Deutsche Redewendungen und Ausdrücke: Bedeutungen, Herkunft und Beispiele
Deutsche Redewendungen lassen sich selten wörtlich übersetzen. Alles in Butter bezieht sich nicht auf Butter im Kühlschrank, kalte Füße bekommen bedeutet nicht immer, dass die Füße frieren, und etwas an die große Glocke hängen bezieht sich nicht auf eine Glocke, sondern auf unnötigen Wirbel. Im Folgenden finden Sie eine Auswahl an Redewendungen mit wörtlicher Übersetzung, der Bedeutung im Russischen, einer kurzen Entstehungsgeschichte und Beispielen.
Kurztabelle der Redewendungen
| Deutsche Redewendung | Wörtlich | Russische Bedeutung |
|---|---|---|
| Am längeren Hebel sitzen | am längeren Hebel sitzen | Macht, Vorteil oder Einfluss haben |
| Unter aller Kanone | unter aller Kanone | schlechter geht es nicht, unter aller Kritik |
| Kalte Füße bekommen | kalte Füße bekommen | einen Rückzieher machen, den Mut verlieren |
| Abends werden die Bürgersteige hochgeklappt | Abends werden die Bürgersteige hochgeklappt | Abends sind die Straßen leer |
| Saure-Gurken-Zeit | Zeit der sauren Gurken | Phase der Flaute oder der erzwungenen Sparmaßnahmen |
| Abwarten und Tee trinken | abwarten und Tee trinken | man wird sehen, man muss Geduld haben |
| Eine Hand wäscht die andere | eine Hand wäscht die andere | Dienst für Dienst, gegenseitige Hilfe |
| Seine Schäfchen ins Trockene bringen | die Schafe an einen trockenen Ort treiben | sein Geld oder seine Interessen schützen |
| Alles in Butter | alles im Lot | alles in Ordnung |
| Aller guten Dinge sind drei | Alles Gute kommt immer in Dreierreihen | Der dritte Versuch muss gelingen |
| Die Arschkarte ziehen | eine Karte aus der Gesäßtasche ziehen | in eine unangenehme Lage geraten |
| Blau machen | blau machen | die Schule oder die Arbeit schwänzen |
| Auf 180 sein | auf 180 sein | sich sehr ärgern, vor Wut brodeln |
| Etwas an die große Glocke hängen | etwas an eine große Glocke hängen | lautstark verkünden, allen davon erzählen |
Am längeren Hebel sitzen
Wörtlich: am längeren Hebel sitzen.
Bedeutung: mehr Macht, Ressourcen oder Einfluss haben.
Ein Hebel verschafft einen Vorteil: Je länger er ist, desto leichter lässt sich ein schwerer Gegenstand bewegen. Daher wird die Redewendung am längeren Hebel sitzen verwendet, wenn eine Seite objektiv stärker ist als die andere und ihre Entscheidung durchsetzen kann.
Das lässt sich beispielsweise über einen Vorgesetzten in einem Streit mit einem Mitarbeiter, einen Vermieter in Verhandlungen mit einem Mieter oder ein großes Unternehmen in einem Konflikt mit einem kleinen Auftragnehmer sagen. Dabei geht es nicht unbedingt um Gerechtigkeit, sondern um das Kräfteverhältnis.
Beispiel: Bei den Verhandlungen sitzt der Konzern am längeren Hebel.
Übersetzung: Bei den Verhandlungen befindet sich der Konzern in einer stärkeren Position.
Unter aller Kanone
Wörtlich: unter aller Kritik.
Bedeutung: unter aller Kritik, sehr schlecht.
Auf den ersten Blick klingt die Redewendung seltsam: die Kanone – das ist eine Kanone. Der Ausdruck wird jedoch oft über die lateinische Formulierung sub omni canone erklärt, also „unter jedem Maßstab“. Aufgrund ihrer Aussprache hat sich canone leicht mit dem deutschen Wort Kanone angeglichen, und im umgangssprachlichen Gebrauch hat sich die Vorstellung von „unterhalb jeder Kanone“ etabliert.
So spricht man über einen Flop-Film, eine schlecht ausgeführte Arbeit, unfreundlichen Service oder ein Ergebnis, das sich kaum anhand einer üblichen Skala bewerten lässt.
Beispiel: Der Vortrag war unter aller Kanone.
Übersetzung: Der Vortrag war unter aller Kritik.

