So finden Sie einen Job in Deutschland: Suchplan, Unterlagen und Jobbörsen
Die Jobsuche in Deutschland beginnt nicht mit dem massenhaften Versenden von Lebensläufen, sondern mit der Überprüfung der Arbeitserlaubnis, der Anerkennung Ihrer Qualifikation und der Vorbereitung der deutschen Bewerbungsunterlagen. Wenn Sie im Voraus klären, ob Sie eine Anerkennung benötigen, welche Stellenangebote tatsächlich zu Ihnen passen und welche Unterlagen die Arbeitgeber erwarten, wird die Suche kürzer und überschaubarer.
1. Prüfen Sie, ob Sie in Ihrem Beruf arbeiten dürfen
Stellen Sie zunächst fest, ob Ihr Beruf zu den reglementierten Berufen gehört. In Bereichen wie Medizin, Pharmazie, dem Unterricht an staatlichen Schulen sowie bei einigen Ingenieur- und Handwerksberufen ist es ohne eine offizielle Anerkennung Ihrer Qualifikation nicht möglich, Ihren Beruf uneingeschränkt auszuüben oder die geschützte Berufsbezeichnung zu führen.
Bei nicht reglementierten Berufen ist die Situation einfacher: Der Arbeitgeber bewertet meist selbst die Erfahrung, das Abschlusszeugnis und die Fähigkeiten. Wenn Sie jedoch Staatsangehöriger eines Drittstaates sind und ein Arbeitsvisum beantragen, können ein Abschlusszeugnis oder eine berufliche Qualifikation dennoch als Grundlage für die Visumserteilung erforderlich sein.
Was Sie prüfen sollten:
- Berufsbezeichnung auf Deutsch;
- Ist der Beruf reglementiert?
- Welche Anerkennungsstelle für Ihren Beruf und Ihr Bundesland zuständig ist;
- reicht ein Eintrag im Anabin aus oder ist eine Zeugnisbewertung erforderlich;
- welche Anforderungen der Beruf oder der Arbeitgeber an die Deutschkenntnisse stellt.
2. Klären Sie die Frage nach Ihrem Abschluss und der Anerkennung
Bei akademischen Abschlüssen beginnen Sie mit Anabin. Dort werden zwei Dinge geprüft: der Status der Hochschule und die Vergleichbarkeit des jeweiligen Abschlusses. Für bestimmte Visa und Arbeitgeber reicht ein positiver Eintrag in der Datenbank aus. Fehlen Informationen, kann eine Zeugnisbewertung durch das ZAB erforderlich sein.
Bei einer beruflichen Ausbildung ist der Weg ein anderer. Oft muss man sich über das Portal „Anerkennung in Deutschland“ wenden, wo anhand des Berufs und des Arbeitsortes die zuständige Behörde ermittelt wird. Je nach Ergebnis kann eine vollständige Anerkennung, eine teilweise Anerkennung, eine Anpassungsqualifizierung oder eine Prüfung angeordnet werden.
Schicken Sie dem Arbeitgeber nicht einfach nur einen Scan Ihres Abschlusszeugnisses ohne weiteren Kontext. Bereiten Sie lieber eine kurze Erläuterung vor: Wie lautet die Bezeichnung Ihres Abschlusses, womit entspricht er in etwa in Deutschland, liegt eine Bestätigung von Anabin/ZAB/Anerkennungsstelle vor und in welcher Phase befindet sich das Verfahren?
3. Informieren Sie sich über den Stellenmarkt
Prüfen Sie vor der Bewerbung die Nachfrage nach Ihrem Fachgebiet. Öffnen Sie mehrere Jobbörsen und achten Sie nicht nur auf die Stellenbezeichnung, sondern auch auf sich wiederholende Anforderungen.
Beachten Sie Folgendes:
- die deutsche und englische Bezeichnung der Stelle;
- erforderliche Technologien, Lizenzen, Zertifikate und Sprachen;
- erforderliche Deutsch- oder Englischkenntnisse;
- Arbeitsform: im Büro, Hybrid, im Homeoffice;
- Bundesländer und Städte, in denen es mehr Stellenangebote gibt;
- Gehaltsspanne, sofern angegeben;
- Bereitschaft des Arbeitgebers zum Relocation oder zur Visa-Förderung.
