Arbeit als Fernfahrer in Deutschland: Anforderungen, Unterlagen und Gehalt
In deutschen Stellenanzeigen für Fernfahrer wird in der Regel nach LKW-Fahrern, Berufskraftfahrern/innen, Kraftfahrern der Klasse CE, Sattelzugfahrern, Fernfahrern oder Nahverkehrsfahrern gesucht. Für Fernfahrten sind meist die Führerscheinklasse CE, eine nachgewiesene berufliche Qualifikation als Fahrer, eine Fahrerkarte für den Tachographen sowie eine gültige Arbeitserlaubnis für Deutschland erforderlich.
Der Beruf ist gefragt, doch der Einstieg hängt nicht allein von der Fahrerfahrung ab. Der Arbeitgeber prüft die Führerscheinklassen, den FQN oder den früheren Code 95, die Fahrerkarte, die Sprachkenntnisse, die gesundheitliche Eignung und den Aufenthaltsstatus. Wenn ein Teil der Dokumente nicht aus Europa stammt, wird der Weg in der Regel länger: Führerschein und Qualifikation müssen möglicherweise anerkannt, umgetauscht oder neu erworben werden.
Wie heißt der Beruf und worin unterscheiden sich die Routen?
In Stellenanzeigen lohnt es sich, nicht nur nach dem Begriff „Fernfahrer“ zu suchen. In Deutschland werden häufiger deutsche Bezeichnungen verwendet:
| Deutscher Begriff | Was bedeutet das normalerweise? |
|---|---|
| LKW-Fahrer | Lkw-Fahrer, allgemeiner Begriff |
| Berufskraftfahrer/in | Berufskraftfahrer/in im Güter- oder Personenverkehr |
| Kraftfahrer CE | Fahrer der Klasse CE, häufig Sattelzugmaschine mit Sattelauflieger |
| Fernverkehr | Fern- und internationale Fahrten, oft mit Übernachtungen außer Haus |
| Nahverkehr | Regionaler Transport, meist mit Rückkehr nach Hause am selben Tag |
| Sattelzugfahrer | Fahrer eines Sattelzuges mit Sattelauflieger |
Die Art der Tätigkeit hat großen Einfluss auf den Alltag. Im Nahverkehr gibt es mehr kurze Fahrstrecken, Be- und Entladungen sowie Kontakt zu Lagern. Im Fernverkehr gibt es in der Regel weniger Stopps pro Schicht, dafür aber mehr Übernachtungen unterwegs, internationale Routen und eine stärkere Abhängigkeit vom Fahrplan des Unternehmens.
Was gehört zu den Aufgaben eines LKW-Fahrers?
Ein moderner Lkw-Fahrer in Deutschland ist nicht nur für die Fahrt auf der Strecke verantwortlich. Von ihm wird ein sorgfältiger Umgang mit der Technik, den Dokumenten, dem Fahrtenschreiber und der Ladung erwartet.
Zu den Aufgaben gehören in der Regel:
- die Auslieferung der Fracht entlang der Route und innerhalb der vereinbarten Zeitfenster;
- Überprüfung der Ladungssicherung, des Gewichts und des Zustands der Ladung;
- Überwachung des Be- und Entladens sowie in einigen Unternehmen die Mitwirkung bei diesen Arbeiten;
- Umgang mit CMR, Frachtbriefen, Bordcomputern und Navigationssystemen;
- tägliche Überprüfung der Zugmaschine, des Anhängers oder des Sattelaufliegers;
- Einhaltung der Vorschriften zu Lenkzeiten, Pausen und Ruhezeiten;
- Kommunikation mit der Disposition, den Lagern, den Kunden, dem Kundendienst und den Aufsichtsbehörden.
Vor der Vertragsunterzeichnung ist es wichtig zu klären, wer für das Beladen zuständig ist, ob Wartezeiten vergütet werden, ob Nachtschichten anfallen, wie die Reisekosten geregelt sind und wo der Fahrer seine regelmäßige wöchentliche Ruhezeit verbringt.
Welche Unterlagen werden benötigt?
Für die meisten Stellen im Fernverkehr wird die Führerscheinklasse CE benötigt. Die Klassen C, C1 und C1E kommen ebenfalls vor, jedoch häufiger im Zustellverkehr, im Baugewerbe, im öffentlichen Nahverkehr oder bei spezielleren Aufgaben. Die Führerscheinklassen werden ausführlich im Artikel über und die Führerscheinklassen in Deutschland erläutert.
