So bewirbst du dich für eine Ausbildung in Deutschland und erhöhst deine Chancen auf eine Zusage
Eine Ausbildung in Deutschland ist kein Studium an einer Universität, sondern eine berufliche Ausbildung beim Arbeitgeber und an der Berufsschule. Daher wird die Bewerbung als Reaktion eines zukünftigen Mitarbeiters bewertet: Unternehmen achten auf Motivation, praktische Fähigkeiten, Deutschkenntnisse, die Ordentlichkeit der Unterlagen und darauf, ob der Bewerber den gewählten Beruf versteht.
Warum gute Bewerber eine Absage erhalten
Eine Absage bedeutet nicht immer, dass der Bewerber schlecht ist. Oft liegt das Problem in der Strategie bei der Bewerbung: Die Unterlagen wurden zu spät eingereicht, der Lebenslauf sieht aus wie ein akademischer Fragebogen, das Anschreiben ist zu allgemein gehalten oder der Bewerber wählt nur die beliebtesten Berufe und Städte aus.
Die häufigsten Gründe für eine Ablehnung:
- Die Bewerbung ist nicht auf die konkrete Stellenausschreibung und das Unternehmen zugeschnitten;
- Der Lebenslauf enthält keinerlei praktische Erfahrungen, auch keine geringfügigen: Nebenjobs, Praktika, ehrenamtliche Tätigkeiten;
- Das Motivationsschreiben erläutert zwar den Wunsch zu lernen, zeigt jedoch kein Interesse an der Ausübung des Berufs;
- Die Deutschkenntnisse sind für die Kommunikation mit Kollegen, Kunden oder Patienten unzureichend;
- die Unterlagen wurden erst eingereicht, nachdem das Unternehmen bereits ausreichend aussagekräftige Bewerbungen erhalten hatte;
- Der Bewerber ist nicht bereit für den Eignungstest, das Vorstellungsgespräch oder den Schnuppertag.
Unbestätigte Zahlen wie „70 % Ablehnungen“ oder „200 Bewerber pro Stelle“ sollten eher als werbliche Übertreibung und nicht als Marktregel verstanden werden. Der Wettbewerb kann in beliebten Bereichen zwar tatsächlich hoch sein, hängt jedoch vom Beruf, der Region, dem Unternehmen und dem Einstellungsjahr ab.
Wo findet man Ausbildungsplätze?
Man sollte mit offiziellen und großen Plattformen beginnen und die Suche anschließend durch Unternehmenswebsites und regionale Jobbörsen ergänzen.
Nützliche Quellen:
- Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit – offizielle Suche nach dualen Ausbildungsplätzen und Beratung durch die Berufsberatung;
- IHK Lehrstellenbörse – Stellenangebote von Unternehmen, die mit den Industrie- und Handelskammern verbunden sind;
- ausbildung.de – eine große kommerzielle Plattform mit Berufsbeschreibungen und Stellenangeboten;
- azubi.de – ein spezialisiertes Portal für die Suche nach Ausbildungsplätzen;
- die Websites der Arbeitgeber selbst, insbesondere wenn Sie die Branche oder Region bereits kennen.
Es empfiehlt sich, die Links regelmäßig zu überprüfen: Einige Unternehmen veröffentlichen Stellenangebote bereits viele Monate vor Beginn der Ausbildung, andere schließen die Bewerbungsfrist, sobald sie genügend geeignete Bewerber gefunden haben.
Wann sollten die Unterlagen eingereicht werden?
Viele Programme beginnen im August oder September, doch die Bewerbungsphase startet oft schon früher – manchmal etwa ein Jahr vor Beginn. Für große Unternehmen, Banken, die IT-Branche, die Industrie und medizinische Einrichtungen ist eine frühzeitige Bewerbung besonders wichtig.
Praktischer Zeitplan:
- 12–10 Monate vor Beginn: Berufe und Regionen auswählen und die sprachlichen Anforderungen prüfen.
- 10–8 Monate im Voraus: Lebenslauf, Motivationsschreiben und Übersetzungen der Unterlagen vorbereiten.
- 8–6 Monate vor Beginn: Sich aktiv bewerben und die Antworten nachverfolgen.
