AVGS für Ukrainer nach § 24: So erhalten Sie kostenloses Coaching für Arbeit oder Selbstständigkeit in Deutschland

AVGS für Ukrainer nach § 24: So erhalten Sie kostenloses Coaching für Arbeit oder Selbstständigkeit in Deutschland

Wenn Sie sich gemäß § 24 in Deutschland aufhalten und planen, länger hier zu bleiben, ist es wichtig, nicht bis zum letzten Monat der befristeten Schutzmaßnahme zu warten. Für den Übergang in eine stabilere Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit sind oft ein deutscher Lebenslauf, eine klare Strategie für die Arbeitssuche, ein Businessplan oder die Vorbereitung auf Gespräche mit Behörden erforderlich. Ein Instrument, das dabei helfen kann, ist der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit.

Der AVGS ist kein „automatischer Anspruch auf einen Coach“, sondern die Finanzierung einer konkreten Maßnahme, sofern der Berater diese als förderlich für Ihre Integration in den Arbeitsmarkt erachtet. Je nach Situation kann der Gutschein Jobcoaching, Vorbereitung auf die Arbeitsaufnahme, Unterstützung bei der Gründung einer selbstständigen Tätigkeit oder private Arbeitsvermittlung abdecken. Die Bedingungen, die Gültigkeitsdauer und der Geltungsbereich sind in der Regel direkt im Dokument angegeben.

Was ist AVGS in einfachen Worten?

AVGS steht für Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein. Er wird von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter ausgestellt, damit die betroffene Person eine geeignete Maßnahme bei einem akkreditierten Anbieter (Maßnahmeträger) absolvieren oder eine private Arbeitsvermittlung in Anspruch nehmen kann.

Für den Teilnehmer ist eine solche Maßnahme in der Regel kostenlos, es gibt jedoch eine wichtige Voraussetzung: Die Behörde muss die Teilnahme vorab schriftlich genehmigen. Wenn Sie das Coaching vor Erhalt des Bewilligungsbescheids oder außerhalb der Bedingungen des Gutscheins beginnen, werden die Kosten möglicherweise nicht übernommen.

Im Gutschein selbst wird in der Regel Folgendes geprüft:

  • Ziel der Maßnahme: zum Beispiel Bewerbungstraining, Jobcoaching oder Vorbereitung auf die Selbstständigkeit;
  • zulässige Dauer;
  • Gültigkeitsdauer;
  • Region oder Form der Teilnahme;
  • Anforderungen an den Anbieter und dessen Akkreditierung.

Inwiefern ist das AVGS für Personen nach § 24 von Nutzen?

§ 24 bietet vorübergehenden Schutz, ersetzt jedoch für sich genommen keine langfristige Strategie: Arbeit, Ausbildung, Studium, Anerkennung von Qualifikationen, Selbstständigkeit oder ein anderer geeigneter Status hängen von Ihrer Situation ab. Daher besteht die wichtigste praktische Aufgabe nicht einfach darin, „einen Gutschein zu erhalten“, sondern zu verstehen, welche Maßnahme Sie tatsächlich einer Beschäftigung oder einem Einkommen näherbringt.

Der AVGS kann besonders hilfreich sein, wenn Sie:

  • auf der Suche nach Ihrer ersten qualifizierten Beschäftigung in Deutschland sind;
  • Sie wissen nicht, wie Sie Ihren Lebenslauf und Ihr Anschreiben an den deutschen Arbeitsmarkt anpassen sollen;
  • Sie bewerben sich schon seit Langem, erhalten aber kaum Einladungen;
  • Sie möchten von Gelegenheitsjobs zu einer fachbezogenen Beschäftigung wechseln;
  • Sie planen die Gründung eines Einzelunternehmens, die Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit oder eine andere legale Form der Selbstständigkeit;
  • Sie benötigen einen Businessplan und ein Finanzmodell für die Kommunikation mit Behörden, Banken oder Beratern.

Zwei gängige Coaching-Formate

Jobcoaching zur Arbeitssuche

Jobcoaching eignet sich, wenn das Ziel darin besteht, in den deutschen Arbeitsmarkt einzusteigen oder die Qualität der Stellensuche zu verbessern. In einem guten Programm werden in der Regel folgende Themen behandelt:

  • Ihre Berufserfahrung, Abschlüsse, Fähigkeiten und realistische Stellenvorstellungen;
  • Lebenslauf, Anschreiben und LinkedIn-/Xing-Profil;
  • eine Strategie für die Stellensuche und die Bewerbung;
  • Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche auf Deutsch oder Englisch;
  • Erläuterung von Lücken im Lebenslauf, Berufswechseln sowie ukrainischer/internationaler Berufserfahrung;
  • einen Aktionsplan nach jeder Bewerbung und jedem Vorstellungsgespräch.

