Zulassung zum Masterstudium in Deutschland: Anforderungen, ECTS und Unterlagen
Ein Masterstudium in Deutschland ist in der Regel als Fortsetzung des ersten Hochschulstudiums konzipiert. Daher sind bei der Zulassung nicht nur der Bachelorabschluss und der Notendurchschnitt entscheidend, sondern auch, inwieweit der vorherige Studiengang hinsichtlich Inhalt, ECTS-Punkten und akademischem Profil mit dem gewählten Masterstudiengang übereinstimmt.
Das Wichtigste, was man im Voraus verstehen sollte: Es gibt keine einheitliche Regelung für alle deutschen Hochschulen. Die Anforderungen werden von der jeweiligen Hochschule und dem jeweiligen Studiengang festgelegt. Bei einem Masterstudiengang kann man mit einem breit gefächerten Bachelorabschluss zugelassen werden, bei einem anderen hingegen wegen fehlender ECTS-Punkte in Pflichtfächern abgelehnt werden.
Wie ist das Masterstudium in Deutschland aufgebaut?
Das deutsche Hochschulsystem unterteilt das Studium in die erste Stufe, den Bachelor, und die zweite Stufe, den Master. Ein Masterstudium dauert in der Regel zwei bis vier Semester und bietet eine engere Spezialisierung: Nach einem Bachelor-Abschluss in Mathematik kann man beispielsweise Data Science, Finanzmathematik oder Angewandte Mathematik wählen.
Für ausländische Studienbewerber bedeutet dies zwei Prüfungen:
- Wird der bisherige Abschluss als geeignete Grundlage für das weitere Studium anerkannt?
- Reichen die akademischen Inhalte in den Fächern aus, die der gewählte Studiengang verlangt?
Die Entscheidung trifft die Hochschule selbst oder eine bevollmächtigte Zulassungsstelle. Sich daher nur an allgemeinen Ratschlägen wie „der Bachelor-Abschluss sollte ähnlich sein“ zu orientieren, ist riskant: Man sollte die Zulassungsvoraussetzungen auf der Seite des Studiengangs lesen.
Was versteht man unter der Fachnähe von Studiengängen?
Verwandtschaft bedeutet, dass Bachelor- und Masterstudium demselben oder einem verwandten akademischen Fachgebiet angehören. In Deutschland wird ein Masterstudium selten als Möglichkeit angesehen, den Beruf von Grund auf zu wechseln. Es dient eher dazu, die bereits erworbene Ausbildung zu vertiefen.
Einfache Beispiele:
- Ein Bachelor-Studium im Fach Maschinenbau und ein Master-Studium im Fach Automobil-Mechatronik erscheinen in der Regel als logische Kombination;
- Ein Bachelor-Abschluss in Tourismus und ein Master-Studium in Informatik werden höchstwahrscheinlich nicht als verwandte Fachrichtungen angesehen;
- Ein Lehramtsstudium für Englisch und Deutsch sowie ein Masterstudium in Anglistik erfordern möglicherweise eine detaillierte Prüfung der Module, da die Bezeichnungen zwar ähnlich sind, sich der akademische Schwerpunkt jedoch unterscheidet.
Manchmal gibt der Studiengang ausdrücklich an, welche Bachelor-Studiengänge geeignet sind. Manchmal achtet die Hochschule nicht auf die Bezeichnung des Abschlusses, sondern auf die Liste der belegten Module.
Wie die Zulassungskommission die ECTS-Punkte prüft
ECTS ist das europäische System zur Anrechnung von Leistungspunkten. Es gibt den Umfang des Lernaufwands pro Modul oder Fach an. Bei der Bewerbung für einen Masterstudiengang helfen die ECTS dabei zu verstehen, in welchem Umfang der Bewerber bereits Mathematik, Programmierung, Wirtschaft, Linguistik oder andere fachspezifische Bereiche studiert hat.
Beispielsweise kann ein Studiengang eine bestimmte Anzahl von ECTS-Punkten in den Fächern Statistik, Wirtschaft, Forschungsmethoden oder Programmierung verlangen. Sind diese ECTS-Punkte im Abschlusszeugnis oder im Zeugnisanhang nicht ersichtlich, kann die Zulassungskommission zusätzliche Unterlagen anfordern oder die Zulassung ablehnen.
Was Sie vor der Bewerbung prüfen sollten:
- Rufen Sie die Seite des Masterstudiengangs auf und suchen Sie den Abschnitt „Admission Requirements“, „Zulassungsvoraussetzungen“ oder „Zugangsvoraussetzungen“.
- Notieren Sie sich die fachlichen Anforderungen: Fachrichtung des Abschlusses, Mindestanzahl an ECTS-Punkten, Pflichtmodule, Sprache, Notendurchschnitt, Motivationsschreiben.