- 6–3 Monate vor dem Termin: den geografischen Suchradius erweitern, weniger naheliegende Unternehmen hinzufügen, sich auf Tests und Vorstellungsgespräche vorbereiten.
- Nach Ablehnungen: Nicht dieselbe Standardvorlage erneut einsenden, sondern analysieren, wo die Bewerbung Schwächen aufweist.
Bewerber aus dem Ausland müssen zusätzlich die Visumsfristen und die Anforderungen an die Anerkennung von Unterlagen berücksichtigen, sofern diese für den gewählten Beruf gelten.
Lebenslauf für die Ausbildung
Der Lebenslauf sollte zeigen, dass Sie für die praktische Arbeit geeignet sind und nicht nur einen Ausbildungsplatz suchen. Ein deutscher Arbeitgeber sucht einen zukünftigen Auszubildenden, der Teil des Teams sein wird.
Was sollte enthalten sein:
- ein kurzes Profil in 2–3 Sätzen: Beruf, Motivation, Stärken;
- Schul- und Berufsausbildung ohne überflüssige Details;
- Praktische Erfahrung: Praktika, Minijobs, ehrenamtliche Tätigkeiten, Projekte, Familienunternehmen;
- berufsbezogene Fähigkeiten: Technik, Kommunikation, Umgang mit Kunden, Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein;
- Sprachkenntnisse mit Angabe des Niveaus und Nachweis, falls ein Zertifikat vorliegt;
- Hobbys sind nur dann relevant, wenn sie dazu beitragen, die Persönlichkeit oder Soft Skills zu verdeutlichen.
Noten sind wichtig, ersetzen jedoch nicht die Motivation und einschlägige Erfahrungen. Bei geringer Erfahrung kann man Projekte, Praktika, die Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften, die Mithilfe bei der Organisation von Veranstaltungen oder die eigenständige Auseinandersetzung mit dem Beruf vorweisen.
Motivationsschreiben
Ein gutes Anschreiben beantwortet drei Fragen: Warum dieser Beruf, warum dieses Unternehmen und warum Sie geeignet sind. Allgemeine Formulierungen wie „Ich möchte mich weiterentwickeln“ helfen fast gar nicht.
Aufbau des Anschreibens:
- Persönliche Anrede, sofern der Name des Ansprechpartners in der Stellenanzeige angegeben ist.
- Eine kurze Erklärung, warum der Beruf gewählt wurde.
- Bezug zum Unternehmen: Was wissen Sie über den Arbeitgeber und warum möchten Sie gerade dort arbeiten?
- Beispiele für Fähigkeiten oder Erfahrungen, die in der Ausbildung nützlich sind.
- Ein ruhiger Abschluss mit der Bereitschaft zum Vorstellungsgespräch, zum Schnuppertag oder zum Test.
Das Anschreiben sollte konkret sein. Im medizinischen Bereich sollten Sie Ihre Bereitschaft zeigen, Verantwortung zu übernehmen und mit Menschen zu arbeiten; im IT-Bereich Ihr Interesse an der Lösung von Aufgaben und Projekten; in der Industrie Ihre Sorgfalt, technisches Verständnis und Disziplin.
Eignungstest und weitere Auswahlphasen
Viele Arbeitgeber nutzen einen Einstellungstest oder Eignungstest als eines der Auswahlkriterien. Das Format hängt vom Beruf und vom Unternehmen ab, häufig werden jedoch Grundkenntnisse in Mathematik, Deutsch, Logik, Textverständnis, der Umgang mit Grafiken sowie berufliche Situationen geprüft.
So bereiten Sie sich vor:
- Probaufgaben absolvieren und Schwachstellen erkennen;
- Prozentrechnung, Verhältnisse, Maßeinheiten und das Lesen von Diagrammen wiederholen;
- die deutsche Grammatik, Rechtschreibung und das Verständnis von Geschäftstexten zu trainieren;
- die Aufgaben innerhalb der vorgegebenen Zeit zu lösen, da die Tests oft zeitlich begrenzt sind;
- Bereiten Sie Beispiele für das Vorstellungsgespräch vor: Warum dieser Beruf, warum dieses Unternehmen, was Sie bereits ausprobiert haben.