Für den gewerblichen Lkw-Verkehr reicht eine einzige Führerscheinklasse nicht aus. Es ist eine berufliche Qualifikation als Fahrer erforderlich. In Deutschland wird diese durch den Fahrerqualifizierungsnachweis (FQN) bestätigt. In Stellenanzeigen wird nach wie vor häufig Code 95 angegeben, da dies die gewohnte alte Bezeichnung für die Zulassung ist.
| Was wird benötigt? | Wozu? | Was ist zu beachten? |
|---|---|---|
| Klasse C/CE | Berechtigung zum Führen eines Lkw der entsprechenden Klasse | Für den klassischen Fernverkehr wird meist CE verlangt |
| FQN / Code 95 | Zulassung zum gewerblichen Güterverkehr | Die Qualifikation muss regelmäßig durch Weiterbildung verlängert werden |
| Fahrerkarte | Umgang mit dem digitalen Tachographen | Ohne Fahrerkarte kann ein Fahrer Fahrten mit dem Tachographen nicht ordnungsgemäß durchführen |
| Medizinische und Sehprüfungen | Zulassung zu den Güterverkehrsklassen | Die Anforderungen hängen vom Alter und der Klasse ab |
| Deutsch oder Arbeitsenglisch | Disponenten, Lager, Polizei, Unterlagen | Für deutsche Routen erhöhen Grundkenntnisse in Deutsch die Chancen deutlich |
| Arbeitsrecht | Legale Beschäftigung | Für Drittstaatsangehörige ist eine entsprechende Aufenthaltserlaubnis oder ein Visum erforderlich |
Falls die erforderliche Führerscheinklasse noch nicht vorliegt, wird diese über eine Fahrschule erworben. Der allgemeine Ablauf ähnelt dem üblichen Führerscheinerwerb: Antrag, Zulassung, Theorie, Praxis und Prüfungen. Der schrittweise Ablauf wird im Artikel „“ beschrieben: Wie man in Deutschland einen Führerschein erhält. Für Lkw-Führerscheinklassen muss zusätzlich Zeit für die ärztliche Untersuchung, den Sehtest, die berufliche Qualifikation und die Fahrerkarte eingeplant werden.
Ausbildung oder Einstieg mit Berufserfahrung
In Deutschland gibt es eine dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer/in. Sie eignet sich für diejenigen, die von Grund auf in den Beruf einsteigen und über das Berufsbildungssystem eine deutsche Qualifikation erwerben möchten.
Erfahrene erwachsene Bewerber werden oft anders bewertet: Sind die erforderlichen Führerscheinklassen vorhanden, liegt eine gewerbliche Zulassung vor, gibt es Erfahrung mit bestimmten Fahrzeugtypen, versteht man den Fahrtenschreiber und ist man bereit, nach deutschen Vorschriften zu arbeiten? Erfahrung mit Kühlfahrzeugen, Tankwagen, Containern, Wechselaufbauten oder ADR kann den Wert eines Bewerbers steigern, doch muss jede Spezialisierung separat nachgewiesen werden.
Wie findet man als Ausländer eine Anstellung?
Für Bürger der EU, des EWR und der Schweiz ist der Weg in der Regel am einfachsten: Bei entsprechenden Führerscheinen, Qualifikationen und einem Arbeitsvertrag kann man ohne Arbeitsvisum eine Beschäftigung aufnehmen.
Für Staatsangehörige aus Nicht-EU-Ländern gelten gesonderte Regelungen. Das offizielle Portal „Make it in Germany“ weist darauf hin, dass für den Einstieg als Berufskraftfahrer in der Regel ein in der EU/im EWR ausgestellter Führerschein der Klassen C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D oder DE sowie ein Nachweis über die Grundqualifikation in der entsprechenden Klasse erforderlich sind. Falls diese Dokumente noch nicht vorliegen, ist unter bestimmten Voraussetzungen die Einreise möglich, um den Führerschein und die Qualifikation bereits in Deutschland zu erwerben.
In der Praxis gibt es zwei Szenarien:
- Der Bewerber verfügt bereits über einen europäischen Führerschein und eine gültige Fahrerqualifikation, daher ist der Weg zum Arbeitsvertrag kürzer;
- Liegen keine europäischen Dokumente vor, organisiert der Arbeitgeber den Prozess der Ausbildung, des Umtauschs oder der Erlangung deutscher Zulassungen.