- Vergleichen Sie die Anforderungen mit dem Diplomanhang, dem Transcript of Records oder dem akademischen Zeugnis.
- Falls sich die Bezeichnungen der Fächer unterscheiden, legen Sie das Modulhandbuch, den Lehrplan oder die Kursbeschreibungen auf Englisch bzw. Deutsch vor.
- Falls Credits fehlen, prüfen Sie, ob der Studiengang eine bedingte Zulassung mit Nachholmodulen zulässt. Dies ist nicht überall möglich.
Ein hoher Notendurchschnitt und eine starke Motivation sind zwar hilfreich, ersetzen aber in der Regel nicht die vorgeschriebenen Fachkredite, sofern diese in den Zulassungsbedingungen festgelegt sind.
Unterrichtssprache und Abschlüsse
In Deutschland gibt es Masterstudiengänge auf Deutsch, Englisch und seltener in zwei Sprachen. Die sprachlichen Anforderungen hängen vom jeweiligen Studiengang ab und nicht vom Herkunftsland des Bewerbers.
Für deutschsprachige Studiengänge werden häufig TestDaF, DSH, telc Deutsch C1 Hochschule oder andere anerkannte Zertifikate akzeptiert. Für englischsprachige Studiengänge werden in der Regel TOEFL, IELTS, Cambridge English oder ein gleichwertiges Zertifikat verlangt, doch die konkrete Liste und die Mindestpunktzahlen müssen auf der Seite des jeweiligen Studiengangs überprüft werden.
Wenn der Studiengang auf Englisch angeboten wird, sind für die Zulassung möglicherweise keine Deutschkenntnisse erforderlich. Für das tägliche Leben, Nebenjobs, Praktika und die spätere berufliche Tätigkeit in Deutschland sind Deutschkenntnisse jedoch nach wie vor ein großer Vorteil.
Unterlagen für die Bewerbung
Die genaue Liste der Unterlagen wird immer von der Hochschule vorgegeben. In der Regel werden für den Masterstudiengang folgende Unterlagen vorbereitet:
- Bachelor-Zeugnis oder Bescheinigung über den bevorstehenden Abschluss des Studiums;
- Leistungsnachweis mit Noten und ECTS-Punkten oder Stunden;
- Übersetzung des Abschlusszeugnisses und der Anlagen, sofern die Unterlagen nicht auf Deutsch oder Englisch vorliegen;
- eine Beschreibung der Module, falls der Studiengang die Inhalte des Studiums überprüft;
- Sprachzertifikat;
- Lebenslauf im europäischen oder universitären Format;
- Motivationsschreiben;
- Empfehlungsschreiben, sofern erforderlich;
- ein Portfolio für kreative Studiengänge;
- Passdaten und Online-Bewerbungsformular;
- eine Zahlungsbestätigung für die Bewerbungsgebühr, falls die Bewerbung über eine kostenpflichtige Plattform erfolgt.
Einige Hochschulen nehmen die Unterlagen direkt entgegen, andere nutzen uni-assist oder eigene Portale. Die Fristen, die Form der Beglaubigung von Kopien und die Anforderungen an Übersetzungen unterscheiden sich sogar innerhalb eines Bundeslandes.
Wie wählt man realistische Studiengänge aus?
Eine gute Strategie ist es, sich nicht nur an einer Hochschule zu bewerben und Studiengänge nicht nur nach ihrem Namen auszuwählen. Besser ist es, eine Liste mit drei Ebenen zusammenzustellen:
| Art des Studiengangs | Wie ist die Bewertung? |
|---|---|
| Hauptziel | Die Anforderungen stimmen fast vollständig mit Ihrem Abschluss überein, die Sprache ist geeignet und die Bewerbungsfristen sind klar |
| Realistische Option | Es gibt zwar geringfügige Abweichungen, aber der Studiengang lässt ähnliche Profile oder die Ergänzung durch Module zu |
| Alternative Option | Die Anforderungen sind weniger streng, die Konkurrenz geringer oder das Profil entspricht eher Ihrem Bachelor-Studium |
Speichern Sie für jeden Studiengang den Link zur offiziellen Seite, das PDF mit den Zulassungsbedingungen und die Kontaktdaten der Zulassungsstelle. Wenn die Anforderungen unklar sind, stellen Sie der Hochschule am besten eine kurze, konkrete Frage und fügen Sie Ihr Zeugnis sowie eine Beschreibung der strittigen Module bei.
Stipendien und DAAD
Der DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) ist eine der wichtigsten Informationsquellen zu Stipendien und zum Studium in Deutschland. Der DAAD verfügt über eine Datenbank mit Förderprogrammen, darunter auch Optionen für Masterstudiengänge, doch die Bedingungen hängen vom Land, dem Studienfach, der Bewerbungsfrist und dem jeweiligen Stipendium ab.
