Studieren in Deutschland ohne Deutschkenntnisse: englischsprachige Studiengänge, Studienkolleg und Sprachkurse

Studieren in Deutschland ohne Deutschkenntnisse: englischsprachige Studiengänge, Studienkolleg und Sprachkurse

Ein Studium in Deutschland ohne fließende Deutschkenntnisse ist möglich, aber der Weg dorthin hängt vom Ziel ab: Bachelor, Master, Studienkolleg, Sprachvorbereitung oder Ausbildung. Deutsch ist zu Beginn nicht immer erforderlich, wenn der Studiengang vollständig englischsprachig ist oder wenn ihr zunächst einen Sprachkurs besucht. Doch für den Alltag, Praktika, Nebenjobs, Behördengänge und bestimmte Studienverläufe wird Deutsch trotzdem schnell wichtig.

Kann man sich ohne Deutschkenntnisse einschreiben?

Ja, sofern das gewählte Studienprogramm oder der Vorbereitungsweg dies zulassen. In Deutschland werden die meisten Studiengänge auf Deutsch unterrichtet, daher ist für diese in der Regel ein nachgewiesener Sprachkenntnisstand erforderlich. Nach Angaben des DAAD verlangen viele deutschsprachige Studiengänge mindestens das Niveau B2, wobei das konkrete Zertifikat und das Niveau von der jeweiligen Hochschule oder dem einzelnen Studiengang festgelegt werden.

Es gibt jedoch Ausnahmen:

  • internationale Studiengänge und ein Teil der englischsprachigen Studiengänge;
  • Viele Masterstudiengänge werden auf Englisch angeboten;
  • einzelne Bachelor-Studiengänge auf Englisch;
  • Sprachvorbereitungskurse vor der Immatrikulation;
  • einige private oder internationale Studienkolleg-Programme.

Die wichtigste Regel: Prüfen Sie nicht nur die Unterrichtssprache, sondern auch die Zulassungsvoraussetzungen des jeweiligen Studiengangs. Selbst ein englischsprachiger Studiengang kann Deutschkenntnisse der Stufen A1, A2 oder B1 für die Zulassung, zum Studienende oder für einzelne praktische Module verlangen.

Die wichtigsten Wege

1. Englischsprachiges Studienprogramm an der Hochschule

Dies ist die direkteste Option für diejenigen, die bereits über nachgewiesene Englischkenntnisse verfügen. Im Masterstudium ist die Auswahl an englischsprachigen Studiengängen größer als im Bachelorstudium. Auch im Bachelorstudium gibt es solche Studiengänge, insbesondere in den Bereichen IT, Ingenieurwesen, Wirtschaft, Business, Data Science, Naturwissenschaften und bestimmten geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen.

Bei der Zulassung werden in der Regel folgende Kenntnisse geprüft:

  • Anerkennung des Schulabschlusses oder der bisherigen Ausbildung;
  • Englisch: IELTS, TOEFL, Cambridge, Schul- oder Hochschulzeugnis, sofern die Hochschule dieses akzeptiert;
  • Motivationsschreiben, Lebenslauf, Portfolio oder Zulassungstest, sofern dies im Studiengang angegeben ist;
  • Bewerbungsfrist über die Website der Hochschule, uni-assist oder das interne Portal;
  • Zusätzliche Anforderungen für Studienbewerber aus Nicht-EU-Ländern.

Deutsch ist in diesem Szenario vielleicht keine Zugangsvoraussetzung, aber es lohnt sich, die Sprache parallel dazu zu lernen. Ohne Deutsch ist es schwieriger, eine Wohnung zu finden, mit dem Bürgeramt zu kommunizieren, Verträge zu verstehen, Praktika zu absolvieren und nach dem Abschluss eine Karriere aufzubauen.

2. Das Studienkolleg vor dem Bachelorstudium

Das Studienkolleg ist erforderlich, wenn das Schulzeugnis keine direkte Hochschulzugangsberechtigung verleiht, d. h. das Recht, sich sofort an einer deutschen Hochschule einzuschreiben. Am Ende des Studienkollegs wird die Feststellungsprüfung abgelegt. Nach erfolgreichem Abschluss ist in der Regel die Einschreibung an einer Hochschule möglich, wobei die Bindung an einen Hochschultyp, ein Bundesland oder Partnerhochschulen vom jeweiligen Studienkolleg abhängt.

Die meisten Studienkollegs arbeiten auf Deutsch, da sie auf ein deutschsprachiges Studium vorbereiten. Es gibt jedoch auch private und internationale Angebote mit englischsprachigen Studiengängen. Deren Bedingungen sollten besonders sorgfältig geprüft werden: Kosten, Anerkennung der Feststellungsprüfung, Liste der Partnerhochschulen, Prüfungssprache und weitere Zulassungsmöglichkeiten.

Für wen eignet sich dieser Weg:

  • Schulabgänger, denen die direkte Zulassung zum Bachelorstudium fehlt;
  • Studienbewerber, die vor dem Studium eine akademische Vorbereitung benötigen;
  • für diejenigen, die bereit sind, Zeit in die Sprache und in fachspezifische Fächer zu investieren;
  • für diejenigen, die sich später für einen deutschsprachigen Studiengang bewerben möchten.