Wurden die Führerscheine nicht in der EU oder im EWR ausgestellt, können sie nach der Anmeldung des Wohnsitzes in Deutschland in der Regel nur für eine begrenzte Zeit genutzt werden; anschließend müssen sie umgetauscht oder durch einen deutschen Führerschein ersetzt werden. Die Bedingungen hängen vom Ausstellungsland ab: Für manche Länder gelten Erleichterungen, für andere sind Theorie- und Fahrprüfung erforderlich.
Die Frage des Visums lässt sich nicht allein anhand der Stellenbezeichnung klären. Für die Einreise zum Zweck der Beschäftigung als Fahrer ist ein entsprechender nationaler Visumtyp oder eine Aufenthaltserlaubnis erforderlich, und der Arbeitgeber muss die Anstellung ordnungsgemäß abwickeln. Die grundlegende Logik wird im Artikel über das Arbeitsvisum für Deutschland beschrieben.
Lenk- und Ruhezeiten
In Deutschland und der EU wird die Lenkzeit durch den Tachographen erfasst. Es ist wichtig, zwischen Lenkzeit – der Zeit am Steuer – und der Arbeitszeit zu unterscheiden: Be- und Entladen, Wartezeiten, das Ausfüllen von Dokumenten, die Fahrt zum Standort und andere Aufgaben stellen ebenfalls eine Belastung dar, gelten jedoch nicht immer als Lenkzeit.
Wichtige Orientierungspunkte für den gewerblichen Güterverkehr:
- Die tägliche Lenkzeit ist in der Regel auf 9 Stunden begrenzt; zweimal pro Woche kann sie auf 10 Stunden verlängert werden;
- Nach 4,5 Stunden Fahrzeit ist eine Pause von mindestens 45 Minuten erforderlich, die in 15 und 30 Minuten aufgeteilt werden kann;
- Die wöchentliche Lenkzeit darf 56 Stunden nicht überschreiten;
- In zwei aufeinanderfolgenden Wochen dürfen insgesamt nicht mehr als 90 Stunden gefahren werden;
- Die regelmäßige tägliche Ruhezeit beträgt mindestens 11 Stunden, wobei für verkürzte Ruhezeiten gesonderte Vorschriften gelten;
- Die regelmäßige wöchentliche Ruhezeit beträgt mindestens 45 Stunden und darf nicht in der Fahrerkabine verbracht werden.
Für internationale Fahrten gilt die Regel, dass der Fahrer mindestens einmal alle vier Wochen nach Hause oder zur Betriebsbasis zurückkehren muss. Der Arbeitgeber muss die Fahrten so planen, dass die Lenk- und Ruhezeiten eingehalten werden können, und darf das Risiko von Bußgeldern nicht auf den Fahrer abwälzen.
Fahrverbote für Lkw
In Deutschland gilt sonntags und an gesetzlichen Feiertagen ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen sowie für Lkw mit Anhänger im gewerblichen Güterverkehr. Es gibt Ausnahmen, beispielsweise für bestimmte verderbliche Güter und Sondertransporte, daher muss jede einzelne Fahrt hinsichtlich Ladung, Route und Genehmigungen geprüft werden.
Im Sommer kommt in der Regel eine saisonale Beschränkung gemäß der Ferienreiseverordnung hinzu: Vom 1. Juli bis zum 31. August wird samstags von 7:00 bis 20:00 Uhr auf bestimmten Autobahnen und Bundesstraßen der Verkehr für schwere Lkw eingeschränkt. Für die Fahrplanplanung ist dies nicht weniger wichtig als das übliche sonntägliche Fahrverbot auf deutschen Autobahnen.
Das Gehalt eines Fernfahrers in Deutschland
Das Gehalt sollte man am besten als Bruttomonatslohn betrachten und nicht nur den Stundenlohn, sondern auch den Dienstplan vergleichen. Das Einkommen wird beeinflusst durch die Region, die Art der Transporte, Nachtschichten, internationale Fahrten, ADR, Prämien, Wartezeitvergütung, Reisekosten sowie die Häufigkeit, mit der der Fahrer seine Wochenenden zu Hause verbringt.