In der Regel werden bei Stipendienausschreibungen die akademischen Leistungen, die Motivation, die Qualität des Studienplans, die Sprachkenntnisse und die Übereinstimmung des Studiengangs mit dem Profil des Bewerbers berücksichtigt. Man darf jedoch nicht davon ausgehen, dass die Zulassung zur Universität automatisch ein Stipendium mit sich bringt: Dies ist ein separater Antrag und ein separates Auswahlverfahren.
Visum und Finanzierungsnachweis
Nach der Immatrikulation muss ein Studierender aus einem Nicht-EU-Land in der Regel ein nationales Studentenvisum und anschließend eine Aufenthaltserlaubnis zu Studienzwecken beantragen. Die Visumsangelegenheiten hängen von der Staatsangehörigkeit, dem Konsulat und der persönlichen Situation ab und sollten daher separat auf der Website der zuständigen deutschen Vertretung geprüft werden.
In der Regel sind folgende Faktoren wichtig:
- Zulassungsbescheid oder eine andere Bestätigung der Hochschule;
- Nachweis der Finanzierung, z. B. durch ein Sperrkonto, ein Stipendium oder eine andere anerkannte Finanzierungsquelle;
- Krankenversicherung;
- gültiger Reisepass;
- Antragsformular, Foto und Unterlagen gemäß der Liste des Konsulats.
Fehler in den Unterlagen, eine unvollständige Finanzierung oder ein unklares Studienziel können zu Verzögerungen oder einer Ablehnung führen. Wenn es sich um einen Sonderfall handelt, orientieren Sie sich an den offiziellen Anweisungen des Konsulats und der Ausländerbehörde und nicht an allgemeinen Artikeln.
Häufige Fehler von Studienbewerbern
Meistens entstehen Probleme dadurch, dass der Studienbewerber:
- wählt einen Masterstudiengang aufgrund eines ansprechenden Namens aus, ohne die fachlichen ECTS zu überprüfen;
- ist der Ansicht, dass jeder Bachelor-Abschluss den Zugang zu jedem Masterstudiengang ermöglicht;
- keine Modulbeschreibungen beifügt, obwohl die Bezeichnungen der Fächer im Zeugnis für die Zulassungskommission unverständlich sind;
- das Sprachzertifikat zu spät vorlegt;
- verwechselt die Bewerbungsfrist für die Universität mit der Frist für das Stipendium;
- ein und dasselbe Motivationsschreiben an verschiedene Studiengänge schickt;
- Die Gültigkeitsdauer des Visums wird erst nach Erhalt des Zulassungsbescheids überprüft.
FAQ
Ist es möglich, sich in Deutschland für einen Masterstudiengang in einem anderen Fachbereich einzuschreiben?
Manchmal ist es möglich, wenn der neue Studiengang ein breites Profil oder einen interdisziplinären Einstieg zulässt. Ein vollständiger Fachwechsel ist jedoch ohne die fehlenden ECTS-Punkte oft nicht möglich. Die Entscheidung trifft die jeweilige Hochschule.
Was tun, wenn das Zeugnis keine ECTS-Punkte enthält?
Es müssen das Zeugnis, der akademische Nachweis, die Stundenzahlen pro Fach und die Kursbeschreibungen beigefügt werden. Die Universität entscheidet selbst, wie sie den Arbeitsaufwand mit den ECTS-Punkten abgleichen.
Kann man die fehlenden ECTS-Punkte auch nach der Immatrikulation nachholen?
Einige Studiengänge lassen eine bedingte Zulassung mit zusätzlichen Modulen zu, doch dies ist keine allgemeingültige Regel. Wenn diese Möglichkeit in den Studienordnung nicht vorgesehen ist, darf man nicht damit rechnen.
Reicht Englisch aus?
Für englischsprachige Studiengänge reicht oft ein Englischzertifikat aus. Für deutschsprachige Studiengänge sind Deutschkenntnisse erforderlich. Für das Leben und Arbeiten in Deutschland sind Deutschkenntnisse selbst für diejenigen von Vorteil, die auf Englisch studieren.
Fazit
Die Zulassung zum Masterstudium in Deutschland beginnt nicht mit dem Hochschulranking, sondern mit der Überprüfung der Passgenauigkeit: Passt Ihr Bachelorstudium zu den Anforderungen des jeweiligen Masterstudiengangs, reichen die ECTS-Punkte in den erforderlichen Fächern aus und liegt ein Sprachzertifikat vor? Je früher Sie die Anforderungen des Studiengangs mit Ihrem Zeugnis abgleichen und die Modulbeschreibungen vorbereiten, desto geringer ist das Risiko, aufgrund formaler Unstimmigkeiten abgelehnt zu werden.