Studieren in Marburg: Universität, Stadt und Studentenleben

Studieren in Marburg: Universität, Stadt und Studentenleben

Marburg in Hessen ist eine der bekanntesten Universitätsstädte Deutschlands. Sie eignet sich für diejenigen, die nicht in einer Großstadt, sondern in einem überschaubaren akademischen Umfeld studieren möchten: Hier gibt es ein historisches Zentrum, eine renommierte Universität, viele Studierende und kurze Wege zwischen Studienort, Bibliotheken, Wohnheimen und dem Alltag.

Warum Marburg als Universitätsstadt bezeichnet wird

Marburg positioniert sich offiziell als Universitätsstadt. Die Stadt ist nach deutschen Maßstäben klein: Die Einwohnerzahl liegt bei etwa 75.000 bis 80.000, und an der Philipps-Universität Marburg sind je nach Semester etwa 20.000 bis 21.000 Studierende eingeschrieben. Daher ist die Universität hier kein eigenständiger Stadtteil, sondern Teil der städtischen Identität.

Das spürt man deutlich im Alltag: Im Zentrum gibt es viele Studentencafés, Buchhandlungen, Bibliotheken und Radwege, und der Rhythmus der Stadt ändert sich merklich zwischen den Semestern und den Ferien. Für Studienanfänger ist das ein Pluspunkt, wenn ihnen die akademische Atmosphäre und die einfache Integration in das studentische Umfeld wichtig sind.

Philipps-Universität Marburg: Was ist das für eine Universität?

Die Philipps-Universität Marburg wurde 1527 gegründet und zählt zu den ältesten Universitäten Deutschlands. In der Literatur wird sie oft als älteste noch bestehende Universität bezeichnet, die als protestantische Hochschule gegründet wurde. Heute ist sie eine staatliche Universität des Landes Hessen ohne konfessionelle Bindung.

Die Universität umfasst 16 Fachbereiche, also Fakultäten oder Abteilungen. Zu den Fachrichtungen gehören Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Mathematik und Informatik, Biologie, Chemie, Psychologie, Theologie, Philologie, Geschichte, Kulturwissenschaften und weitere Bereiche. Für angehende Studierende bedeutet dies eine große Auswahl an Studiengängen, schließt jedoch die übliche Überprüfung der Zulassungsvoraussetzungen für den jeweiligen Studiengang nicht aus.

Eine Besonderheit von Marburg ist die dezentrale Struktur. Lehrgebäude, Bibliotheken, Labore, die Klinik, Sportanlagen und Verwaltungsgebäude befinden sich in verschiedenen Teilen der Stadt. Es handelt sich nicht um einen einheitlichen, abgeschlossenen Campus, sondern um eine Universität, die in das Stadtgefüge eingebettet ist.

Akademische Geschichte und bekannte Namen

Die Geschichte der Universität ist eines der Argumente, die für Marburg sprechen, insbesondere für diejenigen, die sich für geisteswissenschaftliche, naturwissenschaftliche oder medizinische Studiengänge entscheiden.

Mit Marburg verbunden sind:

  • Michail Wassiljewitsch Lomonossow, der hier im 18. Jahrhundert studierte;
  • Dmitri Iwanowitsch Winogradow, einer der Begründer der russischen Porzellanherstellung;
  • Emil von Behring, erster Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin;
  • Otto Hahn, Nobelpreisträger für Chemie;
  • weitere Forscher, die in den Bereichen Medizin, Chemie, Physiologie und verwandten Fachgebieten tätig waren.

Solche Namen sollten zwar nicht das einzige Auswahlkriterium sein, zeigen aber, dass die Universität über eine lange Forschungstradition und eine internationale akademische Geschichte verfügt.

Studiengänge und Sprache der Studienprogramme

Die Hauptsprache der Bachelor-Studiengänge in Marburg ist Deutsch. Englischsprachige Studiengänge sind eher auf Master- und Promotionsniveau sowie in einzelnen internationalen Studiengängen zu finden. Daher ist es für zukünftige Studienbewerber wichtig, nicht einfach nur eine Stadt auszuwählen, sondern die Anforderungen des jeweiligen Studiengangs zu prüfen: Sprache, Fristen, Anerkennung der Schul- oder Hochschulbildung, Zulassungsvoraussetzungen und einen möglichen Numerus clausus.

Normalerweise ist das Studienjahr in Deutschland in ein Wintersemester und ein Sommersemester unterteilt. In Marburg beginnt das Wintersemester, wie an anderen deutschen Universitäten auch, im Herbst und das Sommersemester im Frühjahr, doch die Fristen für die Einreichung der Unterlagen und der Beginn der Vorlesungen können je nach Studiengang variieren. Der zuverlässigste Anhaltspunkt ist die Seite des gewählten Studiengangs auf der Website der Universität.

Infrastruktur für das Studium

Die Infrastruktur der Universität verteilt sich auf mehrere Stadtteile. In der Stadt gibt es eine zentrale Universitätsbibliothek, Fachbibliotheken, Laborgebäude, eine Universitätsklinik, das Sportangebot des Hochschulsports sowie Dienstleistungen zur Unterstützung der Studierenden.

Vorteile einer solchen Struktur:

  • Die Stadt lässt sich leicht zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Bus erkunden;
  • Das Lernumfeld ist nicht vom Alltag isoliert;
  • Die Bibliotheken und Gebäude befinden sich an verschiedenen Standorten, was für die verschiedenen Fakultäten praktisch ist;
  • Das Studentenleben vermischt sich ganz natürlich mit dem städtischen Leben.

