiengang behandelt Fragen der Bildung, Erziehung und Sozialisation aus historischer, psychologischer, soziologischer und forschungsorientierter Perspektive.

Auf Master-Ebene bietet die RUB den M.A. Erziehungswissenschaft an, zu dem sich Absolventen der Erziehungswissenschaft oder verwandter Studiengänge bewerben können, sofern sie die Anforderungen hinsichtlich der Kreditpunkte erfüllen. In der Beschreibung der Universität werden als mögliche Tätigkeitsfelder Bildungseinrichtungen, Ministerien, internationale Organisationen, Projekteinrichtungen und Forschung genannt.

Für wen ist Bochum geeignet:

  • für diejenigen, die einen zweifach ausgerichteten Bachelor-Studiengang anstreben;
  • für Studierende, denen Interdisziplinarität wichtig ist;
  • für diejenigen, die einen anschließenden Master of Arts in Betracht ziehen und nicht nur das Schullehramt.

Justus-Liebig-Universität Gießen

An der Justus-Liebig-Universität Gießen zeigt sich der pädagogische Schwerpunkt im Studiengang „Berufliche und Betriebliche Bildung“. Die Bachelor-Studiengänge werden in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Mittelhessen angeboten und führen zu einem vielseitig einsetzbaren Abschluss: Nach dem Studium eröffnen sich Perspektiven in der betrieblichen Ausbildung, der beruflichen Bildung und im Weiterbildungsbereich sowie der Übergang in einen fachspezifischen Masterstudiengang.

Wichtig: Die Masterstudiengänge „Berufliche und Betriebliche Bildung“ in Gießen bereiten auf das Lehramt an Beruflichen Schulen vor. Daher ist diese Option besonders interessant für diejenigen, die sich für Berufsschulen, berufliche Bildung, betriebliche Ausbildung oder eine Verbindung zwischen Universität und anwendungsorientierter technischer Ausbildung interessieren.

Vor der Entscheidung sollten Sie die konkrete berufliche Fachrichtung, die Anforderungen an das Praktikum, die Kombinationsmöglichkeiten mit dem THM sowie die Regeln für den Übergang in den Masterstudiengang prüfen.

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg werden der BA Erziehungswissenschaft in den Varianten 180 LP und 90 LP sowie der MA Erziehungswissenschaft mit 120 LP angeboten. Der Masterstudiengang ist auf vertiefte erziehungswissenschaftliche Reflexion, Theorie, Forschungsmethoden und die Professionalisierung für den pädagogischen Praxisbereich, Führungsaufgaben oder wissenschaftliche Arbeit ausgerichtet.

An der MLU wird streng zwischen den Hauptfachstudiengängen Bachelor/Master Erziehungswissenschaft und dem Lehramt unterschieden. Studierende des Lehramts wenden sich an ihre jeweiligen Fachbereiche und das Prüfungsamt, während für die Erziehungswissenschaft gesonderte Regelungen bezüglich der Module, Praktika und Prüfungen gelten.

Diese Universität ist für diejenigen interessant, die ein breit gefächertes forschungs- und theorieteilisches Profil in der Erziehungswissenschaft anstreben, sowie für diejenigen, die bereits im Vorfeld den Unterschied zwischen einem pädagogischen Bachelor- oder Masterstudium und dem Lehramt an einer Schule verstehen möchten.

Wie wählt man einen Studiengang aus?

Zunächst sollte man sich nicht die Frage stellen „Welche Hochschule ist die beste?“, sondern vielmehr „Welchen Beruf möchte ich ergreifen?“.

Ziel Worauf man achten sollte
Schullehrer werden Lehramt, Bundesland, Schulform, Fächerkombination, Referendariat, Staatsexamen oder Master of Education
Arbeiten in der Sozialpädagogik Erziehungswissenschaft, Sozialpädagogik, Soziale Arbeit, Praxis und Anerkennung von Qualifikationen für eine bestimmte Stelle
Im Bereich Unternehmensfortbildung arbeiten Erwachsenenbildung, Weiterbildung, berufliche und betriebliche Bildung, HR/Learning & Development
Forschung betreiben Forschungsmaster, Methoden, Lehrstühle, Promotionsmöglichkeit
Studium nach ausländischem Bildungsabschluss Anerkennung des Abschlusses, Sprachvoraussetzungen, ECTS-Punkte, Uni-Assist oder das eigene System der Hochschule

Was Sie vor der Bewerbung prüfen sollten

  • Studiengangbezeichnung. Erziehungswissenschaft, Pädagogik, Bildungswissenschaften, Sozialpädagogik und Lehramt können zu unterschiedlichen Berufen führen.
  • Abschluss. Bachelor of Arts, Master of Arts, Bachelor/Master of Education und Staatsexamen sind nicht austauschbar.
  • Das Bundesland. Für das Lehramt ist dies entscheidend: Die Ausbildungs- und Anerkennungsvorschriften unterscheiden sich.
  • Praktikum. In pädagogischen Studiengängen kann das Praktikum obligatorisch, empfohlen oder in ein separates Modul integriert sein.
  • Sprache. Die meisten Studiengänge in diesem Bereich werden auf Deutsch angeboten, oft wird ein hohes Niveau an Deutschkenntnissen verlangt.
  • NC und Fristen. Pädagogische Studiengänge können zulassungsbeschränkt sein, und die Fristen für internationale Studienbewerber unterscheiden sich.
  • Berufliche Einschränkungen. Nicht jeder pädagogische Studiengang berechtigt dazu, in einem reglementierten Beruf zu arbeiten oder Schulunterricht zu erteilen.

Fazit

Wenn Sie speziell eine Laufbahn im Schuldienst anstreben, beginnen Sie mit dem Lehramt und den Bestimmungen des Bundeslandes, in dem Sie arbeiten möchten. Wenn Sie sich für Bildung als sozialen, organisatorischen oder wissenschaftlichen Bereich interessieren, schauen Sie sich die Studiengänge Erziehungswissenschaft/Pädagogik an und vergleichen Sie nicht nur den Namen der Hochschule, sondern auch das Profil des Studiengangs, die Praktika, die Masterstudiengänge und die Zulassungsvoraussetzungen.

Jena, Tübingen, Bochum, Gießen und Halle-Wittenberg bieten verschiedene Einstiegsmöglichkeiten in den pädagogischen Bereich: von der klassischen Erziehungswissenschaft über Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung bis hin zur beruflichen Bildung und zu Forschungsprogrammen. Die beste Wahl hängt davon ab, ob Sie an einer Schule, im sozialen Bereich, in der Weiterbildung, im Bildungsmanagement oder in der Wissenschaft arbeiten möchten.