Kalte Füße bekommen
Wörtlich: kalte Füße bekommen.
Bedeutung: Angst bekommen, ins Zweifeln geraten und einen Plan aufgeben.
Wenn sich jemand fast zu einer Handlung entschlossen hat, es sich aber im letzten Moment anders überlegt hat, kann man auf Deutsch sagen: er hat kalte Füße bekommen. Im Russischen kommt dem am nächsten „strusil“ oder „dal zadniy khod“.
Eine der gängigen Erklärungen verbindet den Ausdruck mit geheimen Kartenspielen in kalten Kellern: Ein Spieler mit schlechten Karten konnte sich auf die Kälte berufen und gehen. Heute ist die Redewendung nicht mehr an diese Geschichte gebunden und wird in alltäglichen Situationen verwendet – vor einer Hochzeit, einem Geschäft, einer Prüfung oder einem wichtigen Gespräch.
Beispiel: Am Tag vor der Hochzeit bekam er kalte Füße.
Übersetzung: Einen Tag vor der Hochzeit hat er kalte Füße bekommen.

Abends werden die Bürgersteige hochgeklappt
Wörtlich: Abends werden die Bürgersteige zusammengeklappt.
Bedeutung: Abends sind die Straßen leer, es passiert nichts.
Diesen Ausdruck hört man oft in Bezug auf eine Kleinstadt oder ein ruhiges Viertel, in dem das Leben nach Ladenschluss fast zum Erliegen kommt. Das Bild ist bewusst komisch: Als würde man abends die Gehwege einfach bis zum nächsten Morgen wegräumen, weil sie ohnehin niemand benutzt.
Eine Redewendung muss nicht unbedingt böse klingen. Manchmal handelt es sich um sanfte Ironie über die ländliche Stille, manchmal um die Klage eines Menschen, dem das Nachtleben fehlt.
Beispiel: In diesem Dorf werden abends die Bürgersteige hochgeklappt.
Übersetzung: In diesem Dorf ist abends auf den Straßen keine Menschenseele zu sehen.

Saure-Gurken-Zeit
Wörtlich: die Zeit der sauren Gurken.
Bedeutung: eine ruhige Phase, eine Zeit, in der es an Ereignissen, Geld oder Möglichkeiten mangelt.
Für die Redewendung Saure-Gurken-Zeit gibt es mehrere Erklärungen. Im alten, alltäglichen Sinne steht sie im Zusammenhang mit Vorräten für schwere Zeiten: Wenn es wenig frische Lebensmittel gibt, muss man von Vorräten leben, darunter auch von eingelegten oder sauren Gurken.
Im modernen Deutsch wird dieser Ausdruck oft für eine Phase verwendet, in der „nichts passiert“: wenige Nachrichten, wenige Aufträge, geringe Geschäftsaktivität, eine ruhige Saison. Im Journalismus kann man damit die sommerliche Nachrichtenflaute bezeichnen.
Man kann es sowohl als Saure-Gurken-Zeit schreiben; auch zusammengeschriebene Varianten kommen vor, aber die Form mit Bindestrichen wirkt in einem Lehrtext gepflegter.
Beispiel: Im Sommer herrscht in vielen Büros Saure-Gurken-Zeit.
Übersetzung: Im Sommer bricht in vielen Büros eine ruhige Phase ein.

Abwarten und Tee trinken
Wörtlich: abwarten und Tee trinken.
Russisches Äquivalent: Wir werden sehen.
Abwarten und Tee trinken sagt man, wenn man nur noch Ruhe bewahren und abwarten kann. Die Redewendung eignet sich gut für Situationen, in denen man das Ergebnis nicht beschleunigen kann: das Warten auf eine Note, eine Antwort auf einen Antrag, eine Entscheidung des Arbeitgebers oder den Ausgang von Verhandlungen.
Der Ursprung wird üblicherweise mit der Idee von Geduld und einer ruhigen Behandlung in Verbindung gebracht: Kräutertee trinken, die Empfehlungen befolgen und der Zeit ihren Lauf lassen. Im Alltagssprachgebrauch spielt die historische Version keine Rolle mehr; die Hauptbedeutung lautet: „Bleib ruhig, warte ab.“
Beispiel: Solange die Prüfungsergebnisse nicht bekannt sind, kann ich nur abwarten und Tee trinken.
Übersetzung: Solange die Prüfungsergebnisse noch nicht bekannt sind, bleibt mir nichts anderes übrig, als abzuwarten.

Eine Hand wäscht die andere
Wörtlich: Eine Hand wäscht die andere.
Russisches Äquivalent: Eine Hand wäscht die andere.
Die Bedeutung der Redewendung ist gegenseitige Hilfe: Du hast mir geholfen, ich helfe dir. Die Redewendung kann neutral klingen, wenn es um normale gegenseitige Hilfe geht, erhält aber manchmal einen zweifelhaften Beigeschmack, wenn sie auf geheime Absprachen und den Austausch von Gefälligkeiten „unter Bekannten“ anspielt.
Die lateinische Formulierung manus manum lavat ist seit langem bekannt, und im Deutschen hat sich die Redewendung zu einer gängigen Formulierung für gegenseitigen Nutzen entwickelt.
Beispiel: Ich helfe dir beim Umzug, und du reparierst später mein Fahrrad. Eine Hand wäscht die andere.
Übersetzung: Ich helfe dir beim Umzug, und du reparierst später mein Fahrrad. Eine Gefälligkeit für eine Gefälligkeit.