Als Orientierungshilfe für den Arbeitsmarkt empfiehlt es sich, die aktuellen Daten im Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit für den Beruf Berufskraftfahrer/in Güterverkehr und verwandte Fachrichtungen zu prüfen. In Stellenanzeigen finden sich häufig Gehaltsspannen von etwa 2.000 Euro brutto aufwärts bis hin zu deutlich höheren Beträgen für CE, Fernverkehr, ADR und anspruchsvolle Dienstpläne, doch ein genaues Bild ergibt sich erst durch die Betrachtung der jeweiligen Region und des konkreten Arbeitsvertrags.
Vor einer Bewerbung ist es sinnvoll, nicht nur das Bruttogehalt, sondern auch das Nettogehalt nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben zu berechnen. Dazu eignet sich die Übersicht unter sowie die Analyse der Nettogehälter in Deutschland unter.
Vor- und Nachteile des Berufs
Vorteile
- Der Beruf ist landesweit weiterhin gefragt;
- klare Zugangslogik: Führerscheinklasse, Qualifikation, Fahrerkarte, Arbeitsvertrag;
- Man kann zwischen Nahverkehr, Fernverkehr, internationalen Fahrten und Spezialisierungen wählen; – Erfahrene, sorgfältige Fahrer können ihr Einkommen durch CE, ADR, Nachtschichten und anspruchsvolle Routen steigern.
Nachteile
- hohe Abhängigkeit von Dokumenten, Verlängerungsfristen und medizinischen Untersuchungen;
- Belastungen durch langes Sitzen, Müdigkeit, Stress durch Staus und Zeitvorgaben;
- das Risiko von Bußgeldern bei schlechter Planung der Arbeits- und Ruhezeiten;
- Übernachtungen außer Haus und ein komplizierter Familienalltag im Fernverkehr;
- Das in der Stellenanzeige angegebene Bruttogehalt kann besser aussehen, als es sich angesichts des Arbeitsplans tatsächlich anfühlt.
Wo man Stellenangebote findet
Es lohnt sich, nach mehreren deutschen Suchbegriffen zu suchen: Berufskraftfahrer, LKW-Fahrer, Kraftfahrer CE, Nahverkehrsfahrer, Fernverkehrsfahrer, Sattelzugfahrer, ADR-Fahrer. Die allgemeine Suchstrategie wird in der Anleitung „“ erläutert: „So finden Sie einen Job in Deutschland“.
Im Lebenslauf sollten diese Angaben am besten gleich im oberen Abschnitt aufgeführt werden:
- Führerscheinklassen und Ausstellungsland;
- ob ein FQN, Code 95 oder eine vergleichbare Qualifikation vorliegt;
- ob eine Fahrerkarte vorliegt;
- Erfahrung mit der Technik und den Ladungsarten;
- Sprachen;
- der aktuelle Aufenthaltsstatus und die Arbeitserlaubnis.
Ein deutscher Arbeitgeber sortiert Bewerber, deren Unterlagen unklar sind, schnell aus. Daher lohnt es sich, den Lebenslauf und das Anschreiben an die Transportbranche anzupassen. Grundlegende Regeln zur Gestaltung finden Sie in den Artikeln „“ und „Lebenslauf für einen deutschen Arbeitgeber“.
Häufige Fehler von Bewerbern
- sich nur auf das Stichwort „Fernfahrer“ zu bewerben und deutsche Stellenbezeichnungen zu überspringen;
- anzunehmen, dass die Führerscheinklassen C oder CE automatisch für den gewerblichen Einsatz ausreichen;
- nicht anzugeben, ob ausländische Führerscheine und Qualifikationen anerkannt werden;
- nicht zu prüfen, wer die Ausbildung, die Fahrerkarte, die ADR-Zulassung und die Verlängerung der Zulassung bezahlt;
- einem Dienstplan zustimmen, der sich nicht mit den Vorschriften des Fahrtenschreibers vereinbaren lässt;
- Vergleiche von Gehältern ohne Berücksichtigung der Region, der Schichten, Zulagen und des Nettogehalts.
Die Arbeit als Fernfahrer in Deutschland kann eine feste Anstellung und einen klaren Einstieg in den Arbeitsmarkt bieten, doch der Erfolg hängt hier von den Unterlagen und der Disziplin ab. Sind Führerscheinklassen, FQN oder Code 95, Fahrerkarte, Sprachkenntnisse und Arbeitserlaubnis geklärt, wird die Stellensuche wesentlich einfacher.