Wenn es in Ihrem bisherigen Berufsfeld nur wenige Stellenangebote gibt, erweitern Sie Ihre Suche auf verwandte Bereiche. So kann beispielsweise Erfahrung als Buchhalter zu Tätigkeiten in den Bereichen Buchhaltung, Controlling, Lohnbuchhaltung oder Office Management führen, während Erfahrung als Ingenieur zu Tätigkeiten in den Bereichen Qualitätssicherung, Projektmanagement oder technischer Vertrieb führen kann.
4. Stellen Sie die deutschen Bewerbungsunterlagen zusammen
In Deutschland wird die Standardbewerbung üblicherweise als „Bewerbung“ bezeichnet. Ihr Umfang hängt vom Beruf und der Position ab, meist werden jedoch folgende Unterlagen benötigt:
- Lebenslauf – in umgekehrter chronologischer Reihenfolge, in der Regel 1–2 Seiten;
- Anschreiben – ein Begleitschreiben, falls der Arbeitgeber dies verlangt oder falls Sie einen Berufswechsel, einen Umzug oder ein Visum erklären müssen;
- Zeugnisse – Diplome, Zertifikate, Arbeitszeugnisse, Empfehlungen;
- Portfolio oder GitHub – für kreative, IT- und Produkt-Positionen;
- Übersetzungen von Dokumenten – wenn eine offizielle Einreichung erforderlich ist oder der Arbeitgeber deutsche Fassungen verlangt.
Der Lebenslauf sollte an den deutschen Arbeitsmarkt angepasst sein: konkrete Aufgaben, Ergebnisse, Technologien, Sprachen, Arbeitserlaubnis und Wohnort. Überfrachten Sie ihn nicht mit allgemeinen Formulierungen wie „verantwortungsbewusst und kontaktfreudig“ – zeigen Sie lieber Fakten und Erfolge auf.
5. Entwickeln Sie eine Strategie für Ihre Bewerbungsantworten
Eine erfolgreiche Jobsuche ist ein System und kein wahlloses Versenden von Bewerbungen. Erstellen Sie eine Tabelle oder ein Kanban mit den folgenden Status: gefunden, Bewerbung abgeschickt, Antwort, Vorstellungsgespräch, Test, Angebot, Absage.
Halten Sie für jede Stellenausschreibung Folgendes fest:
- den Link und den Namen des Unternehmens;
- Datum der Antwort;
- die Version des Lebenslaufs;
- Kontaktdaten des Personalvermittlers;
- Anforderungen hinsichtlich Sprache und Visum; – der nächste Schritt und die Frist.
Wenn Sie nur wenige Antworten erhalten, sollten Sie nicht nur die Anzahl der Bewerbungen erhöhen, sondern auch deren Qualität verbessern. Prüfen Sie, ob die Schlüsselwörter in Ihrem Lebenslauf mit der Stellenausschreibung übereinstimmen, ob Ihr Aufenthaltsstatus in Deutschland klar erkennbar ist, ob Ihr Anschreiben nicht zu lang ist und ob die Stellenbezeichnung korrekt angegeben ist.
6. Nutzen Sie mehrere Suchkanäle
Beschränken Sie sich nicht auf eine einzige Website. In Deutschland sind Stellenangebote oft auf große Jobbörsen, LinkedIn, die Karriereseiten von Unternehmen, Personalvermittlungsagenturen und Fachnetzwerke verteilt.
Nützliche Plattformen:
- LinkedIn – internationale Unternehmen, IT, Produktentwicklung, Vertrieb, Personalvermittler;
- StepStone – eine umfangreiche deutsche Stellenbörse für Fachkräfte;
- Indeed Germany – eine umfangreiche Jobbörse;
- XING – deutschsprachiges Business-Netzwerk;
- Make it in Germany Jobbörse – Stellenangebote und offizielle Informationen für ausländische Fachkräfte;
- Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit – staatliche Stellenbörse.
Für bestimmte Berufe eignen sich branchenspezifische Plattformen besser: Medizinportale, Websites von Universitäten, Ingenieursverbände, Start-up-Jobbörsen oder lokale Websites bestimmter Städte.