Seine Schäfchen ins Trockene bringen
Wörtlich: seine Schafe an einen trockenen Ort treiben.
Bedeutung: Geld, Eigentum oder persönliche Interessen im Voraus absichern.
Im wörtlichen Sinne führt ein Hirte seine Herde von einer nassen Weide weg, um die Tiere zu schützen. Im übertragenen Sinne versucht ein Mensch, Wertvolles aus der Gefahrenzone zu bringen: Kapital zu sichern, sich eine Ausweichmöglichkeit zu verschaffen, wichtige Angelegenheiten noch vor einer Krise zu regeln.
Oft klingt eine Redewendung kritisch, besonders wenn es jemandem gelungen ist, seine eigenen Interessen zu wahren, während andere Verluste erlitten haben.
Beispiel: Als die Insolvenz nicht mehr abzuwenden war, hatten die Manager längst ihre Schäfchen ins Trockene gebracht.
Übersetzung: Als die Insolvenz bereits nicht mehr zu verhindern war, hatten die Manager ihre Interessen längst gesichert.

Alles in Butter
Wörtlich: Alles im Öl.
Russisches Äquivalent: Alles in Ordnung, alles gut.
Wenn ein Deutscher Alles in Butter sagt, meint er damit, dass die Situation unter Kontrolle ist und kein Grund zur Sorge besteht. Es handelt sich um einen umgangssprachlichen, freundlichen Ausdruck als Antwort auf die Frage „Wie geht’s?“ oder um den Gesprächspartner zu beruhigen.
Eine weit verbreitete Erklärung bringt den Ausdruck mit dem Transport von zerbrechlichem Geschirr in Verbindung: Glas wurde angeblich in Fässern mit Öl befestigt, damit es unterwegs nicht zerbrach. Die Geschichte mag wie eine Legende klingen, aber das Bild ist verständlich: Wenn alles „in Butter“ ist, ist alles sicher geschützt.
Beispiel: Mach dir keine Sorgen, alles ist in Butter.
Übersetzung: Mach dir keine Sorgen, alles ist in Ordnung.

Aller guten Dinge sind drei
Wörtlich: Alle guten Dinge kommen in Dreiergruppen.
Russisches Äquivalent: Gott liebt die Dreifaltigkeit.
Diese Redewendung verwendet man, wenn man nach zwei Misserfolgen einen dritten Versuch wagen sollte oder wenn man die Zahl drei scherzhaft rechtfertigen möchte. Zum Beispiel: Der Kuchen ist zweimal misslungen, also muss der dritte Versuch besser werden.
Eine der Erklärungen verbindet die Redewendung mit einem alten Gerichtsbrauch: Der Beklagte konnte mehrmals vorgeladen werden, wobei die dritte Vorladung als entscheidend galt. Im modernen Deutsch wird der Ausdruck jedoch vor allem umgangssprachlich und ohne juristischen Beigeschmack verwendet.
Beispiel: Zwei Versuche haben nicht geklappt, aber aller guten Dinge sind drei.
Übersetzung: Zwei Versuche sind fehlgeschlagen, aber der dritte sollte gelingen.

Die Arschkarte ziehen
Wörtlich: eine Karte aus der Gesäßtasche ziehen.
Bedeutung: in eine unangenehme Situation geraten, ein schlechtes Los ziehen.
Der Ausdruck ist etwas derb, daher sollte man ihn besser nur in der Umgangssprache verwenden. Er bedeutet, dass jemand Pech hatte: Er hat die unangenehmste Aufgabe abbekommen, eine unglückliche Schicht, eine schlechte Option oder die Folgen einer fremden Entscheidung.
Die Herkunft wird oft mit dem Fußball in Verbindung gebracht: Der Schiedsrichter konnte die rote Karte in der hinteren Hosentasche und die gelbe in der anderen aufbewahren. Für Zuschauer des Schwarz-Weiß-Fernsehens half die Position der Hand dabei, zu erkennen, welche Karte gezeigt wurde. In der Umgangssprache hat sich die Arschkarte ziehen über den fußballerischen Kontext hinaus verbreitet.
Beispiel: Wer an Heiligabend arbeiten muss, hat die Arschkarte gezogen.
Übersetzung: Wer an Heiligabend arbeiten muss, hat das Nachsehen.