Es gibt aber auch einen Nachteil: Wenn die Vorlesungen in verschiedenen Stadtteilen stattfinden, muss man sich im Voraus den Stundenplan ansehen und die Fahrzeiten einkalkulieren. Das ist besonders wichtig für Studiengänge, bei denen ein Teil der Vorlesungen auf den Lahnbergen und ein Teil näher am Zentrum stattfindet.

Wohnen: einfacher als in einer Großstadt, aber man muss sich frühzeitig auf die Suche machen

Marburg ist in der Regel günstiger als München, Frankfurt oder Hamburg, was jedoch nicht bedeutet, dass man eine Unterkunft von selbst findet. Für eine Studentenstadt ist die Nachfrage nach Zimmern und kleinen Wohnungen hoch, insbesondere vor Beginn des Wintersemesters.

Die wichtigsten Möglichkeiten:

  • Wohnheime des Studierendenwerks;
  • WG, also ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft;
  • ein privates Studio oder eine kleine Wohnung;
  • eine vorübergehende Unterkunft für die ersten Wochen, gefolgt von der Suche nach einer dauerhaften Wohnmöglichkeit.

Studienbewerber aus dem Ausland sollten am besten direkt nach Erhalt der Zulassung mit der Suche beginnen – oder sogar schon früher, wenn der Umzugsplan bereits realistisch ist. In den Schreiben an Vermieter ist es wichtig, sich kurz und verständlich auszudrücken und folgende Unterlagen beizufügen: Zulassung, Finanzierungsnachweis, Schufa-Auskunft (falls vorhanden), Passdaten und Kontaktdaten.

Verkehr und Mobilität im Alltag

Marburg eignet sich gut für ein Leben ohne Auto. Die Stadt verfügt über ein gut ausgebautes Busnetz, viele Radwege und Fußgängerverbindungen. Studierende nutzen häufig das Semesterabonnement, dessen Bedingungen von den jeweils geltenden Regelungen des AStA, der Universität und der Verkehrsverbünde abhängen.

Aufgrund der Geländebeschaffenheit ist die Stadt nicht überall gleichermaßen gut erreichbar: Die Altstadt ist schön, aber hügelig, und die Wege zwischen den Stadtteilen erfordern möglicherweise etwas Gewöhnung. Wenn Ihnen die Erreichbarkeit wichtig ist, sollten Sie sich im Voraus über die Lage der Fakultät, des Studentenwohnheims und der nächstgelegenen Haltestellen informieren.

Studentenleben und Freizeit

Marburg bietet zwar nicht das Tempo von Berlin oder Köln, dafür aber ein intensives studentisches Leben. Hier gibt es Theater, Museen, Konzerte, Hochschulgruppen, Sportvereine, Sprachtandems, AStA-Initiativen und lokale Festivals.

Die Stadt eignet sich besonders für diejenigen, die:

  • schneller andere Studierende kennenlernen;
  • in einer Kleinstadt mit historischem Zentrum zu leben;
  • das Studium mit Naturerlebnissen und Spaziergängen verbinden;
  • nicht viel Zeit mit dem Pendeln zu verlieren;
  • an einem Ort zu studieren, an dem die Universität überall präsent ist.

Wenn Sie hingegen einen großen Markt für Nebenjobs, internationale Unternehmen in der Nähe des Campus und ein vielfältiges Nachtleben suchen, sollten Sie Marburg mit Frankfurt, Köln, Berlin, München oder Hamburg vergleichen.

Für wen ist Marburg am besten geeignet?

Marburg ist eine Überlegung wert, wenn Sie eine deutsche Universität mit Tradition suchen, in einer überschaubaren Stadt leben möchten und bereit sind, überwiegend auf Deutsch zu studieren. Die Universität eignet sich besonders gut für diejenigen, denen Medizin, Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften wichtig sind, doch die endgültige Entscheidung sollte immer anhand des jeweiligen Studiengangs getroffen werden.

Bitte überprüfen Sie vor der Einreichung Folgendes:

  • Ob Ihr Studiengang auf dem gewünschten Niveau angeboten wird: Bachelor, Master, Staatsexamen oder Promotion;
  • in welcher Sprache der Unterricht stattfindet und welches Zertifikat erforderlich ist;
  • Wird Ihre bisherige Ausbildung für die Zulassung anerkannt?
  • Gibt es einen NC oder zusätzliche Auswahlkriterien?
  • Wann ist die Bewerbungsfrist für EU-Bürger und Nicht-EU-Bewerber?
  • Wie hoch sind die Kosten pro Semester, für Unterkunft, Versicherung und den Alltag?
  • ob zu Beginn des Semesters eine Unterkunft verfügbar ist.

Fazit

Marburg ist eine hervorragende Wahl für ein Studium in Deutschland, wenn Sie eine akademische Atmosphäre, eine kompakte Stadt und eine Universität suchen, um die sich tatsächlich ein Großteil des städtischen Lebens dreht. Der größte Vorteil ist die Kombination aus einer historischen Universität, einer hohen Konzentration an Studierenden und einer überschaubaren Größe. Die größte Einschränkung besteht darin, dass man sich im Voraus über die Anforderungen des jeweiligen Studiengangs, die Unterrichtssprache und die Wohnsituation informieren muss, denn selbst in einer kleinen Stadt erfordern die Immatrikulation und der Umzug eine gewisse Vorbereitung.