Kommerzielle Simulatoren wie „Ausbildungspark“ oder „Plakos“ können hilfreich sein, sind jedoch keine zwingende Voraussetzung für den Erfolg. Vor der Bezahlung sollten Sie prüfen, ob die Plattform zu Ihrem Beruf passt und ob es kostenlose Testmaterialien gibt.
Minijob, Praktikum und Schnuppertag
Wenn Sie bereits in Deutschland sind, können ein kurzes Praktikum, ein Nebenjob oder ein Mini-Job in einem verwandten Bereich Ihre Bewerbung stärken. Der Arbeitgeber sieht daran, dass der Bewerber das Arbeitsumfeld versteht, pünktlich erscheinen kann, mit dem Team kommunizieren und einfache Aufgaben erledigen kann.
Solche Erfahrungen sind besonders nützlich, wenn:
- durchschnittliche Schulnoten;
- Ihre Deutschkenntnisse sind noch nicht perfekt, aber Sie können Fortschritte nachweisen;
- Der Beruf erfordert den Kontakt mit Menschen;
- Sie wechseln den Berufsweg und möchten zeigen, dass es Ihnen ernst ist mit Ihrer Entscheidung.
Es ist wichtig, dem Arbeitgeber nichts Unmögliches zu versprechen: Wenn der Zeitplan, ein Visum oder das Studium die Arbeitszeiten einschränken, sollte dies im Voraus geklärt werden.
Alternative Einstiegsmöglichkeiten
Falls es nicht auf Anhieb geklappt hat, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, gibt es Möglichkeiten, die dir helfen, der Ausbildung einen Schritt näher zu kommen.
Einstiegsqualifizierung (EQ)
Die Einstiegsqualifizierung ist ein längerer Praxiseinsatz vor der Ausbildung. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit dauert die EQ in der Regel 4 bis 12 Monate und soll dem Bewerber helfen, den Beruf und das Unternehmen kennenzulernen, und dem Arbeitgeber ermöglichen, den zukünftigen Auszubildenden einzuschätzen. Die Teilnahme und die Bedingungen sollten am besten mit der Berufsberatung oder dem Jobcenter besprochen werden.
Assistierte Ausbildung (AsA)
„Assistierte Ausbildung“ bietet Unterstützung vor und während der Ausbildung: Hilfe bei Lernschwierigkeiten, Prüfungen, Konflikten im Betrieb oder organisatorischen Problemen. Dies ist kein Ersatz für die Bewerbung, sondern ein Begleitinstrument für diejenigen, die zusätzliche Hilfe benötigen.
Teilzeitausbildung
Eine Teilzeitausbildung ist möglich, wenn der Arbeitgeber damit einverstanden ist. Diese Form hilft dabei, die Ausbildung mit familiären oder anderen Umständen zu vereinbaren, aber die Bedingungen und die Dauer müssen im Voraus abgesprochen werden.
Checkliste vor dem Absenden der Bewerbung
Bitte überprüfen Sie vor dem Absenden:
- die Stelle tatsächlich frei ist und der Starttermin passt;
- ein auf den Beruf zugeschnittener Lebenslauf;
- Das Anschreiben ist auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten;
- die Unterlagen sind korrekt benannt und im geforderten Format eingereicht;
- keine Fehler im deutschen Namen des Unternehmens und des Ansprechpartners;
- aktuelle Kontaktdaten und eine funktionierende E-Mail-Adresse sind angegeben;
- Sind Sie bereit, Ihre Berufswahl im Vorstellungsgespräch zu begründen? – wissen Sie, welcher Test oder welche nächste Phase nach der Bewerbung folgen könnte?
Zusammenfassung
Die Chancen auf eine Ausbildung erhöht nicht das Massenversenden von Bewerbungen, sondern eine gezielte Strategie: frühzeitige Suche, klare Berufswahl, auf den jeweiligen Arbeitgeber zugeschnittene Unterlagen, Vorbereitung auf Tests und die Bereitschaft, praktisches Interesse zu zeigen. Wenn die ersten Bewerbungen nicht zum Erfolg geführt haben, sollte man nicht einfach die Anzahl der Standardbewerbungen erhöhen, sondern den Lebenslauf, das Anschreiben, den Suchradius und die Nachweise für praktisches Interesse verbessern.