3. Sprachkurse vor der Immatrikulation

Wenn Ihre Englisch- oder Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen, können Sie zunächst an der Hochschule oder in einer privaten Sprachschule Sprachunterricht nehmen. Dieser Weg bedeutet jedoch nicht automatisch eine Zulassung: Der Kurs hilft bei der Vorbereitung, aber die Hochschule prüft dennoch separat Ihre Ausbildung, Ihre Sprachkenntnisse, die Fristen und das Auswahlverfahren.

Die Kurspreise variieren stark je nach Stadt, Intensität, Format und Status der Schule. Universitätskurse sind oft günstiger als private Kurse, aber es gibt möglicherweise weniger Plätze, und die Zulassungsbedingungen sowie die visumrechtlichen Auswirkungen hängen vom jeweiligen Programm ab. Prüfen Sie vor der Bezahlung des Kurses, ob er für Ihr Ziel geeignet ist: Immatrikulation, Vorbereitung auf DSH/TestDaF/Goethe-Zertifikat, Sprachvisum oder anschließendes Studentenvisum.

4. Ausbildung und andere praktische Programme

Eine Ausbildung erfordert fast immer Deutschkenntnisse, da die Ausbildung in der Berufsschule und am Arbeitsplatz stattfindet. Manchmal ist der Arbeitgeber bereit, Bewerber mit B1-Niveau in Betracht zu ziehen, aber für das Studium, den Umgang mit Kunden, die Arbeitssicherheit und den Umgang mit Unterlagen ist meist ein sicheres B2-Niveau erforderlich. Englisch kann in internationalen Unternehmen hilfreich sein, ersetzt Deutsch jedoch selten vollständig.

Beispiele für englischsprachige Bachelorstudiengänge

Im Folgenden findest du Beispiele für Studiengänge, die du als Ausgangspunkt betrachten solltest, jedoch nicht als Garantie für eine Zulassung. Die Bedingungen, Fristen, das Auswahlverfahren und die sprachlichen Anforderungen ändern sich, daher solltest du die endgültigen Angaben auf der Seite des jeweiligen Studiengangs überprüfen.

  1. „Economics B.Sc.“ an der Leuphana Universität Lüneburg. Auf der Programmseite wird angegeben, dass der Unterricht auf Englisch stattfindet und Deutsch für diesen Studiengang nicht erforderlich ist. Format: 6 Semester, 180 ECTS, Beginn im Winter.
  2. „Artificial Intelligence B.Sc.“ am Deggendorf Institute of Technology. Der Studiengang wird auf Englisch unterrichtet, dauert 7 Semester und beinhaltet einen Aufnahmetest. Für die englischsprachigen Bachelor-Studiengänge gibt das DIT gesonderte Angaben zu den sprachlichen Anforderungen, daher sollten diese vor der Bewerbung überprüft werden.
  3. „International Business“ an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen. Das Programm ist auf internationale Wirtschaft ausgerichtet und bietet die Möglichkeit eines „Fast Track“: einen kombinierten Studiengang zum Bachelor plus Master/MBA in 8 Semestern über eine Partnerhochschule.

So wählst du eine sichere Route

Nutze diese kurze Checkliste, bevor du deine Unterlagen einreichst:

  • Suchen Sie nach einem Programm in der offiziellen DAAD-Datenbank oder auf der Website der Hochschule;
  • Prüft die Unterrichtssprache und die erforderlichen Sprachzertifikate;
  • Prüfen Sie gesondert, ob Deutsch bei der Immatrikulation oder gegen Ende des Studiums erforderlich ist;
  • Prüfen Sie, ob Ihre bisherige Ausbildung für eine direkte Zulassung anerkannt wird;
  • Klären Sie bitte, ob ein Studienkolleg erforderlich ist;
  • Prüfen Sie die Bewerbungsfrist, das Bewerbungsverfahren und die Liste der erforderlichen Unterlagen;
  • Schätzen Sie Ihr Budget ein: Semesterbeitrag, mögliche Studiengebühren, Sprachkurse, Unterkunft, Versicherung;
  • Verlasse dich nicht auf alte Listen englischsprachiger Studiengänge aus Blogs.

Häufige Fehler

  • Zu glauben, dass Englisch automatisch den Zugang zu jedem Bachelor-Studiengang in Deutschland ermöglicht.
  • Nur den Namen des Studiengangs anschauen und die Zulassungsvoraussetzungen nicht lesen.
  • Man darf das Fehlen von Deutsch bei der Immatrikulation nicht mit dem Fehlen von Deutsch im Alltag verwechseln.
  • Ein privates Studienkolleg zu bezahlen, ohne dass die Anerkennung und die weiteren Zulassungsrechte geprüft werden.
  • Mit Sprachkursen zu beginnen, ohne zu wissen, welche Prüfung man benötigt: TestDaF, DSH, Goethe-Zertifikat, telc oder ein anderes Zertifikat.
  • Orientiere dich an den Preisen und Fristen der vergangenen Jahre.

Fazit

Ohne Deutsch kann man ein Studium in Deutschland beginnen, wenn man sich für einen englischsprachigen Studiengang, einen Vorbereitungskurs oder ein geeignetes Studienkolleg entscheidet. Aber Deutsch bleibt fast immer ein strategischer Vorteil: Es wirkt sich auf die Wohnungssuche, Nebenjobs, Praktika, die Eingewöhnung und die Arbeit nach dem Abschluss aus. Am besten ist es, sich bei der Studienwahl an den offiziellen Anforderungen zu orientieren und parallel dazu Deutsch zu lernen, auch wenn es für die erste Zulassung nicht erforderlich ist.