Es ist wichtig, nicht darauf zu warten, dass der Anbieter „einen Arbeitsplatz für Sie findet“. AVGS hilft dabei, die Suche zu strukturieren, aber die Entscheidung über die Einstellung trifft der Arbeitgeber.

Existenzgründungscoaching für Unternehmen

Dieses Format ist für diejenigen gedacht, die sich selbstständig machen möchten. Je nach Maßnahme kann das Coaching Folgendes umfassen:

  • die Prüfung einer Geschäftsidee für den deutschen Markt;
  • Berechnung von Einnahmen, Ausgaben, Steuerbelastung und Startkosten;
  • die Erstellung eines Geschäftsplans;
  • Wahl zwischen gewerblicher und freiberuflicher Tätigkeit;
  • Grundlegende Kenntnisse im Umgang mit dem Finanzamt, der IHK/HWK und anderen Behörden;
  • Plan für Vertrieb, Marketing und die ersten Kunden.

Wenn Ihre Idee mit einer lizenzpflichtigen Tätigkeit, Medizin, Finanzen, Transportwesen, Handwerk oder einem reglementierten Beruf zusammenhängt, prüfen Sie die Anforderungen bitte gesondert. Das AVGS-Coaching ersetzt keine Genehmigungen, Registrierungen und beruflichen Zulassungen.

Wer kann AVGS beantragen?

Das AVGS wird mit Ihrem Berater bei der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter besprochen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit handelt es sich bei Coaching/Qualifizierung um eine Ermessensleistung: Die Behörde beurteilt, ob die Maßnahme tatsächlich dazu beiträgt, Sie beruflich voranzubringen. Für die private Arbeitsvermittlung im Rahmen der AVGS gelten gesonderte Regelungen: Kunden der Agentur für Arbeit, die nach mehr als sechs Wochen Arbeitslosigkeit Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, können Anspruch auf einen solchen Gutschein haben, während Kunden des Jobcenters in der Regel keinen Rechtsanspruch darauf haben.

In der Praxis hat Ihr Antrag bessere Chancen, wenn Sie Folgendes nachweisen können:

  • ein konkretes berufliches Ziel;
  • was Sie bereits selbst unternommen haben;
  • Welche Hindernisse stehen der Arbeitsaufnahme oder der Gründung eines Unternehmens im Weg?
  • warum gerade diese Maßnahme das Problem löst;
  • dass der Anbieter die AVGS-Voraussetzungen erfüllt und über die erforderliche Zulassung verfügt.

Wie bereitet man sich auf ein Gespräch mit dem Jobcenter oder der Arbeitsagentur vor?

Bereiten Sie vor dem Termin oder dem Schreiben eine kurze Begründung vor. Diese sollte sachlich und nicht emotional sein.

Es ist sinnvoll, im Voraus Folgendes zu notieren:

  1. Was ist Ihr Ziel: eine Tätigkeit in Ihrem Berufsfeld, eine Ausbildung, ein Branchenwechsel oder eine Selbstständigkeit?
  2. Welche Schritte wurden bereits unternommen: Bewerbungen, Vorstellungsgespräche, Anerkennung von Abschlüssen, Sprachkurse, Beratungsgespräche.
  3. Was nicht funktioniert: schwache Rückmeldungen von Arbeitgebern, ein unübersichtlicher Arbeitsmarkt, Schwierigkeiten mit den Unterlagen, das Fehlen eines deutschen Businessplans.
  4. Welche Maßnahme wird benötigt: Jobcoaching, Bewerbungstraining, Existenzgründungscoaching oder private Arbeitsvermittlung.
  5. Wie dies dazu beiträgt, schneller von Sozialleistungen unabhängig zu werden oder das Einkommen zu stabilisieren.

Beispiel für eine neutrale Formulierung bei einem Termin:

Ich möchte gerne besprechen, ob ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein für ein Jobcoaching oder eine Maßnahme zur beruflichen Eingliederung in meiner Situation sinnvoll ist.

Beispiel für ein kurzes Schreiben:

Sehr geehrte/r Frau/Herr [Name],

Ich möchte meine berufliche Integration in Deutschland gezielt verbessern. Trotz eigener Bewerbungen benötige ich professionelle Unterstützung bei [Lebenslauf/Anschreiben/Bewerbungsstrategie/Existenzgründung].

Deshalb möchte ich mit Ihnen besprechen, ob ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein für eine passende Maßnahme möglich ist.

