Jobcoaching in Deutschland: Wie erhält man Coaching über den AVGS und für wen ist es geeignet?
Jobcoaching in Deutschland ist eine Begleitung bei der Arbeitssuche: Analyse des Lebenslaufs, Strategie für Bewerbungen, Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und Umgang mit Karrierehindernissen. In bestimmten Fällen kann ein solches Coaching über den Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, kurz AVGS, finanziert werden, sofern die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Teilnahme vor Beginn des Programms schriftlich genehmigt.
Was ist AVGS?
Der AVGS ist ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein für Maßnahmen, die einer Person helfen, wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen oder schneller eine Arbeit zu finden. Über ihn können Coaching, Bewerbungstraining, Qualifizierungsmaßnahmen oder private Arbeitsvermittlung finanziert werden, sofern die gewählte Maßnahme den Bedingungen des Gutscheins entspricht.
Wichtig: Der AVGS bedeutet keinen automatischen Anspruch auf einen beliebigen Kurs. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit erfolgt die Entscheidung nach einem Gespräch mit einem zuständigen Sachbearbeiter. Die Behörde prüft, ob die Maßnahme in Ihrer konkreten Situation hilfreich ist, ob die Bedingungen des Gutscheins erfüllt sind und ob eine schriftliche Genehmigung vorliegt.
Für wen ist Jobcoaching geeignet?
Jobcoaching ist besonders hilfreich für diejenigen, die bereits arbeitsfähig sind oder kurz vor dem Einstieg in den Arbeitsmarkt stehen, aber in einer der Phasen der Arbeitssuche feststecken.
Am häufigsten sind folgende Personengruppen von solchen Schwierigkeiten betroffen:
- Empfänger von Bürgergeld oder Arbeitslosengeld, die seit längerer Zeit keine Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhalten;
- neu angekommene Fachkräfte, die ihren Lebenslauf an den deutschen Arbeitsmarkt anpassen müssen;
- Personen mit vorübergehendem Schutzstatus oder einem anderen Migrationsstatus, denen es schwerfällt, Sprachprobleme, Dokumentenfragen und die Arbeitssuche unter einen Hut zu bringen;
- Bewerber, die nicht wissen, auf welche Stellenangebote sie sich tatsächlich bewerben sollen;
- Arbeitssuchende, die erste Vorstellungsgespräche absolvieren, aber kein Stellenangebot erhalten;
- Fachkräfte, die sich beruflich neu orientieren oder nach einer Pause wieder ins Berufsleben zurückkehren.
Was gehört normalerweise zum Jobcoaching?
Der Inhalt hängt vom Programm und den im AVGS festgelegten Zielen ab. In der Regel konzentriert sich die Arbeit auf praktische Aufgaben und nicht auf allgemeine Motivationsratschläge.
Lebenslauf und Unterlagen
Ein deutscher Lebenslauf ist nicht einfach nur eine Übersetzung des alten Lebenslaufs. Arbeitgeber erwarten eine übersichtliche Struktur, eine chronologische Darstellung, relevante Aufgabenbereiche, eine sorgfältige Gestaltung und einen Bezug zur konkreten Stellenausschreibung. Auch das Anschreiben sollte verdeutlichen, warum der Bewerber gerade für dieses Unternehmen geeignet ist.
Beim Coaching wird in der Regel Folgendes überprüft:
- Lebenslauf und dessen Aufbau;
- Anschreiben für verschiedene Arten von Stellenangeboten;
- ein LinkedIn- oder Xing-Profil, sofern dies in der Branche erforderlich ist;
- Zeugnisse, Zertifikate, Übersetzungen und Nachweise über Berufserfahrung;
- Erläuterung von Berufsunterbrechungen oder Berufswechseln.
Strategie für die Arbeitssuche
Massenbewerbungen auf alle ähnlichen Stellenangebote führen oft zu schwachen Ergebnissen. Effektiver ist es, Zielpositionen, Anforderungen der Arbeitgeber, die Region, das Sprachniveau und eine realistische Gehaltsspanne festzulegen.
Eine gute Strategie beantwortet folgende Fragen:
- welche Stellen derzeit in Frage kommen und welche nach dem Spracherwerb oder der Anerkennung des Abschlusses realistisch werden;
- wo man Stellenangebote in einem bestimmten Bereich finden kann;
- wie man eine Bewerbung an ein Unternehmen anpasst;
- wie viele Bewerbungen und welche Maßnahmen pro Woche zu erledigen sind;
- wie man Rückmeldungen nachverfolgt und den Ansatz anpasst.
Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch
Bei Vorstellungsgesprächen in Deutschland werden oft nicht nur die beruflichen Fähigkeiten geprüft, sondern auch die Kommunikationsfähigkeit, die Motivation, das Verständnis für die Rolle und die Bereitschaft zur Teamarbeit. Für Bewerber mit Migrationshintergrund liegt die Schwierigkeit möglicherweise nicht in der Qualifikation, sondern in der Sprache, den kulturellen Erwartungen und der Art der Selbstpräsentation.
Im Coaching können folgende Themen behandelt werden:
- eine Selbstvorstellung auf Deutsch oder Englisch;
- Antworten auf Fragen zur Motivation, zum Gehalt und zu Lücken im Lebenslauf;
- Erläuterung des ausländischen Abschlusses und der bisherigen Tätigkeiten;
- Verhalten bei Online- und Offline-Vorstellungsgesprächen;
- Nachbereitung nach dem Gespräch mit dem Arbeitgeber.
Wie erhält man Jobcoaching über den AVGS?
Der allgemeine Ablauf sieht wie folgt aus:
- Besprechen Sie mit Ihrer Vermittlungsfachkraft bei der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter, warum Sie Jobcoaching benötigen.
- Wenn die Behörde die Maßnahme für geeignet hält, können Sie einen AVGS unter bestimmten Bedingungen erhalten: Ziel, Dauer, Region und Gültigkeitsdauer.
- Suchen Sie sich einen Maßnahmeträger, dessen Programm den Bedingungen des Gutscheins entspricht.
- Leiten Sie die Informationen zum Programm an Ihren Ansprechpartner weiter und warten Sie auf den schriftlichen Bewilligungsbescheid.
- Beginnen Sie mit dem Coaching erst nach schriftlicher Genehmigung, da die Kosten andernfalls möglicherweise nicht erstattet werden.
Falls Fahrtkosten oder Kinderbetreuungskosten anfallen, muss die Möglichkeit ihrer Erstattung im Voraus bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter geklärt werden. Solche Kosten werden nicht immer erstattet und nur bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen.
Welche Unterlagen müssen vorbereitet werden?
Vor dem Gespräch mit der Behörde und dem Coaching-Anbieter ist es sinnvoll, Folgendes zusammenzustellen:
- ein aktueller Lebenslauf;
- Beispiele für Stellenangebote, auf die Sie sich bewerben möchten;
- eine Liste der bereits versendeten Bewerbungen und der Antworten der Arbeitgeber;
- Zeugnisse, Zertifikate, Nachweise über Berufserfahrung;
- Informationen zum aktuellen Aufenthaltsstatus und zur Arbeitserlaubnis;
- Deutsch- und Englischkenntnisse;
- Kurze Beschreibung des Hauptproblems: keine Rückmeldungen, keine Vorstellungsgespräche, Absagen nach Vorstellungsgesprächen, unklare Strategie.
Was Sie vor der Auswahl eines Programms beachten sollten
Nicht jeder Kurs ist gleichermaßen hilfreich. Prüfen Sie vor Beginn, ob das Programm mit Ihrem Ziel und den AVGS-Bedingungen übereinstimmt.
Positive Anzeichen:
- Das Programm ist auf konkrete Stellenangebote und Ihr Profil zugeschnitten;
- Es wird praktisch an Lebensläufen, Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgesprächen gearbeitet, nicht nur Vorträge gehalten;
- die Dauer und das Format der Sitzungen sind klar;
- Der Anbieter erläutert, welche Unterlagen für die Genehmigung erforderlich sind;
- Ihnen wird keine garantierte Vermittlung versprochen;
- vor Beginn liegt eine schriftliche Genehmigung der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters vor.
Häufige Fehler
- Das Coaching vor Erhalt des schriftlichen Bewilligungsbescheids beginnen.
- Ein Programm auswählen, das nicht den AVGS-Bedingungen entspricht.
- Zu erwarten, dass der Coach anstelle des Bewerbers selbst eine Stelle findet.
- Verwenden Sie für alle Stellenangebote dieselbe Lebenslaufvorlage.
- Anforderungen hinsichtlich Sprachkenntnissen, der Anerkennung von Abschlüssen oder einer Arbeitserlaubnis sind nicht zu berücksichtigen.
- Wichtige Details zum Status, zur Verfügbarkeit oder zu Einschränkungen vor der Behörde zu verheimlichen.
Fazit
Jobcoaching kann ein nützliches Instrument bei der Arbeitssuche in Deutschland sein, insbesondere wenn Sie sich bereits seit längerer Zeit erfolglos bewerben oder die Regeln des lokalen Arbeitsmarktes nicht verstehen. Eine staatliche Kostenübernahme über den AVGS ist jedoch nur bei Erfüllung der Voraussetzungen und nach schriftlicher Zustimmung der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters möglich.