Blau machen
Wörtlich: blau machen.
Bedeutung: die Schule oder Arbeit schwänzen, sich vor Pflichten drücken.
Blau machen oder zusammengeschrieben blaumachen bedeutet, ohne triftigen Grund nicht zur Arbeit, zur Schule oder zum Unterricht zu erscheinen. Im umgangssprachlichen Gebrauch ist damit fast immer ein bewusstes Schwänzen gemeint und keine echte Krankheit.
Die Herkunft des Ausdrucks wird unterschiedlich erklärt. Eine der Versionen steht im Zusammenhang mit dem Blauen Montag – dem „blauen Montag“, einem Tag, an dem Handwerker nach dem Sonntag weniger arbeiteten oder sich ausruhten. In einem Lehrtext ist es wichtig, sich nicht die umstrittene Geschichte, sondern die heutige Verwendung zu merken.
Beispiel: Er ist so faul, dass er am liebsten jeden Freitag blaumachen würde.
Übersetzung: Er ist so faul, dass er am liebsten jeden Freitag die Arbeit schwänzen würde.

Auf 180 sein
Wörtlich: auf 180 sein.
Bedeutung: sich sehr ärgern, vor Wut kochen.
Wenn ein Deutscher sagt ich bin auf 180, gibt er damit keine Geschwindigkeit an, sondern beschreibt einen emotionalen Zustand: Die Wut ist bereits am Limit. Die Zahl 180 steht für hohe Geschwindigkeit und eine überhitzte Situation.
Die Redewendung eignet sich für Alltagssituationen: Der Chef ist genervt, ein Elternteil ärgert sich, ein Autofahrer regt sich im Stau auf. In der formellen Sprache sollte man sie besser durch neutrale Ausdrücke wie sehr wütend sein ersetzen.
Beispiel: Nach diesem Anruf war sie auf 180.
Übersetzung: Nach diesem Anruf war sie vor Wut außer sich.

Etwas an die große Glocke hängen
Wörtlich: etwas an eine große Glocke hängen.
Bedeutung: etwas an die große Glocke hängen, Informationen zu öffentlich machen.
Vor dem Zeitalter der Massenmedien konnten wichtige Nachrichten tatsächlich durch Glockengeläut verkündet werden: Der Klang versammelte die Menschen und teilte ihnen mit, dass etwas Bedeutendes geschehen war. Genau dieses Bild der öffentlichen Bekanntmachung hat sich in der Redewendung erhalten.
Heute bedeutet etwas an die große Glocke hängen meist „es allen erzählen“, manchmal sogar „etwas ausplaudern, das besser im kleinen Kreis geblieben wäre“. Der Ausdruck eignet sich gut für persönliche Neuigkeiten, berufliche Pläne oder Gerüchte.
Beispiel: Ich bin schwanger, aber du musst das nicht gleich an die große Glocke hängen.
Übersetzung: Ich bin schwanger, aber man muss das nicht gleich allen erzählen.
Wie man deutsche Redewendungen lernt
- Lernt die Redewendung als Ganzes und nicht einzelne Wörter. Kalte Füße bekommen funktioniert als Einheit und nicht als Summe aus „kalt“ und „Füße“.
- Achten Sie auf den Sprachstil. Die Arschkarte ziehen klingt derb, während Abwarten und Tee trinken neutral und sanft klingt.
- Fügen Sie ein eigenes Beispiel hinzu. Ein kurzer Satz aus Ihrem Leben hilft besser als eine lange Erklärung zur Herkunft.
- Vergleichen Sie sie mit dem russischen Äquivalent, aber übersetzen Sie sie in der gesprochenen Sprache nicht wörtlich. Das russische „niže plintusa“ und das deutsche unter aller Kanone haben zwar dieselbe Bedeutung, sind aber unterschiedlich aufgebaut.
FAQ
Kann man deutsche Redewendungen wörtlich übersetzen?
Zum Auswendiglernen – ja, für den tatsächlichen Sprachgebrauch – normalerweise nicht. Die wörtliche Übersetzung hilft dabei, sich ein Bild zu machen, aber im Gespräch muss man die fertige deutsche Redewendung verwenden und ihre übertragene Bedeutung verstehen.
Welche Redewendungen eignen sich für Anfänger?
Am einfachsten ist es, mit neutralen und häufig verwendeten Redewendungen zu beginnen: Alles in Butter, Abwarten und Tee trinken, Eine Hand wäscht die andere, auf 180 sein. Derbe und umgangssprachliche Ausdrücke sollte man zunächst erkennen lernen und erst später vorsichtig selbst verwenden.
Warum gibt es manchmal mehrere Versionen zur Herkunft einer Redewendung?
Feste Redewendungen sind oft aus der Umgangssprache entstanden, daher lässt sich ihre genaue Herkunft nicht immer nachweisen. Für Deutschlernende ist es wichtiger, die heutige Bedeutung, den Sprachstil und typische Verwendungssituationen zu kennen.