Mit freundlichen Grüßen [Name]

Was geschieht nach der Bewilligung?

Wenn Sie einen AVGS erhalten haben, beginnen Sie nicht automatisch mit dem Coaching. Prüfen Sie zunächst das Dokument und stimmen Sie die weiteren Schritte ab.

Schauen Sie mal rein:

  • die richtige Art der Maßnahme;
  • Gültigkeitsdauer;
  • regionale Einschränkungen;
  • Teilnahmeform: online oder vor Ort;
  • die maximale Laufzeit;
  • Anforderungen an den Anbieter;
  • Ist vor Beginn ein separater Bewilligungsbescheid erforderlich?

Gemäß den Vorschriften der Bundesagentur für Arbeit prüft der Coaching-/Qualifizierungsanbieter zunächst die Bedingungen des Gutscheins und stellt eine Bestätigung aus; anschließend überprüft die Vermittlungsfachkraft den Nutzen der Maßnahme und die Erfüllung der Bedingungen. Erst nach schriftlicher Genehmigung kann die Teilnahme ohne eigene Kosten beginnen.

Wenn der Berater den Antrag abgelehnt hat

Eine Ablehnung bedeutet nicht immer das Ende des Verfahrens. Bitten Sie zunächst um eine Begründung: Ist die Maßnahme ungeeignet, fehlen Unterlagen, schlägt die Behörde eine interne Alternative vor, entspricht der Anbieter nicht den Bedingungen oder ist das Ziel zu vage formuliert?

Zur Klarstellung:

  • Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, damit ein AVGS möglich ist?
  • Welche Unterlagen fehlen Ihrer Meinung nach?
  • Gibt es eine alternative Maßnahme, die Sie empfehlen?
  • Kann ich eine schriftliche Entscheidung erhalten?

Wenn es sich um eine formelle Entscheidung handelt und Sie diese für fehlerhaft halten, ist ein Widerspruch möglich. Für rechtlich relevante Einwände sollten Sie jedoch besser die Sozialberatung, Migrationsberatung oder einen Rechtsanwalt hinzuziehen, insbesondere wenn es um Leistungen, den Aufenthaltsstatus oder Fristen geht.

Häufige Fehler

  • Um „einen beliebigen Gutschein“ zu bitten, ohne den Zweck zu erläutern.
  • Wählen Sie einen Anbieter erst aus, nachdem Sie dessen Zulassung und die Bedingungen des Gutscheins überprüft haben.
  • Beginnen Sie mit dem Coaching erst nach schriftlicher Genehmigung.
  • Dem Berater ein unrealistisches Ergebnis zu versprechen, wie beispielsweise eine Arbeitsvermittlung innerhalb weniger Wochen.
  • Die Frage zum AVGS nicht mit der Migrationsberatung gemäß § 24 und der zukünftigen Aufenthaltserlaubnis verwechseln.
  • Bewahren Sie keine Briefe, Bescheide, Bestätigungen und Korrespondenz auf.

Was das AVGS nicht regelt

Der AVGS kann bei der Arbeitssuche oder der Unternehmensgründung helfen, verlängert jedoch nicht § 24, gewährt keine Niederlassungserlaubnis, ersetzt kein Arbeitsvisum und garantiert keine Anerkennung von Abschlüssen. Informieren Sie sich für den Migrationsweg über die Anforderungen der Ausländerbehörde, die offiziellen Erläuterungen der Bundesbehörden und lassen Sie sich gegebenenfalls von Fachleuten beraten.

Kurze Checkliste

  • Legen Sie Ihr Ziel fest: Arbeit, Berufswechsel oder Existenzgründung.
  • Sammeln Sie Belege für Ihre Bemühungen und Hindernisse.
  • Suchen Sie eine passende Maßnahme und prüfen Sie die Zulassung des Anbieters.
  • Besprechen Sie das AVGS mit einem Berater des Jobcenters oder der Agentur für Arbeit.
  • Holen Sie sich vor Beginn der Maßnahme eine schriftliche Genehmigung ein.
  • Bewahren Sie die Unterlagen auf und halten Sie die Ergebnisse fest: Rückmeldungen, Vorstellungsgespräche, Geschäftsplan, nächste Schritte.

Der AVGS sollte als praktisches Instrument und nicht als reine Formalität betrachtet werden. Je deutlicher Sie den Zusammenhang zwischen dem Coaching und dem Einstieg in das Berufsleben oder einem dauerhaften Einkommen aufzeigen, desto einfacher fällt es dem Berater, den Nutzen der Maßnahme einzuschätzen.