7. Bereiten Sie sich auf das Vorstellungsgespräch vor
Beim Vorstellungsgespräch interessiert den Arbeitgeber nicht nur Ihre Berufserfahrung, sondern auch, wie schnell Sie sich in das deutsche Arbeitsumfeld einfinden können.
Bereiten Sie Antworten auf folgende Fragen vor:
- warum Sie gerade in Deutschland nach Arbeit suchen;
- welchen Aufenthaltsstatus Sie haben und ob Sie ein Visum benötigen;
- wann Sie anfangen können;
- warum Ihr ausländischer Abschluss für diese Stelle geeignet ist;
- welche Aufgaben Sie in Ihrer letzten Stelle wahrgenommen haben;
- welches Niveau an Deutsch und Englisch Sie tatsächlich beherrschen;
- welches Gehalt Sie erwarten.
Wenn es sich um einen reglementierten Beruf handelt oder ein Visum erforderlich ist, versprechen Sie nicht mehr, als durch Unterlagen bestätigt ist. Es ist besser, ehrlich zu sagen, in welcher Phase des Verfahrens Sie sich befinden, und zu zeigen, dass Sie die nächsten Schritte verstehen.
Häufige Fehler
- Beginnen Sie erst dann mit Bewerbungen, wenn Sie die Anerkennung und die Visabestimmungen überprüft haben;
- denselben Lebenslauf auf alle Stellenangebote zu schicken;
- Übersetzen Sie die Berufsbezeichnung wörtlich, anstatt nach einer deutschen Entsprechung zu suchen;
- zu verschweigen, dass Sie ein Arbeitsvisum oder eine Anerkennung Ihres Abschlusses benötigen;
- ein zu langes Anschreiben zu verfassen;
- sich nur auf Stellenangebote in russischer Sprache zu bewerben;
- Ignorieren Sie die deutsche Sprache nicht, wenn sie in der Branche zwingend erforderlich ist.
Kurze Checkliste
- Ermitteln Sie die deutsche Berufsbezeichnung.
- Prüfen Sie, ob der Beruf reglementiert ist.
- Lassen Sie Ihr Abschlusszeugnis über Anabin, ZAB oder eine Anerkennungsstelle prüfen.
- Stellen Sie Ihren Lebenslauf, Ihr Anschreiben und Ihre Zeugnisse zusammen.
- Erstellen Sie eine Liste mit Websites und Unternehmen.
- Führen Sie Buch über die Rückmeldungen.
- Bereiten Sie sich auf das Vorstellungsgespräch für jede Stelle individuell vor.
- Prüfen Sie die visumrechtlichen Auswirkungen, bevor Sie ein Stellenangebot unterschreiben.
FAQ
Kann man auch ohne Deutschkenntnisse einen Job finden?
Ja, vor allem in der IT, in der Forschung, bei einigen internationalen Unternehmen und in Start-ups. Aber die Beherrschung der deutschen Sprache erweitert die Auswahl an Stellenangeboten erheblich, insbesondere in den Bereichen Medizin, Bildung, Büroberufe, Vertrieb, Logistik und Kundenbetreuung.
Muss das Diplom bei allen anerkannt werden?
Nein. Bei nicht reglementierten Berufen ist eine formelle Anerkennung für die Ausübung der Tätigkeit oft nicht erforderlich. Für ein Visum, die EU-Blue Card, die Chancenkarte oder das Vertrauen des Arbeitgebers kann jedoch ein positiver Eintrag im Anabin, eine Zeugnisbewertung oder ein anderer Qualifikationsnachweis erforderlich sein.
Wo finden Ausländer Stellenangebote?
Beginnen Sie mit LinkedIn, StepStone, Indeed, XING, der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit und Make it in Germany. Fügen Sie anschließend die Karriereseiten von Unternehmen und branchenspezifische Plattformen Ihrer Branche hinzu.
Was ist wichtiger: Lebenslauf oder Anschreiben?
Der Lebenslauf ist fast immer wichtiger: Anhand dessen wird schnell entschieden, ob ein Bewerber in die nächste Runde kommt. Das Anschreiben hilft, wenn es darum geht, einen Umzug, einen Berufswechsel, den Visastatus oder die Motivation für ein bestimmtes Unternehmen zu erklären.