Was ist bei der Jobsuche in Deutschland wichtiger: Abschluss oder Berufserfahrung?
In Deutschland lässt sich nicht pauschal sagen, was für die Arbeitssuche wichtiger ist: Ausbildung oder Erfahrung. Das hängt ganz vom jeweiligen Beruf ab. In reglementierten Bereichen achten Arbeitgeber und Behörden vor allem auf die Anerkennung der Qualifikation und die Zulassung zum Beruf. In nicht reglementierten Berufen sind Erfahrung, Portfolio, Sprachkenntnisse und die Fähigkeit, Ergebnisse vorzuweisen, oft genauso wichtig wie ein Abschluss.
Wenn ein Abschluss mehr zählt als Erfahrung
Ein Abschluss und die offizielle Anerkennung der Qualifikation sind besonders wichtig, wenn der Beruf gesetzlich geregelt ist. In der Regel handelt es sich dabei um Bereiche, in denen ein Fehler des Fachmanns Auswirkungen auf die Gesundheit, die Sicherheit, die Bildung von Kindern oder die Rechte anderer Menschen haben kann.
Zu diesen Bereichen gehören häufig:
- medizinische Berufe;
- Erzieher und Pädagogen;
- bestimmte Ingenieur- und Architekturberufe;
- Berufe mit geschützter Berufsbezeichnung oder obligatorischer Berufszulassung;
- bestimmte handwerkliche und fachliche Tätigkeiten.
Handelt es sich um einen reglementierten Beruf, reicht eine umfangreiche Berufserfahrung aus einem anderen Land in der Regel nicht aus. Sie müssen prüfen, ob eine Anerkennung, d. h. die Anerkennung der ausländischen Qualifikation, erforderlich ist und welche Behörde in Ihrem Bundesland und für Ihren Beruf für die Zulassung zuständig ist.
Wann Erfahrung wichtiger sein kann als eine fachspezifische Ausbildung
In nicht reglementierten Berufen bewertet ein deutscher Arbeitgeber häufig nicht nur das formale Abschlusszeugnis, sondern auch die praktischen Fähigkeiten des Bewerbers. Dies macht sich besonders in den Bereichen IT, Design, Marketing, Vertrieb, Projektmanagement, Analytik und vielen Bürotätigkeiten bemerkbar.
In solchen Fällen helfen:
- ein Portfolio mit anschaulichen Arbeitsbeispielen;
- Beschreibung der Projekte und der konkreten Ergebnisse;
- einschlägige Berufserfahrung, auch wenn der Abschluss in einem anderen Bereich erworben wurde;
- ein Lebenslauf auf Deutsch oder Englisch in der in Deutschland üblichen Struktur;
- eine verständliche Begründung für den Berufswechsel;
- Empfehlungen, Zertifikate und nachgewiesene Fähigkeiten.
So kann beispielsweise einem Designer ohne einschlägiges deutsches Abschlusszeugnis ein überzeugendes Portfolio helfen, einem Marketingfachmann hingegen Fallbeispiele mit Zahlenangaben und einer Beschreibung seines Zuständigkeitsbereichs. Ist die Tätigkeit jedoch an eine Zulassungspflicht gebunden, kann ein Portfolio die formelle Zulassung nicht ersetzen.
Wie Sie herausfinden, was genau zu Ihnen passt
Bevor man sich auf Stellenanzeigen bewirbt, sollte man das Ziel in drei Fragen unterteilen.
- Ist der Beruf in Deutschland reglementiert? Wenn ja, prüfen Sie zunächst die Anerkennung und die Anforderungen für die Berufszulassung.
- Ist für diese Stelle ein fachspezifischer Abschluss erforderlich? In der Stellenbeschreibung wird oft angegeben, ob Erfahrung ausreicht oder eine bestimmte Ausbildung erforderlich ist.
- Lässt sich die Qualifikation auch anders nachweisen? Bei nicht reglementierten Positionen können dies Projekte, Zertifikate, Arbeitsproben, Praktika und Empfehlungen sein.
Es ist sinnvoll, mehrere Stellenanzeigen für dieselbe Position zu vergleichen. Wenn Arbeitgeber immer wieder die Anforderung eines bestimmten Abschlusses wiederholen, stellt dessen Fehlen ein ernsthaftes Hindernis dar. Wenn Formulierungen wie „praktische Erfahrung“, „Berufserfahrung“, „Portfolio“ oder „Kenntnisse in“ häufiger vorkommen, lohnt es sich, den Schwerpunkt auf Erfahrung und Fähigkeiten zu legen.
Wie man Berufserfahrung im Lebenslauf darstellt
Für einen deutschen Arbeitgeber ist es wichtig, schnell zu erkennen, welchen Nutzen Sie für Ihre früheren Arbeitgeber hatten. Beschränken Sie sich daher besser nicht auf eine Auflistung Ihrer Aufgaben.
Im Lebenslauf und im Anschreiben sollten Sie Folgendes hervorheben:
- die Position und den Tätigkeitsbereich des Unternehmens;
- Ihre Hauptaufgaben;
- Werkzeuge und Technologien;
- Arbeitsergebnisse: Steigerung der Kennzahlen, Zeitersparnis, Produkteinführung, Anzahl der Kunden oder Umfang des Projekts;
- Zusammenhang zwischen der Berufserfahrung und der konkreten Stellenausschreibung.
Wenn Sie den Beruf wechseln, sollten Sie Ihre bisherigen Erfahrungen nicht verbergen. Formulieren Sie diese im Kontext Ihrer neuen Rolle: Projektmanagement, Kundenkommunikation, Datenanalyse, Mitarbeiterschulung, Dokumentenverwaltung oder Budgetverantwortung können in einem anderen Bereich wertvolle Kompetenzen sein.
Was tun, wenn das Abschlusszeugnis nicht aus Deutschland stammt?
Prüfen Sie zunächst, ob eine Anerkennung erforderlich ist. In reglementierten Berufen ist es ohne diese oft nicht möglich, in dem jeweiligen Fachgebiet zu arbeiten. In nicht reglementierten Berufen ist die Anerkennung zwar nicht zwingend für die Zulassung zur Ausübung der Tätigkeit erforderlich, hilft dem Arbeitgeber aber manchmal dabei, das Ausbildungsniveau einzuschätzen.
Auch wenn keine Anerkennung erforderlich ist, lohnt es sich dennoch, eine verständliche Beschreibung des Abschlusszeugnisses vorzubereiten: Name der Hochschule, Studienfach, Studiendauer, akademischer Grad und Hauptfächer. Für manche Bewerber sind beglaubigte Übersetzungen, eine Bewertung des Abschlusszeugnisses oder eine Bestätigung der Gleichwertigkeit der Qualifikation hilfreich, doch ob dies notwendig ist, hängt vom Beruf und vom Arbeitgeber ab.
Kurzes Fazit
Für die Arbeitssuche in Deutschland sind sowohl die Ausbildung als auch die Berufserfahrung wichtig, doch ihr Gewicht hängt vom jeweiligen Beruf ab. In reglementierten Bereichen werden zunächst die Anerkennung des Abschlusses und die Berechtigung zur Ausübung des Berufs geprüft. In nicht reglementierten Bereichen können fundierte Berufserfahrung, ein Portfolio und gut aufbereitete Unterlagen eine nicht fachspezifische Ausbildung ausgleichen. Die praktischste Strategie besteht darin, die Anforderungen des Berufs zu prüfen, den Lebenslauf anschließend an konkrete Stellenangebote anzupassen und Nachweise für die eigene Qualifikation vorzulegen.